Deutschstunde – German Lesson

An der heutigen Deutschstunde will ich Euch teilhaben lassen. Readers in English language please see down below.
Herr A. J. sprach an, dass er gestern eine erneute Duldung für drei Monate bekommen hat. Derzeit hat er einen Deutschkurs, und wir wiederholten und ergänzten seinen Schreibblock:
„Sein Nachbar muss zurück nach Afghanistan
Die Polizei ist gekommen
Sie hat ihn abgeholt
Die Polizei hat seinen Nachbarn nach München gebracht
Es gab eine Bomben
explosion in Kabul
Viele Menschen wurden getötet oder verletzt
Es gab Viele Tote und Verletzte“
Wir wiederholten den Text, die Sätze und Wörter mit Aussprache. Herr A. J. erzählte weiter – hier in meiner Formulierung und Wiedergabe:
„Das Flugzeug ist nicht abgeflogen.
Die Abschiebung ist ausgesetzt.
Der Nachbar ist zurück gekommen.“

 

Fotos zum Vergrößern anklicken.

English version:
At todays German Lesson, Mister A. J. told that his temporary suspension of deportation (Duldung) was prolongued for three months. He attends a German class, and we repeated his lesson and notices:
„His neighbour has to go back to Afghanistan
Police came
and took him away
Police took his neighbour to Munich
There was a bomb
explosion in Kabul
Many people were killed or hurt
There were many deads and injured“
Repeating the text, sentence and words with pronunciation, Mister A. J. continues the story – here in my words:
„The plane did not start off
The deportation was cancelled
The neighbour came back“

Pulse of Europe

Am Sonntag gab es wieder die Möglichkeit, Pulse of Europe  (Version in English language available there) – kennen zu lernen, die Bürgerinitiative für Europa. Sie ist in vielen Ländern und Städten tätig und versammelt dabei zahlreiche Bürger*innen, die sich für die europäische Idee sowie für friedliche und zivile Zusammenarbeit engagieren:

Unser Ziel und Beitrag

Wir sind überzeugt, dass die Mehrzahl der Menschen an die Grundidee der Europäischen Union und ihre Reformierbarkeit und Weiterentwicklung glaubt und sie nicht nationalistischen Tendenzen opfern möchte. Es geht um nichts Geringeres als die Bewahrung eines Bündnisses zur Sicherung des Friedens und zur Gewährleistung von individueller Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit.

Die Fotos der Galerie durch Anklicken vergrößern.

In Nürnberg trafen sich ein paar Hundert Teilnehmer*innen an der Lorenzkirche. Zunächst schwiegen wir eine Minute zur Anteilnahme für die Opfer des Terrroranschlags in London. Nachher sprach dazu ein britischer Redner. Die Pfarrerin von St. Lorenz erläuterte an diesem Pfingstsonntag, wie der Geist sprachliche Grenzen überwindet zu einer Verständigung – gerade auch im ökumenischen Sinne.

Die Initiatoren trugen den Offenen Brief der Initiative an Europäische Politiker vor, nachzulesen auf der Internet-Seite. Engagierte trugen zehn Thesen zu Europa vor, andere meldeten und kommentierten Nachrichten aus der europäischen Politik der letzten vier Wochen.

Mehrere Sprecher*innen kritisierten die Polizei-Aktion zur Abschiebung eines afghanischen Schülers aus seiner Schulklasse im Nürnberger Berufsschulzentrum vor einigen Tagen mit klarer Unterstützung der Versammlung.

Eine Sängerin gab den Ton an zu Carols Kings „You’ve got a friend“. Die Teilnehmer*innen bildeten ein Ypsilon als Buchstaben zu der europäischen Foto- und Filmaktion „We say hello – don’t say goodbye“ zum Beatles-Song „Hello, Goodbye“ in bezug auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und die entsprechenden Verhandlungen.

Schließlich sangen wir die Ode an die Freude von Ludwig van Beethoven mit drei Versen von Friedrich Schiller – die Europa-Hymne. Eine Menschen-Kette zu den Tönen des Pulsschlages oder Herzschlages rundete die Versammlung ab.

