Ausstellung / Exhibition: Albert Speer

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zeigt die Sonderausstellung „Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit“. Readers in English language please check here.

Albert Speer (1905 – 1981) machte im Nationalsozialismus eine steile Karriere als Architekt, wurde 1934 mit der Planung des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg beauftragt und 1937 von Hitler zum Generalbauinspektor für die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin und anderer deutscher Städte ernannt. 1942 folgte die Ernennung zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition, wobei Speer für die Umstellung der Rüstungsindustrie auf die totale Kriegswirtschaft verantwortlich war. Im November 1945 wurde Speer beim Hauptkriegsverbrecherprozess des Internationalen Militärgerichtshof angeklagt und am 1. Oktober wegen Kriegsverbrechen und Verbechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er bis 1966 im Alliierten Militärgefängnis Spandau in Berlin verbüßte.

Mit Unterstützung des Verlegers Wolf Jobst Siedler und des Publizisten Joachim C. Fest konnte Albert Speer seine Erinnerungen (1969) und die Spandauer Tagebücher (1975) veröffentlichen. Ausgehend von einer geschickten Verteidigungsstrategie beim Nürnberger Prozess konnte er sich mit diesen Büchern und Interwiews als unpolitischen Architekten, verführten Experten und sogar als Widerständler darstellen, sodass er sich einen legendären Mythos als „der gute Nazi“ erwarb. So trugen Speer und seine Unterstützer in der Bundesrepublik dazu bei, die alleinige Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen Hitler zuzusprechen, die unzähligen Verantwortlichen, Täter, Helfer und Beteiligten sowie sich selbst von Verantwortung und Schuld zu entlasten.

Weiter im Text geht es nach der Fotogalerie – Aufnahmen zum Vergrößern bitte anklicken.

Die Ausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände wurde in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin entwickelt und von Ausstellungsarchitekten Rainer Lendler und weiteren Mitwirkenden gestaltet.

Das Buchstabenrondell S P E E R zeigt Fotoaufnahmen der verschiedenen biografischen Phasen und projiziert Interview-Zitate:

„Die Ausübung von Macht an sich ist für mich einer der großen Anziehungspunkte in dieser zweiten Periode meiner Tätigkeit für Hitler gewesen.“  …

„Wenn er es auch nie direkt ausgesprochen hat nach 1942, was mit den Juden geschieht, so waren doch die Hinweise darauf deutlich genug, dass man hätte verstehen können wenn man hätte verstehen wollen, oder, dass ich hätte verstehen müssen, wenn ich hätte wollen.“ …

„Wenn ich nichts wusste, dann habe ich dafür gesorgt, dass ich nichts wusste. Wenn ich nichts gesehen habe, dann, weil ich nicht sehen wollte.“

Ein großer Büchertisch zeigt mit Bildern und Texten auf, wie sich Speer im Nationalsozialismus positionierte und vermarktete, im Nürnberger Prozess auch auf Kosten anderer verteidigte, in der Haftzeit an seiner Legende strickte und anschließend als geläuterter Büßer erfolgreich auftrat.

Beeindruckend und aufklärend schließen sich Thementische an, die mehrere Historikerinnen und Historiker vorstellen, die in akribischer Quellenarbeit mit Speers Legendenbildung aufräumen und seinen Mythos entzaubern. Anhand ihrer Studien und zentraler Dokumente begründen sie in Video-Aussagen ein ganz anderes Verständnis von Speers Rolle im Nationalsozialismus und seiner Rechtfertigung:

