Freiwilligenmesse * Volunteers Fair

English summary please see below.  –  An diesem sonnigen Oktobersonntag zeigten die Nürnberger Freiwilligenorganisationen, Rettungsdienste und Wohlfahrtsverbände beim „Tag der offenen Tür“ der Stadt Nürnberg, was sie anbieten und können.

Die Bildergalerie – zum Vergrößern bitte anklicken – zeigt ein paar Eindrücke dieses Tages:

Zahlreiche Nürnberger und Gäste kamen in die Stadt und erlebten auf dem Hauptmarkt, was die Hilfs- und Rettungsorganisationen auf die Beine stellen: die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk, die Johanniter und die Malteser, der Arbeiter-Samariter-Bund und das Rote Kreuz. Sie zeigten, was sie bei Unfällen und Notfällen leisten und wie sie ihre Mitarbeiter*innen ausbilden, mit Herz-Druck-Massage – dazu die leibliche Versorgung mit Kürbissuppe und Bratwürsten. Der Sportservice der Stadt Nürnberg bot ein buntes Programm mit den Gruppen der Sport- und Kulturvereine.

Bei den Freiwilligen-Organisationen gab es ein Wiedersehen mit vielen guten Bekannten und Kennenlernen von kreativen neuen Projekten. Das Zentrum Aktiver Bürger wirbt für die Familienpatenschaften und berät Interessierte, ihr Engagement zu finden. Die Bürgerstiftung Nürnberg ermöglicht mit Bürgergeld und Engagement vielerlei Aktivitäten wie die öffentlichen Bücherschränke in den Stadtteilen. Der Verein Arbeiterkind begleitet Studierende auf ihrem Weg. „Refukitchen“ kocht „für ein neues Wir“.

Junges Engagement vertraten das Diakonische Werk Bayern und der Internationale Bund mit den Freiwilligendiensten, Caritas mit dem Projekt „You are not alone“, die Kontaktstelle der Selbsthilfegruppen, der Verein „Viva con Agua“ für den freien Zugang zu Wasser und die Initiative „You are here – refugees welcome“ mit ihren Medienprojekten.

Ein heiterer Sonntag mit vielen Perspektiven. Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum präsentierte seine Fahrzeuge, Angebote und lud ein zur Besichtigung der „Mülloper“. Das Rathaus hatte seine Türen geöffnet für Besuche und Gespräche mit den Stadträt*innen.

Was wäre die Stadt ohne ihre 100.000 Ehrenamtlichen und Freiwilligen in allen Lebensbereichen? Das bürgerschaftliche Engagement möge weiter gut gedeihen. Einige Besucher*innen der Freiwilligenmesse suchen und finden ihren passenden Einsatz.

Vom Schönen Brunnen aus betrachtet die Figur des Sokrates das Markttreiben. Mich erinnert dies immer wieder gerne an die Idee, das Gefühl und den Gedanken des „Bürgerglücks“ (eudaimonia) im klassischen Philosophieren.

Beim „Tag der offenen Tür“ warben einige Angehörige für ihre Favoritin zur Wahl eines ganz besonderen Ehrenamtes, des nächsten Nürnberger Christkindles …

Das Beitragsfoto oben zeigt Mitarbeiterin Paula und Gast Bernd mit dem Kaffeebecher „Engagement to go“. Frischer Kaffee aus recycelten Kunststoff-Bechern, die Wegwerf-Behälter ersetzen. Danke schön für die Aufnahme von Thomas, unserem geschätzten Senior Advisor.

N Ü R N B E R G   E N G A G I E R T,  Freiwilligenmesse auf dem Nürnberg Hauptmarkt, Foto: Giulia Iannicelli, Stadt Nürnberg

 

Summary

This sunny sunday, the City of Nuremberg held its open day including the volunteering fair at the main market place and the City Hall. Service, welfare and rescue organizations demonstrated their work along with numerous young and elder volunteer initiatives.