Hier erinnere ich mich, wie wir Anfang der achtziger Jahre Woche für Woche freitags bei St. Lorenz einen „Schweigekreis für den Frieden“ bildeten. Der Protest richtete sich gegen die Nachrüstung mit den Mittelstreckenraketen. Die Friedensbewegung konnte nicht verhindern, dass sie aufgestellt wurden, hat wiederum mit ihrem Einsatz wesentlich dazu beigetragen, dass die betreffenden INF-Verhandlungen dazu führten, dass diese Waffen wieder abgezogen wurden. So lernte ich, dass Bürger-Engagement wirkt und mit entscheidet.

Den Initiator*innenen von Pulse of Europe, aktiven und engagierten Teilnehmer*innen wünsche ich international, europäisch, bundesrepublikanisch und lokal in Nürnberg entsprechende Bildungserlebnisse, weiterhin viel Zuspruch, Gehör, Resonanz und Erfolg auf diesem Weg.

 

http://pulseofeurope.eu/

 

Sprechen lernen

Hanns-Josef Ortheil, Die Erfindung des Lebens, Roman, Luchterhand, München 2009. English readers please check out here.

Von dem Buch wurde bei seinem Erscheinen gesprochen; ich nahm es zu den Wunsch-Lektüren und finde nun Gelegenheit und Muße, es zu lesen. Ortheil gliedert seinen Roman in fünf Teile: I. Das stumme Kind, II. Lesen und Schreiben, III. Die Flucht, IV. Roma und V. Die Rückkehr.

Fotos zum Vergrößern bitte anklicken. „… ich sehe Bild für Bild, ich sehe alle meine Bilder, meine Flucht, mein häufiges Unterwegssein, ich sehe die Menschen, Räume und Dinge in der Geschichte so vor mir, als bewegte ich mich gerade in ihnen.“  S. 584

Der kleine Johannes erlebt seine Kindheit mit den Eltern in Köln; er ist verstummt – oder verstimmt? -, wie seine Mutter, mit der er die Tage zubringt, sie begleitet beim Einkaufen und Spazieren am Rhein, sie nicht stört beim Lesen, mit ihr französische Chansons hört und schließlich von ihr das Klavierspiel erlernt. Der Junge erwartet die Heimkehr des Vaters von der Arbeit. Die Mutter hat ihrem Mann Zettel beschrieben mit dem Tagesgeschehen, die er vorliest. Entwicklungsschritte sind die Zeitschriften vom Kiosk, die Kneipen-Besuche mit dem Vater und die Kirchgänge zum Dom. Die Mutter-Sohn-Symbiose wird gestört durch die Schulanmeldung; der Vater eröffnet dem Jungen, dass er vier verstorbene Brüder habe und sie auf ihn stolz wären. Später wird ihm der Onkel in Essen erzählen, dass die ersten beiden Brüder als Kleinkinder im Krieg starben und danach zwei Totgeburten folgten. Selbst der anfangs wohlwollende und engagierte Klassenlehrer verliert die Geduld mit dem stummen Jungen, der von den Schulkameraden gehänselt – älterer Ausdruck für „gemobbt“ – wird.

Ein Aufenthalt mit dem Vater auf dem Land in der freundlichen Umgebung der familiären Gast- und Landwirtschaft im Westerwald vermag Johannes von der geliebten und verschlossenen Mutter abzulenken und schrittweise zu eigener Wahrnehmung und Bewusswerdung zu verhelfen. Die Zeichnungen und Anleitungen des Vaters – „Das ist eine Eiche“. „Das ist eine Buche“ – ermöglichen bildliches und schriftliches Lernen und Ausdruck. Der Besuch der vermissten und geliebten Mutter ermöglicht dem Jungen schließlich, zum ersten Sprechen aufzubrechen.

Hanns-Josef Ortheil hat sich zum Schreiben dieses Romans nach Rom begeben, schildert das aktuelle Befinden und die Erinnerungsarbeit, die durch die klavierspielende Tochter der Nachbarin angeregt wird. Johannes war nach dem Schulabschluss – in einem bayerischen Klosterinternat und in Köln – nach Rom gegangen und hatte am dortigen Conservatorio Klavier studiert, verliebt in die Südtiroler Literaturstudentin und Gastwirtstochter Clara und in die ewige Stadt.