  •  „Wie wird Speer in der Bundesrepublik wahrgenommen?“ Die Politikwissenschaftlerin Isabell Trommer untersuchte anhand von Presseberichten und Buchbesprechungen Speers öffentliche Wahrnehmung und die folgenden Rechtfertigungsdiskurse. So galt er als Zeitzeuge, Verführter, Technokrat, Leistungsträger, Widerständler, Unwissender und Büßer.
  •  „Ist Speer ein unpolitischer Architekt?“ Architektur-Professor Jörn Düwel dokumentiert Speers Ausstellung „Neue Deutsche Baukunst“, die während der Kriegsjahre durch ganz Europa tourte und für die nationalsozialistische Architektur werben sollte, darunter das Reichsparteitagsgelände mit dem Deutschen Stadion. Für das geplante „größte Stadion der Welt“ finanzierte Speer den SS-eigenen Wirtschaftsbetrieb „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“, der Steinbrüche betrieb, in denen Tausende von Häftlingen der Konzentrationslager Flossenbürg, Mauthausen, Natzweiler und Groß-Rosen ums Leben kamen.
  •  „Was hat Speer mit den Konzentrationslagern zu tun?“ Historiker Bertrand Perz untersuchte deren Geschichte, die Besuche Speers und dokumentiert den von Speer 1942 genehmigten Ausbauplan: „Vorhaben Kriegsgefangenenlager Auschwitz (Durchführung der Sonderbehandlung)“.
  •  „Welche Rolle spielt Speer beim Einsatz von Zwangsarbeitern?“ Das Rüstungsministerium betrieb mit dem KZ-Zwangsarbeitereinsatz Produktionsstätten für Rüstungsgüter mit Zehntausenden von Opfern seit 1942. Exemplarisch zeigt Historiker Jens-Christian Wagner die unmenschlichen Arbeitsbedingungen im unterirdischen Stollensystem des KZ Mittelbau-Dora auf, wo rund 20.000 Häftlinge ums Leben kamen.
  •  „Beteiligt sich Speer an der Judenverfolgung?“ Mit den Planungen für die Reichshauptstadt Berlin drängt Speer als Generalbauinspektor auf die „Entmietung“ und Umsiedlung der Juden in Berlin. Die Historikerin Susanne Willems belegt dies in allen Einzelheiten anhand der Dokumente.
  •  „Wie wurden Fälschungen Speers aufgedeckt?“ Wie ein Mitarbeiter Speers in den sechziger Jahren die Chronik der Speer-Dienststellen fälschte, indem er belastende Passagen strich, konnte Historiker Matthias Schmidt bereits 1982 in seiner Studie nachweisen.
  • „Ist Speer ein Verbrecher?“  Am 6. Oktober 1943 sprach Heinrich Himmler in Posen vor Reichs- und Gauleitern zur „Judenfrage“ mit dem Entschluss, „dieses Volk von der Erde verschwinden zu lassen.“ Der amerikanische Historiker Erich Goldhagen konnte aufweisen, dass Himmler in der Rede Speer direkt angesprochen habe. Speer stritt seine Anwesenheit bei der Rede ab und organisierte „Belege“, die glaubhaft machen sollten, er sei bereits vor der Rede abgereist.
  •  Die treibende Kraft des Rüstungsministers beim Ausbau der Kriegswirtschaft einschließlich des KZ-Einsatzes bilanziert NS-Forscher Heinrich Schwendemann mit dem Verweis auf Speers Forderung nach „zähem Durchhalten“ aller Kräfte im März 1945.
  •  Regisseur und Autor Heinrich Breloer sammelte das Quellenmaterial als „Die Akte Speer“ und zeigte in seinem filmischen Doku-Drama „Speer und Er“ 2005 ein kritisches Bild über Speers Lügen, Legenden und Verbrechen.
  • „Warum funktionierte die Speer-Legende?“ In seiner aktuellen Biografie „Speer – eine deutsche Karriere“ (Berlin 2017) untersucht Historiker Magnus Brechtken, wie um Speers Memoiren mit publizistischer Unterstützung in der Bundesrepublik sowie in den USA die „Marke Speer“ etabliert wurde:

