Deutschstunde – German Lesson

An der heutigen Deutschstunde will ich Euch teilhaben lassen. Readers in English language please see down below.
Herr A. J. sprach an, dass er gestern eine erneute Duldung für drei Monate bekommen hat. Derzeit hat er einen Deutschkurs, und wir wiederholten und ergänzten seinen Schreibblock:
„Sein Nachbar muss zurück nach Afghanistan
Die Polizei ist gekommen
Sie hat ihn abgeholt
Die Polizei hat seinen Nachbarn nach München gebracht
Es gab eine Bomben
explosion in Kabul
Viele Menschen wurden getötet oder verletzt
Es gab Viele Tote und Verletzte“
Wir wiederholten den Text, die Sätze und Wörter mit Aussprache. Herr A. J. erzählte weiter – hier in meiner Formulierung und Wiedergabe:
„Das Flugzeug ist nicht abgeflogen.
Die Abschiebung ist ausgesetzt.
Der Nachbar ist zurück gekommen.“

 

Fotos zum Vergrößern anklicken.

English version:
At todays German Lesson, Mister A. J. told that his temporary suspension of deportation (Duldung) was prolongued for three months. He attends a German class, and we repeated his lesson and notices:
„His neighbour has to go back to Afghanistan
Police came
and took him away
Police took his neighbour to Munich
There was a bomb
explosion in Kabul
Many people were killed or hurt
There were many deads and injured“
Repeating the text, sentence and words with pronunciation, Mister A. J. continues the story – here in my words:
„The plane did not start off
The deportation was cancelled
The neighbour came back“

Pulse of Europe

Am Sonntag gab es wieder die Möglichkeit, Pulse of Europe  (Version in English language available there) – kennen zu lernen, die Bürgerinitiative für Europa. Sie ist in vielen Ländern und Städten tätig und versammelt dabei zahlreiche Bürger*innen, die sich für die europäische Idee sowie für friedliche und zivile Zusammenarbeit engagieren:

Unser Ziel und Beitrag

Wir sind überzeugt, dass die Mehrzahl der Menschen an die Grundidee der Europäischen Union und ihre Reformierbarkeit und Weiterentwicklung glaubt und sie nicht nationalistischen Tendenzen opfern möchte. Es geht um nichts Geringeres als die Bewahrung eines Bündnisses zur Sicherung des Friedens und zur Gewährleistung von individueller Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit.

Die Fotos der Galerie durch Anklicken vergrößern.

In Nürnberg trafen sich ein paar Hundert Teilnehmer*innen an der Lorenzkirche. Zunächst schwiegen wir eine Minute zur Anteilnahme für die Opfer des Terrroranschlags in London. Nachher sprach dazu ein britischer Redner. Die Pfarrerin von St. Lorenz erläuterte an diesem Pfingstsonntag, wie der Geist sprachliche Grenzen überwindet zu einer Verständigung – gerade auch im ökumenischen Sinne.

Die Initiatoren trugen den Offenen Brief der Initiative an Europäische Politiker vor, nachzulesen auf der Internet-Seite. Engagierte trugen zehn Thesen zu Europa vor, andere meldeten und kommentierten Nachrichten aus der europäischen Politik der letzten vier Wochen.

Mehrere Sprecher*innen kritisierten die Polizei-Aktion zur Abschiebung eines afghanischen Schülers aus seiner Schulklasse im Nürnberger Berufsschulzentrum vor einigen Tagen mit klarer Unterstützung der Versammlung.

Eine Sängerin gab den Ton an zu Carols Kings „You’ve got a friend“. Die Teilnehmer*innen bildeten ein Ypsilon als Buchstaben zu der europäischen Foto- und Filmaktion „We say hello – don’t say goodbye“ zum Beatles-Song „Hello, Goodbye“ in bezug auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und die entsprechenden Verhandlungen.

Schließlich sangen wir die Ode an die Freude von Ludwig van Beethoven mit drei Versen von Friedrich Schiller – die Europa-Hymne. Eine Menschen-Kette zu den Tönen des Pulsschlages oder Herzschlages rundete die Versammlung ab.