Das Lese-Erlebnis lässt mich nachdenklich zurück: Wie habe ich selbst sprechen gelernt, welche Hemmnisse und Förderung gab es dabei? Welche Rollen spielten die Familiengeschichte, die Musik und andere Einflüsse?

Meine Lesung der „Erfindung des Lebens“ geschieht vor dem Hintergrund der Begleitung von Geflüchteten beim Ankommen, Orientieren und Sprechen lernen. Da gibt es zu einem fremden Wortschatz die Grammatik mit den Artikeln, Fällen, Komparativen und Superlativen. Was Interrogativ-Pronomen sind, erfuhr ich bei der letzten Sprechstunde. Welche Umstände und Beziehungen fördern den Spracherwerb für Menschen angesichts der Verletzungen und Kränkungen des Krieges, Verlustes von Angehörigen und Heimat?

Hier folgen ein paar subjekt ausgewählte Zitate aus Ortheils „Erfindung des Lebens“:

„Auf dem Hof nannte man diese Stunden Die Sprechstunden, und genau diesen Eindruck machte es auch, wenn Mutter an ihrem kleinen Tisch saß und, ein Bein über das andere geschlagen, ein Buch auf dem Schoß, leicht vorgebeugt, als wollte sie keine Silbe ihres Gegenübers verpassen, ihre Unterhaltungen führte. Manchmal dehnten sich diese Unterhaltungen zu regelrechten Gesprächsrunden aus, und obwohl sich unter deren Teilnehmern oft auch Männer befanden, die durchaus wussten, wie man das große Sagen inszenierte, gelang es meiner Mutter doch fast immer, die Gesprächsführung zu behalten.“  S. 290 / 291

„Als ich bereits etwas älter war, habe ich ihm [dem Vater] gesagt, dass ich meine Spaziergänge und Reisen mit ihm als eine Art Feldforschung betrachtet hätte, da schaute er mich verblüfft an und sagte: Richtig, genau das war es, das Wort lag mir ein Leben lang auf der Zunge!“  S. 291

„Der Trick, den ich anwenden musste, bestand also darin, mich an die Schriftfassung einzelner Lebensgeschichten zu erinnern. Wenn mir das gelang, erzählte ich flüssig und ohne Hemmungen.“  S. 404

„Er braucht aber nach wie vor Zeit, denn all das, was er sieht, hat erst noch einige Fremdheits-Sperren zu überwinden, bis es in seinem Gehirn und vor allem in seinen Empfindungen ankommt. Schaut er nur flüchtig hin, vergisst er sofort wieder, was er gesehen hat, er will aber nicht vergessen, sondern so viel wie möglich behalten, um es meist noch am selben Tag in seine Hefte notieren und damit festhalten zu können.“  S. 415

„In solchen Fällen konnte ich nicht nur mit niemandem reden, sondern trat sogar die Flucht an, um von niemandem angesprochen zu werden. Wie gehetzt suchte ich Orte auf, an denen ich kaum einem Menschen begegnete, und wenn ich endlich einen einsamen Ort gefunden hatte, machte mir die Einsamkeit nach einer Weile derartige Angst, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste, als wieder zurückzukehren an die vertrauten Orte und Räume meiner Kindheit rund um den ovalen Kölner Platz.“  S. 422

„Irgendetwas ist seit meiner Ankunft geschehen, aber ich verstehe nicht, was es ist. Ich spüre nur, dass ich anders als bei meinen sonstigen Fluchten und Reisen weder eine gewisse Anspannung noch irgendeine Unruhe empfinde, im Gegenteil, ich fühle mich leicht, unbeschwert, ja kurz davor, etwas zu singen. Ich will singen? Wieso will ich singen? Was, verdammt nochmal, ist denn bloß mit mir los?“  S. 450

„Wie leicht wird es sein, in dieser Stadt zu leben, ganz leicht. Eine Kirche, ein Café, eine Unterhaltung, noch eine Unterhaltung, diese Stadt ist wie für mich geschaffen, einerseits lässt sie mich vollständig in Ruhe, und andererseits bietet sie mir alles, was ich brauche. Das, was ich brauche, ist einfach vorhanden, an jeder Ecke, es steht da zur freien Verfügung.“  S. 458