„Speer war also mit der Art und Weise, mit der er sich öffentlich positioniert hat vor allem nach 1966 und bis zu seinem Tode 1981 eine ideale Projektionsfläche für Millionen Deutsche, die gerne genau die gleiche Distanzierungsgeschichte zum Nationalsozialismus erzählen wollten wie Speer das tat. (…) Das ist im Grunde die Speer-Legende, und weil sie sich ideal mit den Bedürfnissen der deutschen Gesellschaft traf, war sie auf viele Jahrzehnte sehr erfolgreich.“

Alle Daten und Zitate aus:

Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit, Ausstellungskatalog des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände für die Museen der Stadt Nürnberg herausgegeben von Martina Christmeier und Alexander Schmidt, Schriftenreihe der Museen der Stadt Nürnberg, Band 13, herausgegeben von Ingrid Bierer, Mit Beiträgen von Magnus Brechtken, Martina Christmeier, Florian Dierl, Hanne Leßau und Alexander Schmidt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2017

English version: Albert Speer in the Federal Republic. Exhibition Catalogue, Documentation Centre Party Rally Grounds for Nuremberg Municipal Museums, Editors: Martina Christmeier and Alexander Schmidt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2017

 

Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit; 28. April bis 26. November 2017

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110, 90478 Nürnberg

Öffnungszeiten:  Montag bis Freitag 9 – 18 Uhr, Samstag und Sonntag 10 – 18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr.

 

 

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Pulse of Europe

Am Sonntag gab es wieder die Möglichkeit, Pulse of Europe  (Version in English language available there) – kennen zu lernen, die Bürgerinitiative für Europa. Sie ist in vielen Ländern und Städten tätig und versammelt dabei zahlreiche Bürger*innen, die sich für die europäische Idee sowie für friedliche und zivile Zusammenarbeit engagieren:

Unser Ziel und Beitrag

Wir sind überzeugt, dass die Mehrzahl der Menschen an die Grundidee der Europäischen Union und ihre Reformierbarkeit und Weiterentwicklung glaubt und sie nicht nationalistischen Tendenzen opfern möchte. Es geht um nichts Geringeres als die Bewahrung eines Bündnisses zur Sicherung des Friedens und zur Gewährleistung von individueller Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit.

Die Fotos der Galerie durch Anklicken vergrößern.

In Nürnberg trafen sich ein paar Hundert Teilnehmer*innen an der Lorenzkirche. Zunächst schwiegen wir eine Minute zur Anteilnahme für die Opfer des Terrroranschlags in London. Nachher sprach dazu ein britischer Redner. Die Pfarrerin von St. Lorenz erläuterte an diesem Pfingstsonntag, wie der Geist sprachliche Grenzen überwindet zu einer Verständigung – gerade auch im ökumenischen Sinne.

Die Initiatoren trugen den Offenen Brief der Initiative an Europäische Politiker vor, nachzulesen auf der Internet-Seite. Engagierte trugen zehn Thesen zu Europa vor, andere meldeten und kommentierten Nachrichten aus der europäischen Politik der letzten vier Wochen.

Mehrere Sprecher*innen kritisierten die Polizei-Aktion zur Abschiebung eines afghanischen Schülers aus seiner Schulklasse im Nürnberger Berufsschulzentrum vor einigen Tagen mit klarer Unterstützung der Versammlung.

Eine Sängerin gab den Ton an zu Carols Kings „You’ve got a friend“. Die Teilnehmer*innen bildeten ein Ypsilon als Buchstaben zu der europäischen Foto- und Filmaktion „We say hello – don’t say goodbye“ zum Beatles-Song „Hello, Goodbye“ in bezug auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und die entsprechenden Verhandlungen.

Schließlich sangen wir die Ode an die Freude von Ludwig van Beethoven mit drei Versen von Friedrich Schiller – die Europa-Hymne. Eine Menschen-Kette zu den Tönen des Pulsschlages oder Herzschlages rundete die Versammlung ab.