Hier erinnere ich mich, wie wir Anfang der achtziger Jahre Woche für Woche freitags bei St. Lorenz einen „Schweigekreis für den Frieden“ bildeten. Der Protest richtete sich gegen die Nachrüstung mit den Mittelstreckenraketen. Die Friedensbewegung konnte nicht verhindern, dass sie aufgestellt wurden, hat wiederum mit ihrem Einsatz wesentlich dazu beigetragen, dass die betreffenden INF-Verhandlungen dazu führten, dass diese Waffen wieder abgezogen wurden. So lernte ich, dass Bürger-Engagement wirkt und mit entscheidet.

Den Initiator*innenen von Pulse of Europe, aktiven und engagierten Teilnehmer*innen wünsche ich international, europäisch, bundesrepublikanisch und lokal in Nürnberg entsprechende Bildungserlebnisse, weiterhin viel Zuspruch, Gehör, Resonanz und Erfolg auf diesem Weg.

 

http://pulseofeurope.eu/

 

Wir schaffen zusammen …

Zu dem Satz „Wir schaffen das“ und der Frage „Wie schaffen wir das?“ fällt mir in diesen Tagen das schöne Lied der Bots ein: „Sieben Tage lang“. Im zweiten der drei Verse heisst es:

„Dann wollen wir schaffen, sieben Tage lang
dann wollen wir schaffen, komm faß an
Und das wird keine Plackerei.
Wir schaffen zusammen, sieben Tage lang
ja, schaffen zusammen, nicht allein.“

Im Netz finde ich, dass dieses Lied auf das bretonische Volkslied „Son ar chistr“ zurückgeht, „Das Lied von Cidre“, 1929 von zwei bretonischen Bauern Jean-Bernard und Jean-Marie Prima komponiert. Auf der Plattenhülle „Aufstehn“ der Bots – 1980 Phonogram Holland im Vertrieb der EMI-Elektrola – stehen für den Text Hans Sanders und den deutschen Subtext: Lerryn und Günter Wallraff.

Die Bots-Lieder „Sieben Tage lang (Was wollen wir trinken)“, „Aufstehn“ und „Das weiche Wasser bricht den Stein“ waren zur Zeit der Friedensbewegung Anfang der achtziger Jahre wichtige musische Wegbegleiter. Die Friedensbewegung hatte die Stationierung der Mittelstreckenraketen nicht verhindern können, wiederum mit ihrer Wirkung dazu beigetragen, dass sie wieder abgezogen wurden. Meine These bleibt, ohne die Friedensbewegung hätte es das Ende des Kalten Krieges, des Ost-West-Konfliktes, den Fall der Mauer wie des Eisernen Vorhangs und die weiteren Folgen nicht gegeben. Wer erinnert sich an die Dankbarkeit und Freude über fallende Grenzzäune?

Bei der Begleitung der Geflüchteten in diesen Tagen erleben viele Ehrenamtliche und Freiwillige mit ihren Koordinator*innen, das „Wir wollen schaffen“ und „Wir schaffen zusammen, nicht allein“. Und „das wird keine Plackerei“, wenn wir uns nach sechs Tagen mal einen Ruhetag gönnen und genießen.

„Komm, faß an“ … wer anfassen mag, findet die Möglichkeit dazu beim nächstliegenden Helferkreis, der Freiwilligen-Agentur oder in der Nachbarschaft. Wie heisst es im ersten Vers des Liedes: „Es wird genug für alle sein … “

Auch wenn Hans Sanders nicht mehr unter ihnen weilt, freue ich mich, dass die Bots weiter spielen:

http://www.bots-muziek.nl/

 

 

Eingereicht bei „Daily Prompt“:

Melody

Bildung begleiten

Viele Freiwillige engagieren sich für Schülerinnen und Schüler. Ihre Initiativen trafen sich bei einem Fachtag am 25. November zu Information und Austausch. Das „Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V. “ und „ROCK YOUR LIFE! Metropolregion Nürnberg e. V.“ hatten dazu in den Eppelein-Saal der Jugendherberge auf der Nürnberger Burg eingeladen.