„Vom ersten Tag an hatte man mich hier gut aufgenommen und nicht wie einen hergelaufenen Fremden, sondern wie einen wirklichen Freund behandelt.“  S. 472

Als Schluss-Satz zitiert Ortheil den Korinther-Brief: „Nun aber bleiben Hoffnung, Glaube, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen …“

 

Verlagsangaben mit Leseprobe, Autoren-Interview und Rezensionen: https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Erfindung-des-Lebens/Hanns-Josef-Ortheil/Luchterhand-Literaturverlag/e271516.rhd#info

Blogs unter anderen bei:

https://privatliteratur.wordpress.com/2016/08/22/der-stumme-junge-schreibt/

»Die Erfindung des Lebens«, Hanns-Josef Ortheil

 

 

 

 

 

 

 

 

Translate – übersetzen

More than hundred people volunteered to translate for thousands of refugees at the transit camp Nuremberg in autumn 2015. Their essential services performed translation from and into Arabic, Farsi, Turkish and Kurdish, English etc. for the whole transit camp, the many encounters and needs.

The translators welcomed and received the refugees, spoke at the medical screening, accompanied on the way to the sleeping tents and mediated there, they showed the ways and gave orientation to the showers, catering and the restaurent tent. They answered questions on telecommunication and to continuation of their journey. They helped here and there to prevent a possible conflict or to solve it. Moreover, they gave first orientation on the place, the town and the local situation. In addition, the translators talked to the refugees in the transit camp and answered to all personal questions and matters. They made announcements over the loudspeaker arrangement of the stadium bath concerning the meals or the departures to first admission facilities. They wrote signs and posters for important communications.

Some translators came as instructors or participants of the educational centre of the city of Nuremberg or on account of the Islamic community. Others were attracted by personal and informal contacts or the public call on social networks. The translators were migrants or refugees themselves, who came to Nuremberg by marriage or family reunification. Here, they gave their best to help compatriots and to support the city of Nuremberg, employees and volunteers at the transit camp. Their civic involvement is exemplary.

Thus, the translators explained to the refugees what they could expect in the transit camp, what they could get or not, and they told to us hosts what the guests would need and expect. They worked untiringly, donated their spare time, night’s rest and helped us to trust, „yes, we  can“ – they themselves managed their arrival.

„Translation“ is an ambiguous word in German. Skippers and sailors can „translate“ – „übersetzen“ (ferry over) – the travellers on rivers, lakes and seas to the other shore. People with two or several languages can translate the said or written of one into another language. Some of the translators at the transit camp  were able to translate three, four, five or even more languages. Many of them already had mediated for migrants and refugees at other places , and many will do it at further other occasions.

Beside the voluntary translators, there were employees of the security service who were enabled to translate with own linguistic proficiency. Also doctors, volunteers and others brought suitable linguistic skills. Several refugees themselves provided helpful services over and over again, translating from mother tongues into the English and shared communication with us to employees and volunteers.

From the translators, I learned one or the other word myself, an intercultural gesture and something about composure and dignity. A magic word was „targamaa“ – arabic: translate, translation. The transit camp was a polyglot learning space for linguistic and non-verbal meeting. Shukran – merci – thank you – danke.

My translation from the original German version was assisted by: http://de.pons.com/text-%C3%BCbersetzung

After the transit camp had closed, most of the language mediators still are busy assisting refugees, volunteers and authorities at the Zentrum Aktiver Bürger – Centre of Active Citizens at Nuremberg with knowledge of over thirty languages:

https://www.iska-nuernberg.de/cgi-bin/zab/cms.pl?Seite=sprachvermittlung.htm

In 2016, the language team won the Intercultural Prize of the Nuremberg Council for Integration and Migration.