Hier erinnere ich mich, wie wir Anfang der achtziger Jahre Woche für Woche freitags bei St. Lorenz einen „Schweigekreis für den Frieden“ bildeten. Der Protest richtete sich gegen die Nachrüstung mit den Mittelstreckenraketen. Die Friedensbewegung konnte nicht verhindern, dass sie aufgestellt wurden, hat wiederum mit ihrem Einsatz wesentlich dazu beigetragen, dass die betreffenden INF-Verhandlungen dazu führten, dass diese Waffen wieder abgezogen wurden. So lernte ich, dass Bürger-Engagement wirkt und mit entscheidet.

Den Initiator*innenen von Pulse of Europe, aktiven und engagierten Teilnehmer*innen wünsche ich international, europäisch, bundesrepublikanisch und lokal in Nürnberg entsprechende Bildungserlebnisse, weiterhin viel Zuspruch, Gehör, Resonanz und Erfolg auf diesem Weg.

 

http://pulseofeurope.eu/

 

Sprechen lernen

Hanns-Josef Ortheil, Die Erfindung des Lebens, Roman, Luchterhand, München 2009. English readers please check out here.

Von dem Buch wurde bei seinem Erscheinen gesprochen; ich nahm es zu den Wunsch-Lektüren und finde nun Gelegenheit und Muße, es zu lesen. Ortheil gliedert seinen Roman in fünf Teile: I. Das stumme Kind, II. Lesen und Schreiben, III. Die Flucht, IV. Roma und V. Die Rückkehr.

Fotos zum Vergrößern bitte anklicken. „… ich sehe Bild für Bild, ich sehe alle meine Bilder, meine Flucht, mein häufiges Unterwegssein, ich sehe die Menschen, Räume und Dinge in der Geschichte so vor mir, als bewegte ich mich gerade in ihnen.“  S. 584

Der kleine Johannes erlebt seine Kindheit mit den Eltern in Köln; er ist verstummt – oder verstimmt? -, wie seine Mutter, mit der er die Tage zubringt, sie begleitet beim Einkaufen und Spazieren am Rhein, sie nicht stört beim Lesen, mit ihr französische Chansons hört und schließlich von ihr das Klavierspiel erlernt. Der Junge erwartet die Heimkehr des Vaters von der Arbeit. Die Mutter hat ihrem Mann Zettel beschrieben mit dem Tagesgeschehen, die er vorliest. Entwicklungsschritte sind die Zeitschriften vom Kiosk, die Kneipen-Besuche mit dem Vater und die Kirchgänge zum Dom. Die Mutter-Sohn-Symbiose wird gestört durch die Schulanmeldung; der Vater eröffnet dem Jungen, dass er vier verstorbene Brüder habe und sie auf ihn stolz wären. Später wird ihm der Onkel in Essen erzählen, dass die ersten beiden Brüder als Kleinkinder im Krieg starben und danach zwei Totgeburten folgten. Selbst der anfangs wohlwollende und engagierte Klassenlehrer verliert die Geduld mit dem stummen Jungen, der von den Schulkameraden gehänselt – älterer Ausdruck für „gemobbt“ – wird.

Ein Aufenthalt mit dem Vater auf dem Land in der freundlichen Umgebung der familiären Gast- und Landwirtschaft im Westerwald vermag Johannes von der geliebten und verschlossenen Mutter abzulenken und schrittweise zu eigener Wahrnehmung und Bewusswerdung zu verhelfen. Die Zeichnungen und Anleitungen des Vaters – „Das ist eine Eiche“. „Das ist eine Buche“ – ermöglichen bildliches und schriftliches Lernen und Ausdruck. Der Besuch der vermissten und geliebten Mutter ermöglicht dem Jungen schließlich, zum ersten Sprechen aufzubrechen.