Claudia Leitzmann vom Landesnetzwerk, Jan Boskamp von ROCK YOUR LIFE! sowie Julia Schermann vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend begrüßten die etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Über die Möglichkeiten und Grenzen von Patenmodellen sprach Mitra Sharifi-Neystanak von der Universität Bamberg. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher würdigte sie mit Anerkennung für die vielfältigen und nachhaltigen Begegnungen bei der Persönlichkeitsbildung, der Sprach- und Leseförderung, Hausaufgabenbetreuung und Übergangsbegleitung für Kinder und Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund. Als Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Ausländer-, Migrations- und Integrationsbeiräte Bayerns“ (AGABY) kritisierte sie die anhaltende Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im Schulsystem.

In einer Gesprächsrunde stellten Vertreterinnen und Vertreter von „Balu und Du“, „Mentor Lesespaß Coburg“, „ROCK YOUR LIFE!“ und „wings to school“ ihre Initiativen vor, erläuterten ihr Vorgehen und die Herausforderungen bei der Organisation, Finanzierung sowie der Kooperation mit den Schulen.

Für weiteren Input und Austausch sorgten zwei Runden von sechs Workshops über Fundraising, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Gewinnung von Freiwilligen, Anerkennungskultur für Ehrenamtliche, Mentoring-Qualifizierung sowie Wirksamkeitsmessung und Evaluation.

In der bundesweiten Initiative „ROCK YOUR LIFE!“ engagieren sich Studierende als Mentorinnen und Mentoren für Schülerinnen und Schüler mit beträchtlichem Einsatz. Sie bezeichnen sich als „Bewegung für mehr Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Im Workshop Mentoring-Qualifizierung präsentierte Madlen Petzsche das Trainings-Konzept von „ROCK YOUR LIFE!“

Besonders gut gefallen mir die Fragen, mit denen sich die Studierenden, Schülerinnen und Schüler in ihren Trainings und Gesprächen auseinandersetzen:

• „Was würden deine Freunde sagen, sind deine größten Talente?“
• „Was würdest du machen, wenn es sicher nicht schief gehen würde?“
• „Was fällt dir so leicht, dass du es großzügig geben kannst, immer und immer wieder?“
• „Was würdest du machen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“
• „Warum bist du hier?“
• „Wofür willst du bekannt sein?“
• „Wofür danken dir die Menschen oft?“

Unterstützt wurde der Fachtag von der „Aktion zusammen wachsen – Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern. Sie wurde 2008 von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend getragen.

Auf der Internet-Seite der „Aktion zusammen wachsen“ finden sich umfangreiche Informationsmaterialien sowie die bundesweite Projekt-Datenbank. Hier können sich interessierte Initiativen und Organisationen eintragen lassen.

Wer sich freiwillig engagieren möchte als Lesefreundin, Hausaufgabenbetreuer oder Ausbildungsbegleitung findet hier eine passende und gute Adresse in der jeweiligen Nähe.

Zum Abschluss verabredeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtags den weiteren Austausch, Vernetzung und Fortbildungen sowie gemeinsame Interessenvertretung.

Danke für aufgefrischte ältere Kontakte, erfrischende neue Begegnungen, aktuelle Informationen und weiterführende Perspektiven.

Hier finden Sie:

  • Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V.

http://www.lbe.bayern.de/index.php

  • ROCK YOUR LIFE! MENTORING

https://www.rockyourlife.de/

  • Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns

http://www.agaby.de/

  • Aktion zusammen wachsen

http://www.aktion-zusammen-wachsen.de/startseite.html

 

Übersetzen

Für das Transit Camp Stadionbad melden sich über hundert Personen, die übersetzen können. Übersetzen von und in Arabisch, Farsi, Türkisch und Kurdisch, Englisch usw. Für das gesamte Transit Camp, alle einzelnen Angebote und die menschlichen Begegnungen leisten die Übersetzerinnen und Übersetzer wesentliche und zentrale Dienste.