This translation was inspried by WordPress Daily Prompt „Translate“:

Translate

The orginal post in German language at the time:

Für das Transit Camp Stadionbad melden sich über hundert Personen, die übersetzen können. Übersetzen von und in Arabisch, Farsi, Türkisch und Kurdisch, Englisch usw. Für das gesamte Transit Camp, alle einzelnen Angebote und die menschlichen Begegnungen leisten die Übersetzerinnen und Übersetzer wesentliche und zentrale Dienste.

Die Übersetzerinnen und Übersetzer begrüßen die Flüchtlingsgäste, empfangen sie, sprechen beim ärztlichen Screening, begleiten auf dem Weg zu den Schlafzelten und vermitteln beim Belegen der Zelte, sie weisen die Wege und geben Orientierung zu den Duschen, zur Essensausgabe und zum Essenszelt. Sie beantworten Fragen zur Telekommunikation und zur Weiterreise. Sie helfen hier und da, einen möglichen Konflikt beizulegen. Über die sprachliche Verständigung hinaus, geben sie erste Orientierung über den Ort, die Stadt und die hiesigen Verhältnisse. Darüber hinaus, sprechen die Übersetzerinnen und Übersetzer die Flüchtlingsgäste im Transit Camp an und lassen sich ansprechen mit allen persönlichen Fragen und Angelegenheiten. Sie machen Durchsagen über die Lautsprecheranlage des Stadionbades zu den Essenszeiten oder zu den Abfahrten in Erstaufnahme-Einrichtungen. Sie schreiben Schilder und Plakate für wichtige Mitteilungen.

Einige Übersetzerinnen und Übersetzer kommen als Kursleiter oder Besucher des Bildungszentrums der Stadt Nürnberg oder aufgrund der Kontakte zur Islamischen Gemeinde, wieder andere werden angesprochen durch ihre persönlichen und familiären Kontakte oder den öffentlichen Aufruf über die sozialen Netzwerke. Die Übersetzerinnen und Übersetzer sind selbst Migranten oder Flüchtlinge, sind durch Heirat oder Familienzusammenführung nach Nürnberg gekommen. Sie geben ihr Bestes, um ihren Lands- und Sprachleuten hier weiter zu helfen und die Stadt Nürnberg, die Mitarbeiter und Helferinnen im Transit Camp zu unterstützen. Ihr bürgerschaftliches Engagement ist beispielhaft.

So erklären die Übersetzerinnen und Übersetzer den Flüchtlingsgästen, was sie im Transit Camp erwartet, was sie bekommen und was nicht, und sie vermitteln uns Gastgebern, was die Gäste brauchen und erhoffen. Sie setzen sich unermüdlich ein, spenden ihre Freizeit, ihre Nachtruhe und helfen uns, zu vertrauen, „wir schaffen das“ – sie haben es selbst geschafft oder sind dabei, es zu schaffen.

„Übersetzen“ ist in der deutschen Sprache ein mehrdeutiges Wort. „Übersetzen“ können Schiffer und Seeleute die Reisenden auf Flüssen, Seen und Meeren zum anderen Ufer. „Übersetzen“ können Menschen mit zwei oder mehreren Sprachen das Gesagte oder Geschriebene von einer in eine andere Sprache. Manche der Übersetzerinnen und Übersetzer im Transit Camp sind drei, vier, fünf oder mehrerer Sprachen mächtig.

Viele der Übersetzerinnen und Übersetzer haben bereits an anderen Stellen für Migranten und Flüchtlinge vermittelt, und viele werden es künftig weiter an anderen Orten tun.

Neben den freiwilligen Übersetzerinnen und Übersetzern gibt es MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes, die mit den eigenen Sprachkenntnissen befähigt sind, zu übersetzen. Auch Ärzte, Sanitäter und Freiwillige bringen passende Sprachfertigkeiten mit. Nicht zuletzt leisten immer wieder mehrere Flüchtlingsgäste selbst hilfreiche Dienste, indem sie aus ihren Muttersprachen ins Englische übersetzen und so Verständigung und Kommunikation mit uns Mitarbeitern und Freiwilligen herstellen.

Von den Übersetzerinnen und Übersetzern lerne ich selbst das eine oder andere Wort, eine interkulturelle Geste und manches über Haltung und Würde. Das Transit Camp ist ein mehrsprachiger Lernort für sprachliche und nonverbale Begegnung. Shukran – merci – thank you – danke.