Hanns-Josef Ortheil hat sich zum Schreiben dieses Romans nach Rom begeben, schildert das aktuelle Befinden und die Erinnerungsarbeit, die durch die klavierspielende Tochter der Nachbarin angeregt wird. Johannes war nach dem Schulabschluss – in einem bayerischen Klosterinternat und in Köln – nach Rom gegangen und hatte am dortigen Conservatorio Klavier studiert, verliebt in die Südtiroler Literaturstudentin und Gastwirtstochter Clara und in die ewige Stadt.

Das Lese-Erlebnis lässt mich nachdenklich zurück: Wie habe ich selbst sprechen gelernt, welche Hemmnisse und Förderung gab es dabei? Welche Rollen spielten die Familiengeschichte, die Musik und andere Einflüsse?

Meine Lesung der „Erfindung des Lebens“ geschieht vor dem Hintergrund der Begleitung von Geflüchteten beim Ankommen, Orientieren und Sprechen lernen. Da gibt es zu einem fremden Wortschatz die Grammatik mit den Artikeln, Fällen, Komparativen und Superlativen. Was Interrogativ-Pronomen sind, erfuhr ich bei der letzten Sprechstunde. Welche Umstände und Beziehungen fördern den Spracherwerb für Menschen angesichts der Verletzungen und Kränkungen des Krieges, Verlustes von Angehörigen und Heimat?

Hier folgen ein paar subjekt ausgewählte Zitate aus Ortheils „Erfindung des Lebens“:

„Auf dem Hof nannte man diese Stunden Die Sprechstunden, und genau diesen Eindruck machte es auch, wenn Mutter an ihrem kleinen Tisch saß und, ein Bein über das andere geschlagen, ein Buch auf dem Schoß, leicht vorgebeugt, als wollte sie keine Silbe ihres Gegenübers verpassen, ihre Unterhaltungen führte. Manchmal dehnten sich diese Unterhaltungen zu regelrechten Gesprächsrunden aus, und obwohl sich unter deren Teilnehmern oft auch Männer befanden, die durchaus wussten, wie man das große Sagen inszenierte, gelang es meiner Mutter doch fast immer, die Gesprächsführung zu behalten.“  S. 290 / 291

„Als ich bereits etwas älter war, habe ich ihm [dem Vater] gesagt, dass ich meine Spaziergänge und Reisen mit ihm als eine Art Feldforschung betrachtet hätte, da schaute er mich verblüfft an und sagte: Richtig, genau das war es, das Wort lag mir ein Leben lang auf der Zunge!“  S. 291

„Der Trick, den ich anwenden musste, bestand also darin, mich an die Schriftfassung einzelner Lebensgeschichten zu erinnern. Wenn mir das gelang, erzählte ich flüssig und ohne Hemmungen.“  S. 404

„Er braucht aber nach wie vor Zeit, denn all das, was er sieht, hat erst noch einige Fremdheits-Sperren zu überwinden, bis es in seinem Gehirn und vor allem in seinen Empfindungen ankommt. Schaut er nur flüchtig hin, vergisst er sofort wieder, was er gesehen hat, er will aber nicht vergessen, sondern so viel wie möglich behalten, um es meist noch am selben Tag in seine Hefte notieren und damit festhalten zu können.“  S. 415

„In solchen Fällen konnte ich nicht nur mit niemandem reden, sondern trat sogar die Flucht an, um von niemandem angesprochen zu werden. Wie gehetzt suchte ich Orte auf, an denen ich kaum einem Menschen begegnete, und wenn ich endlich einen einsamen Ort gefunden hatte, machte mir die Einsamkeit nach einer Weile derartige Angst, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste, als wieder zurückzukehren an die vertrauten Orte und Räume meiner Kindheit rund um den ovalen Kölner Platz.“  S. 422

„Irgendetwas ist seit meiner Ankunft geschehen, aber ich verstehe nicht, was es ist. Ich spüre nur, dass ich anders als bei meinen sonstigen Fluchten und Reisen weder eine gewisse Anspannung noch irgendeine Unruhe empfinde, im Gegenteil, ich fühle mich leicht, unbeschwert, ja kurz davor, etwas zu singen. Ich will singen? Wieso will ich singen? Was, verdammt nochmal, ist denn bloß mit mir los?“  S. 450