Die Übersetzerinnen und Übersetzer begrüßen die Flüchtlingsgäste, empfangen sie, sprechen beim ärztlichen Screening, begleiten auf dem Weg zu den Schlafzelten und vermitteln beim Belegen der Zelte, sie weisen die Wege und geben Orientierung zu den Duschen, zur Essensausgabe und zum Essenszelt. Sie beantworten Fragen zur Telekommunikation und zur Weiterreise. Sie helfen hier und da, einen möglichen Konflikt beizulegen. Über die sprachliche Verständigung hinaus, geben sie erste Orientierung über den Ort, die Stadt und die hiesigen Verhältnisse. Darüber hinaus, sprechen die Übersetzerinnen und Übersetzer die Flüchtlingsgäste im Transit Camp an und lassen sich ansprechen mit allen persönlichen Fragen und Angelegenheiten. Sie machen Durchsagen über die Lautsprecheranlage des Stadionbades zu den Essenszeiten oder zu den Abfahrten in Erstaufnahme-Einrichtungen. Sie schreiben Schilder und Plakate für wichtige Mitteilungen.

Einige Übersetzerinnen und Übersetzer kommen als Kursleiter oder Besucher des Bildungszentrums der Stadt Nürnberg oder aufgrund der Kontakte zur Islamischen Gemeinde, wieder andere werden angesprochen durch ihre persönlichen und familiären Kontakte oder den öffentlichen Aufruf über die sozialen Netzwerke. Die Übersetzerinnen und Übersetzer sind selbst Migranten oder Flüchtlinge, sind durch Heirat oder Familienzusammenführung nach Nürnberg gekommen. Sie geben ihr Bestes, um ihren Lands- und Sprachleuten hier weiter zu helfen und die Stadt Nürnberg, die Mitarbeiter und Helferinnen im Transit Camp zu unterstützen. Ihr bürgerschaftliches Engagement ist beispielhaft.

So erklären die Übersetzerinnen und Übersetzer den Flüchtlingsgästen, was sie im Transit Camp erwartet, was sie bekommen und was nicht, und sie vermitteln uns Gastgebern, was die Gäste brauchen und erhoffen. Sie setzen sich unermüdlich ein, spenden ihre Freizeit, ihre Nachtruhe und helfen uns, zu vertrauen, „wir schaffen das“ – sie haben es selbst geschafft oder sind dabei, es zu schaffen.

„Übersetzen“ ist in der deutschen Sprache ein mehrdeutiges Wort. „Übersetzen“ können Schiffer und Seeleute die Reisenden auf Flüssen, Seen und Meeren zum anderen Ufer. „Übersetzen“ können Menschen mit zwei oder mehreren Sprachen das Gesagte oder Geschriebene von einer in eine andere Sprache. Manche der Übersetzerinnen und Übersetzer im Transit Camp sind drei, vier, fünf oder mehrerer Sprachen mächtig.

Viele der Übersetzerinnen und Übersetzer haben bereits an anderen Stellen für Migranten und Flüchtlinge vermittelt, und viele werden es künftig weiter an anderen Orten tun.

Neben den freiwilligen Übersetzerinnen und Übersetzern gibt es MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes, die mit den eigenen Sprachkenntnissen befähigt sind, zu übersetzen. Auch Ärzte, Sanitäter und Freiwillige bringen passende Sprachfertigkeiten mit. Nicht zuletzt leisten immer wieder mehrere Flüchtlingsgäste selbst hilfreiche Dienste, indem sie aus ihren Muttersprachen ins Englische übersetzen und so Verständigung und Kommunikation mit uns Mitarbeitern und Freiwilligen herstellen.

Von den Übersetzerinnen und Übersetzern lerne ich selbst das eine oder andere Wort, eine interkulturelle Geste und manches über Haltung und Würde. Das Transit Camp ist ein mehrsprachiger Lernort für sprachliche und nonverbale Begegnung. Shukran – merci – thank you – danke.