 

Freiheit. Schüleraufsatz in einer Willkommensklasse

Freedom. Please notice the blog of Emmanuelle Chaze in English language, link see below.

„Freiheit

Freiheit ist ein Begriff, der sich eine Meng Bedeutungen hat. Freiheit ist eine große Welt, die viele Teile enthält.

Freiheit sollte sich überall befinden, in jedem Land, jedem Haus und jeder Familie, einfach auf der ganzen Welt. Aber heutzutage hat die Freiheit ihre Bedeutung verloren. Die Starken regeln die Schwachen, die Reichen überfahren die Armen und, Präsidente töten ihre Völker. Warum!! gibt es einen grund? Weil einer Seine Meinung sagte? Oder velleicht weil einer sich beschwerte weil er Geld braucht um seine Kinder zu füttern oder weil einer andere glaben hat!? gibt mir einen überzeugenden Grund! . Ein Kind wird getötet, weil sein Vater nicht zur armee ging? Was ist seine Schuld ?!! . Jugendliche sterben, weil sie demonstriet haben. Wo ist die Freiheit? warum können wir sie nicht einfach habt haben?? diese frage stellt sich in vielen Ländern aber ins besondere Syrien. Ich würde dem Syrischen Volk, den Kindern in Syrien und in allen anderen ungerechten Ländern.“

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Diesen Text sendet Emmanuelle Chaze in ihrem Blog:

https://berlinerdiary.com/2016/12/15/welcome-class-december-15th-2016/

 

 

„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ von Axel Hacke

English summary please view here:  http://www.kunstmann.de/title-80-80/the_days_i_spent_with_god-1230/englisch/

Auf Reisen, mit dem eigenen Spiegelbild in der Fensterscheibe eines Eisenbahnwaggons, beginnt Axel Hacke seine Geschichte. Wie der Zug ihn wundersamerweise in seine Wohnstraße bringt und er zuhause Frau und Kindern davon erzählen kann: „Aber ich habe es nicht erfunden, es ist wirklich geschehen!“

Die Familie belächelt ihn ebenso, wenn er von seinem kleinen Büro-Elefanten spricht, der ihm am Schreibtisch erscheint und ihn auf seinen Spaziergängen begleitet. Beispielsweise zum Friedhof, wo er auf der Parkbank eine eigenartige Begegnung mit einem älteren Herrn hat, der in vor einem Unglück – dem Absturz einer Weltkugel – bewahrt. An den folgenden Tagen treffen sie sich zunächst zufällig, und es gibt einen phantastischen Regenschauer. Dann besucht der Ältere den Jüngeren im Büro, oder sie treffen sich im Café oder zu einem Ausflug.

Dabei spielen die stillstehende Wanduhr des verstorbenen Vaters, ein plötzlich springender steinerner Löwe und rauchende Tiere eine gewisse Rolle. Der Ich-Erzähler wundert sich über den Zauberer, der sich auf Nachfrage als Erschaffer der Welt, als Gott herausstellt, der mal vorbeischauen will, was aus seinem Geschaffenen geworden ist, zumal seine Schöpfung sich seit langer Zeit als unvollkommen erwiesen hat – mit all den täglichen Unzulänglichkeiten und Katastrophen. Frühere Schöpfungen kommen zur Sprache wie die Welt der dreiundzwanzig Sekretärinnen oder die „Ein-Mann-an-einem-Schreibtisch-Welt“. Der Weltenschaffer gesteht zu: „Es gibt keine Therapien für Männer in Schubladen.“

So sieht man sich wieder am Altglascontainer, beim Entsorgen von Champagnerflaschen, und kommt ins Gespräch über das Böse, die Idee und Folgen des Urknalls sowie das Spiel. Axel Hacke lässt seinen Ich-Erzähler einem gealterten Gott begegnen, der als junger die Urknallschöpfung ins Werk setzte und mit den Folgen ebenso wenig glücklich ist wie mit seiner eigenen Umgebung: „Er habe es nicht mehr ausgehalten draußen, er sei quasi hierher geflüchtet … Er sei ein Universumsflüchtling. Das Alleinsein. Die Ewigkeit. Die Weite. Dieses haltlose Herumschweben. …“

„Gott war echt fertig.“ Trostbedürftig ist der Gott, der Erzähler vermittelt Trost und erfährt dabei die Erfindung der Evolution anhand der Schönheit der Schmetterlinge – und der Fortpflanzung der Wespe als Sinnbild des Bösen.