„Wie leicht wird es sein, in dieser Stadt zu leben, ganz leicht. Eine Kirche, ein Café, eine Unterhaltung, noch eine Unterhaltung, diese Stadt ist wie für mich geschaffen, einerseits lässt sie mich vollständig in Ruhe, und andererseits bietet sie mir alles, was ich brauche. Das, was ich brauche, ist einfach vorhanden, an jeder Ecke, es steht da zur freien Verfügung.“  S. 458

„Vom ersten Tag an hatte man mich hier gut aufgenommen und nicht wie einen hergelaufenen Fremden, sondern wie einen wirklichen Freund behandelt.“  S. 472

Als Schluss-Satz zitiert Ortheil den Korinther-Brief: „Nun aber bleiben Hoffnung, Glaube, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen …“

 

Verlagsangaben mit Leseprobe, Autoren-Interview und Rezensionen: https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Erfindung-des-Lebens/Hanns-Josef-Ortheil/Luchterhand-Literaturverlag/e271516.rhd#info

Blogs unter anderen bei:

https://privatliteratur.wordpress.com/2016/08/22/der-stumme-junge-schreibt/

»Die Erfindung des Lebens«, Hanns-Josef Ortheil

 

 

 

 

 

 

 

 

Freiheit. Schüleraufsatz in einer Willkommensklasse

Freedom. Please notice the blog of Emmanuelle Chaze in English language, link see below.

„Freiheit

Freiheit ist ein Begriff, der sich eine Meng Bedeutungen hat. Freiheit ist eine große Welt, die viele Teile enthält.

Freiheit sollte sich überall befinden, in jedem Land, jedem Haus und jeder Familie, einfach auf der ganzen Welt. Aber heutzutage hat die Freiheit ihre Bedeutung verloren. Die Starken regeln die Schwachen, die Reichen überfahren die Armen und, Präsidente töten ihre Völker. Warum!! gibt es einen grund? Weil einer Seine Meinung sagte? Oder velleicht weil einer sich beschwerte weil er Geld braucht um seine Kinder zu füttern oder weil einer andere glaben hat!? gibt mir einen überzeugenden Grund! . Ein Kind wird getötet, weil sein Vater nicht zur armee ging? Was ist seine Schuld ?!! . Jugendliche sterben, weil sie demonstriet haben. Wo ist die Freiheit? warum können wir sie nicht einfach habt haben?? diese frage stellt sich in vielen Ländern aber ins besondere Syrien. Ich würde dem Syrischen Volk, den Kindern in Syrien und in allen anderen ungerechten Ländern.“

freiheit-img_20161215_112144

Diesen Text sendet Emmanuelle Chaze in ihrem Blog:

https://berlinerdiary.com/2016/12/15/welcome-class-december-15th-2016/

 

 

Bildung begleiten

Viele Freiwillige engagieren sich für Schülerinnen und Schüler. Ihre Initiativen trafen sich bei einem Fachtag am 25. November zu Information und Austausch. Das „Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V. “ und „ROCK YOUR LIFE! Metropolregion Nürnberg e. V.“ hatten dazu in den Eppelein-Saal der Jugendherberge auf der Nürnberger Burg eingeladen.

Claudia Leitzmann vom Landesnetzwerk, Jan Boskamp von ROCK YOUR LIFE! sowie Julia Schermann vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend begrüßten die etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Über die Möglichkeiten und Grenzen von Patenmodellen sprach Mitra Sharifi-Neystanak von der Universität Bamberg. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher würdigte sie mit Anerkennung für die vielfältigen und nachhaltigen Begegnungen bei der Persönlichkeitsbildung, der Sprach- und Leseförderung, Hausaufgabenbetreuung und Übergangsbegleitung für Kinder und Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund. Als Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Ausländer-, Migrations- und Integrationsbeiräte Bayerns“ (AGABY) kritisierte sie die anhaltende Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im Schulsystem.