WordPress Daily Prompt „Today“ February 18th, 2017, inspires me to send this again, although not translated yet.

 

<a href="https://dailypost.wordpress.com/prompts/translate/">Translate</a>

 

Engagement in der Flüchtlingshilfe

Folgender Fachbeitrag vertieft unser Thema:

Misun Han-Broich,

Engagement in der Flüchtlingshilfe – eine erfolgversprechende Integrationshilfe,

in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 65. Jahrgang, 14-15/2015, 30. März 2015, S. 43 – 49

Die Autorin, Beraterin, Coach und Dozentin, war als Sozialarbeiterin langjährig praktisch tätig in der Flüchtlingsbetreuung der Stadt Münster. Anhand von „Interviews mit Ehrenamtlichen, Flüchtlingen und deren Familien, hauptamtlich tätigen Sozialarbeitenden und Vertreterinnen und Vertretern von Flüchtlingsorganisationen und Ämtern“ erstellte sie ihre erziehungswissenschaftliche Dissertation:

Misun Han-Broich, Ehrenamt und Integration. Die Bedeutung sozialen Engagements in der (Flüchtlings-) Sozialarbeit, Wiesbaden 2012.

Der oben genannte Artikel fasst ihre Ergebnisse zusammen.

„Aufgrund der Ergebnisse einer im Rahmen meiner Dissertation vorgenommenen empirischen Studie über Ehrenamtlichkeit in der Flüchtlingssozialarbeit vertrete ich eine ganzheitliche dreidimensionale Integrationstheorie, die neben einer kognitiv-kulturellen (Denken) und einer sozial-strukturellen (Handeln) auch eine seelisch-emotionale (Fühlen) Dimension umfasst. Ich definiere Integration als einen Zustand des inneren Gleichgewichts eines Migranten in diesen drei Dimensionen. Überraschenderweise zeigt die Studie, dass ehrenamtliche Tätigkeit für Flüchtlinge ihre größte Wirkung in der seelisch-emotionalen Integration entfaltet. …“ S. 44-45

(Ehrenamtliche) … „können durch die persönliche Art ihrer Kontakte eine einzigartige Beziehung zu Flüchtlingen aufbauen, indem sie gezielt auf Menschen zugehen, persönliche Berührungspunkte herstellen und mit den Flüchtlingen eine ganzheitliche Begegnung erleben. …“ S. 45

Mit Bezug auf Martin Bubers „Ich-Du-Verhältnis“ schreibt Misun Han-Broich:

“ … In der Ehrenamtsbeziehung findet eine Begegnung statt, in der sich Ich und Du als gleichberechtigte Subjekte begegnen und keiner dem anderen bewertend gegenübersteht. …“ S. 45

Die Autorin charakterisiert die Begegnungen zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingen funktional als „Ersatzbeziehung“, „Kompensationsbeziehung“, „Lernbeziehung“, soziale „Kapitalbeziehung“ sowie „Therapiebeziehung“, die in je verschiedener Weise der Integration förderlich sind (S. 45 – 47). Im Weiteren erkennt die Autorin eine „versöhnende Rolle des Engagements“ im Verhältnis von Flüchtlingen und Aufnahmegesellschaft (S. 47). Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bedürften einer besonderen Begleitung. Für die Praxis des Engagements empfiehlt Misun Han-Broich Weiterbildungsangebote in interkultureller Bildung und Begleitung sowie die Ausgestaltung der Ehrenamtskultur (S. 48 und 49).

Die Ausgabe der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ kann bei der Bundeszentrale für Politische Bildung gebührenfrei bestellt werden:

http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/203556/engagement

Der Artikel ist auch als Volltext online abrufbar unter:

http://www.bpb.de/apuz/203551/engagement-in-der-fluechtlingshilfe?p=all

Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Misun Han-Broich für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

Ankommen – Arrival

English version see below –

Ankommen … die Gäste des Transit Camps im Stadionbad kommen vom Grenzübergang in Passau oder anderen Grenzübergängen und sind dankbar für einen vorübergehenden Schlafplatz. Worte finden, Worte des Willkommens, des Empfangens und Begrüßens. Wir sagen: Hallo, hello, guten Tag, Grüß Gott, willkommen, welcome, bonjour, merhaba, salam. Und so viele Gäste antworten: hello, thank you Sir, Madam, shukran, merci.