Schon zu diesem Zeitpunkt der Lektüre finden wir uns hineingezogen in eine köstliche und fesselnde Betrachtung des menschlichen, natürlichen und göttlichen Seins.

Im ausrangierten Straßenbahn-Depot wartet die nächste Überraschung: Das Prinzip des großen Egal, das den Erzähler erstaunt und erschüttert. Ein gewalttätiger Angriff lässt das große Eeeeegaaaaal natürlich völlig gleichgültig; eine Kitzelaktion kommt da schon besser.

Der weitere Verlauf der Geschichte sei an dieser Stelle nicht verraten. Eine meiner ersten Assoziationen ist Ludwig Thomas „Der Münchner im Himmel“. Im Zuge der Apotheose des Erzählers fragt er: „Können eigentlich Vegetarier Wurschtigkeit empfinden?“ Wie dem auch sei, schließlich löst sich auch die Vatergeschichte – die Mutter kommt nicht vor -, Gott dirigiert eine neue Welt, und der Erzähler geht lächelnd an die Arbeit.

Kurzum, ein ebenso leichtes und witziges wie hintergründiges Leseerlebnis für einen dieser Herbsttage, das Lust macht auf Weiterlesen, Vorlesen, Reden, Schreiben oder Philosophieren.

Verlagsangaben:

Axel Hacke / Michael Sowa, Die Tage, die ich mit Gott verbrachte, 104 Seiten, erschienen im September 2016, Illustrationen von Michael Sowa, Verlag Antje Kunstmann

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/die_tage_die_ich_mit_gott_verbrachte-1230/

Bei den Perlentauchern ist heute noch keine Besprechung; auf WordPress gibt es zwei Blogger zum Buch:

https://julesbarrois.wordpress.com/2016/09/18/rezension-die-tage-die-ich-mit-gott-verbrachte-axel-hacke-antje-kunstmann-verlag/

https://festerben.wordpress.com/2016/09/28/die-tage-die-ich-mit-gott-verbrachte-axel-hacke/

 

 

„I have a dream“ – a visit at the dreamothèque. „Ich habe einen Traum“ – ein Besuch der Träumothek

English summary:  This weekend, the dreamotheque is in town. Just be there, dream, browse one of the selected books or the treasure chests and share dreams of your own and common life. Christian Hanser offers this throughout his European travels with a shepherds barrow and stationary at the revotheque in France. To me, this is really phantastic.

An diesem Wochenende besucht die Träumothek die Stadt. Für mich zufällig ist sie da, offen zum Besuchen und Wahrnehmen. Die Idee und ihre Wirklichkeit finde ich phantastisch real, gewissermaßen die Utopie am Ort. Daher schreibe ich hier gerne davon und sende ein paar Aufnahmen:

Einfach da sitzen und träumen. In einem der ausgewählt schönen Bücher schmökern. Das Leben und all seine Träume vergegenwärtigen. Das Fernweh und den Heimathafen abwägen. In den Schatzkisten aufgehobene Dinge wieder entdecken: Murmeln („Schusser“) oder eine Flaschenpost.

Christian Hanser ermöglicht dies mit seinem Schäferkarren, den er an diesem Wochenende zu einem Kongress im lauschigen Hof des Caritas-Pirckheimer-Hauses in Nürnberg geparkt und ausgepackt hat. Auf seiner Internet-Seite erzählt er, wie er zu der Träumothek kam, damit durch Europa reist und in Frankreich in seine revotheque einlädt zum Träumen über das eigene und gemeinsame Leben.

Ich erinnere mich an die Rede von Martin Luther King, „I have a dream“ am 28. August 1963 in Washington.

Gute Herbstzeit zum Träumen …

 

Eingereicht bei WordPress Daily Prompts:  Dream