In einer Gesprächsrunde stellten Vertreterinnen und Vertreter von „Balu und Du“, „Mentor Lesespaß Coburg“, „ROCK YOUR LIFE!“ und „wings to school“ ihre Initiativen vor, erläuterten ihr Vorgehen und die Herausforderungen bei der Organisation, Finanzierung sowie der Kooperation mit den Schulen.

Für weiteren Input und Austausch sorgten zwei Runden von sechs Workshops über Fundraising, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Gewinnung von Freiwilligen, Anerkennungskultur für Ehrenamtliche, Mentoring-Qualifizierung sowie Wirksamkeitsmessung und Evaluation.

In der bundesweiten Initiative „ROCK YOUR LIFE!“ engagieren sich Studierende als Mentorinnen und Mentoren für Schülerinnen und Schüler mit beträchtlichem Einsatz. Sie bezeichnen sich als „Bewegung für mehr Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Im Workshop Mentoring-Qualifizierung präsentierte Madlen Petzsche das Trainings-Konzept von „ROCK YOUR LIFE!“

Besonders gut gefallen mir die Fragen, mit denen sich die Studierenden, Schülerinnen und Schüler in ihren Trainings und Gesprächen auseinandersetzen:

• „Was würden deine Freunde sagen, sind deine größten Talente?“
• „Was würdest du machen, wenn es sicher nicht schief gehen würde?“
• „Was fällt dir so leicht, dass du es großzügig geben kannst, immer und immer wieder?“
• „Was würdest du machen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“
• „Warum bist du hier?“
• „Wofür willst du bekannt sein?“
• „Wofür danken dir die Menschen oft?“

Unterstützt wurde der Fachtag von der „Aktion zusammen wachsen – Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern. Sie wurde 2008 von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend getragen.

Auf der Internet-Seite der „Aktion zusammen wachsen“ finden sich umfangreiche Informationsmaterialien sowie die bundesweite Projekt-Datenbank. Hier können sich interessierte Initiativen und Organisationen eintragen lassen.

Wer sich freiwillig engagieren möchte als Lesefreundin, Hausaufgabenbetreuer oder Ausbildungsbegleitung findet hier eine passende und gute Adresse in der jeweiligen Nähe.

Zum Abschluss verabredeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtags den weiteren Austausch, Vernetzung und Fortbildungen sowie gemeinsame Interessenvertretung.

Danke für aufgefrischte ältere Kontakte, erfrischende neue Begegnungen, aktuelle Informationen und weiterführende Perspektiven.

Hier finden Sie:

  • Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V.

http://www.lbe.bayern.de/index.php

  • ROCK YOUR LIFE! MENTORING

https://www.rockyourlife.de/

  • Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns

http://www.agaby.de/

  • Aktion zusammen wachsen

http://www.aktion-zusammen-wachsen.de/startseite.html

 

Willkommen bei Transit Nuremberg … welcome to transit nuremberg

English version see below –

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Transit Camp Stadionbad in Nürnberg bot von Mitte September bis Anfang Oktober 2015 mehreren Tausend Menschen einen Schlafplatz, Essen & Trinken, Dusche und Hygiene, ärztliche Inaugenscheinnahme mit erster Behandlung, im Bedarfsfall warme und frische Kleidungsstücke sowie die Gelegenheit, Mobilgeräte aufzuladen.

Rückblickend schreibe ich von meinen Eindrücken als freiwilliger Ehrenamtskoordinator. Die Gäste des Transit Camps sowie die Mitarbeiterinnen und Helfer lade ich herzlich ein, ihre persönlichen Geschichten zu erzählen und Erfahrungen zu teilen. Auf den Austausch über inhaltliche Fragen der Arbeit mit Freiwilligen und Flüchtlingen freue ich mich. Gute Beispiele und Informationen sind willkommen.

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