In der ersten Phase des Transit Camps werden die Sonderzüge und Busse vom Lagezentrum der Bayerischen Staatsregierung nach Nürnberg geleitet. Die Koordination geht in der zweiten Phase über an die Koordinierungsstelle Flüchtlingsverteilung der Bundesregierung. Anfangs kommen die Gäste am späten Abend und nachts in größeren Gruppen, später über den Tag verteilt mit einzelnen Bussen.

Bereits in den Bussen begrüßen die Einsatzleiter und ÜbersetzerInnen die Gäste im Stadionbad. Der Empfang führt vom Ankunftszelt zum Ärztezelt und zur Ausgabe von Hygieneartikeln und Bettzeug. So ausgestattet, begleiten sie weitere Helfer und Übersetzer zu den Schlafzelten. Auf dem Weg gibt es schon viele Fragen: Wo bin ich, wo sind wir? Wo gibt es Toiletten, und wie funktioniert die Dusche? Wann und wo gibt es etwas zu Essen? Wo kann ich das Mobilgerät aufladen? Gibt es eine W-Lan-Verbindung und SIM-Karten?

Für die hauptberuflichen und freiwilligen Helfer gibt es viele Aufgaben. Zunächst besteht die Herausforderung darin, zur jeweiligen Ankunft genügend Helfer an den wichtigen Positionen zu haben. Die Ankunftszeiten wechseln stark, so dass die Einsätze der Freiwilligen nicht leicht zu planen sind. Kommen 400 Gäste auf einmal oder 50? Kommen sie zur angekündigten Zeit, eine Stunde später, zwei Stunden später, eine Stunde früher oder vielleicht gar nicht?

Das Transit Camp beherbergt alle Ankommenden. Manche werden direkt von ihren Anhörigen abgeholt. Wenige einzelne schwer Kranke werden von den Ärzten ins Krankenhaus überwiesen. Die meisten Gäste verbringen im Stadionbad eine oder zwei Nächte in der Zeltstadt und werden – den Umständen entsprechend – gut versorgt.

Ankommen ist auch ein Thema für die vielen freiwilligen Helfer. Die Aufgabe der KoordinatorInnen besteht darin, sie zu empfangen, einzuweisen und in die verschiedenen Dienste einzuteilen. Wann immer es möglich ist, geben wir neben den Namensschildern, Ansteckern, Bescheinigungen und Leucht-Westen eine Einführung mit Rundgang durch die Zeltstadt. Manchmal ist dafür keine Zeit, und die Freiwilligen beginnen unmittelbar ihre Einsätze beim Empfang, im Ausgabezelt oder bei der Essensausgabe.

Es kommt vor, das Freiwillige eintreffen und sehr motiviert gleich eine Aufgabe übernehmen wollen. Manchmal ist die Situation, dass die Flüchtlingsgäste abgereist waren und nicht bekannt ist, wann neue Gäste kommen werden. Es gibt im Augenblick nicht wirklich etwas zu tun. So schicken wir manche Helfer unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Das ist sicherlich enttäuschend. Bitte um Verständnis dafür, dass die Einsätze und Einsatzzeiten so kurzfristig weder leicht zu planen noch zu kommunizieren waren.

In anderen Momenten ist die Besetzung eher knapp, und es gibt viele ungeplante freiwillige Überstunden. Werden neue Gäste kommen? Kann ich nach Hause gehen, oder werde ich noch gebraucht?  Es ist eine gute Erfahrung, zu erleben, dass praktisch alle freiwilligen Helfer ebenso zuverlässig kommen wie sie auch eigenständig für sich entscheiden, wie lange sie bleiben. Einige MitarbeiterInnen sagen es ausdrücklich: die Gäste des Camps haben eine Reise von Wochen und Monaten unter den abenteuerlichsten Umständen hinter sich, und so komme und helfe ich, wie ich es kann.

Zum Beitragsbild oben: Von der Situation des Empfangs im Transit Camp habe ich keine Fotoaufnahme. Daher wähle ich ein Bild vom Flughafen Nürnberg mit dem Willkommensgruß.

Die Mediathek des Bayerischen Fernsehens zeigt mehrere kurze Filmbeiträge über die Ankunft und Unterbringung der Flüchtlinge im Transit Camp Stadionbad:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/nachrichten/nuernberg-fluechtlinge-sonderzuege-100.html

Die ARD bietet eine hilfreiche Seite zum Thema Ankommen:

http://www.ard.de/home/ard/Einstiegshilfe_fuer_Fluechtlinge/2199160/index.html

Weitere Infos gibt der Blog:

https://iarrivede.wordpress.com/

 

To arrive the guests of the transit camp in the stadium bath come from the border crossing in Passau or other border crossings and are grateful for a temporary sleeping place. Words to find, words of welcome, receiving and welcoming. We say: Hello, hello, good day, Grüß Gott, willkommen, welcome, bonjour, merhaba, salam. And so many guests answer: hello, thank you sir, Madam, shukran, merci.

In the first phase, the special trains and buses are led to Nuremberg by the position center of the Bavarian state government. In the second phase, the coordination moves to the coordination center refugee distribution of the Federal Government. At first, the guests come on the late evening and at night into larger groups, later they arrive during the day with individual buses. Already in the buses, the heads of operations and translators welcome the guests in the stadium bath. The reception leads from the arrival tent to the physician tent and to the distribution of sanitary articles and bed things. So equipped, further aides and translators accompany them to the sleep tents. On the way, there are already many questions: Where am I, where we are? Where are the toilets, and how do the shower function? When and where is there anything to eat? Where can I load the mobile device ? Are there WLanconnection and SIM cards?

For fulltime and voluntary aides, there are many tasks. Firstly, the challenge consists of having sufficient aides to the respective arrival at the important positions. The arrival times change strongly, so that the employment of volunteers is to be planned not easily. Do 400 guests come at once or 50? Do they come at the time announced time or one hour later, two hours later, one hour before the time or perhaps not at all?

The transit camp accommodates all arriving. Some are fetched directly from their relatives. Few particular heavily patients are transferred  into the hospital by the physicians. Most guests spend two nights in the tent city in the stadium bath or and according to the the circumstances  are well supplied.

To arrive also is a topic for many of the voluntary aides. The task of the coordinators consists of receiving, instructing and dividing them into the different services. Whenever it is possible, we give an introduction with sight tour apart from the name plates, stickers, certificates and the shining west. Sometimes, there is no time for this, and the volunteers start off their employments directly at the receiption, in the supply tent or with the meals.

The volunteers arrive very motivated and want to take over a task at once. Sometimes, the situation is that the refugee guests had left and it is not known, when new guests will come. There is not really something to do at this moment. Thus we send some aides back home. This surely is disappointing. We ask for understanding for the fact that the employments and assignments were to plan   neither nor be communicated easily at short notice.

In other moments occupation is rather limited, and there is many unplanned voluntary work overtime. Will new guests be coming? Can I go home, or am I still used? It is a good experience, to see that practically all voluntary aides come just as reliably as they also decide independently for themselves, how long they would stay. Some employees express it: the guests of the camp have behind a travel of weeks and months under the most adventurous circumstances , and so  I come and help, as I can do it.

To the contribution picture above: From the situation of the receiption in the transit camp, I do not have a photo shoot. Therefore, I select a picture of the airport Nuremberg with the welcome greeting.

Further information: The ARD offers a helpful site for arriving for refugees: http://www.ard.de/home/ard/Einstiegshilfe_fuer_Fluechtlinge/2199160/index.html

Also see the blog at: https://iarrivede.wordpress.com/