I like to share this contribution with the WordPress Prompts „Brave“ and „Volunteer“

Brave

Volunteer

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Das Lied der Rohrflöte

Hermann Glaser, Herausgeber: In Franken wieder Heimat finden. Über das Schicksal von Glaubensflüchtlingen, Heimatvertriebenen, Gastarbeitern, Kriegsflüchtlingen und Asylsuchenden, Reihe Buchfranken, Sonderband, Schrenk-Verlag, Röttenbach 2017

Herausgeber Hermann Glaser versammelt in diesem Band eine lesenwerte Reihe von Texten von und über Migranten in Franken. Seiner Einleitung stellt er Goethes Worte voran: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“. Er betrachtet die „Menschenbilder“, Lithografien des Malers und Zeichners Johannes Heisig – Gesichter, Köpfe, Gestalten.

Die Auswahl der Stoffe geht zurück bis zum Pegnesischen Schäfergedicht von Georg Philipp Harsdörffer und Johannes Klaj von 1644, den Mitbegründern des „Pegnesischen Blumenordens“ gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges.

Michael Husarek schildert die gelungene Integration der französischen Hugenotten in Erlangen im 17. Jahrhundert und benennt Gelingensbedingungen für heutige Integration.

Als Nachfahre Salzburger Exulanten berührt mich die Darstellung von Christoph Lindenmeyer, wie deren Trecks nach und durch Franken zogen. Die Umstände der Ausweisung von 1731 lesen sich so erschütternd wie erfreulich die Beispiele der Willkommenskultur in Augsburg, Nürnberg und anderen Orten, auch durch die jüdischen Gemeinden. Zu deren Verfolgung und Vertreibung verweist  Herausgeber Glaser auf ein „anderes Buch“.

Bewegende persönliche Erinnerungen in Folge des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges geben Wolfgang Mück , „Vertrieben ins Ungewisse“, aus dem nordmährischen Hohenstadt nach Schauerheim und Neustadt an der Aisch, Andreas Holler: „Irgendwo ankommen“ und Bernd Ogan: „Mein Vater: Flüchtling aus Gleiwitz“.

Ein Kind aus Vietnam zu adoptieren und in die Familie zu integrieren, reflektiert Hermann Glaser eindrucksvoll: „Wie ein Kind entsteht. Geburtsurkunde: Ein Waisenhaus in Südvietnam.“

C. Peter Waegemann erinnert sich an das rote Erfurt und das braune Nürnberg, und wie er darüber mit Nachbarn in den USA sprach, darunter einem Geflüchteten, dessen Familie in den Konzentrationslagern ermordet worden war und der als US-Pilot Nürnberg bombardiert hat.

Über die „Gastarbeiter“ der 50er, 60er und 70er Jahre aus Italien, Spanien, Griechenland, Türkei und Marokko berichtet Steven M. Zahlaus mit einem Blick auf die Anwerbe-Abkommen und Entwicklungen des Ausländerrechts: „Dringend benötigt – schlecht behandelt“.

Doris Katheder und Max-Josef Schuster interviewen Somayeh Farzaneh, Künstlerin aus dem Iran bzw. Persien. Sie studierte an der Bauhaus-Universität in Weimar und an der Akademie in Nürnberg und konnte einige Kunst-Projekte realisieren oder konzipieren. Auf die Frage, woher kommst Du, aus Persien oder dem Iran, antwortet sie unter anderem mit Versen von Rumi: „… wir sind alle von oben und gehen dorthin zurück …“.

Das Lied der Rohrflöte

Hör auf die Flöte – wie sie erzählt,
wie sie klagt über Trennung und spricht:
Seit man mich aus dem Röhricht schnitt,
weinen Mann und Frau bei meiner Klage.

Ich suche die Herzen derer,
die von Einsamkeit gequält sind
– nur sie verstehen
den Schmerz meiner Sehnsucht.

Wer weit entfernt ist
von seiner Heimat,
der sehnt sich
nach dem Tag seiner Rückkehr …

Der Hauch der Flöte ist Feuer – nicht Wind!
Was nützt einem sein Leben
ohne dieses Feuer?
Das Feuer der Liebe
bringt dem Schilfrohr die Musik
und dem Wein seinen Geschmack.

Das Lied der Flöte
lindert den Schmerz
verlorener Liebe.
Ihre Melodie reißt
die Schleier von unserem Herzen.

Hat es je ein so bitteres Gift
oder einen so süßen Zucker gegeben,
wie das Lied der Flöte?

Hat man je einen Liebenden
wie sie gesehen?

Rumi, Übersetzung von Dieter Halbach, hier S. 142

Thomas Röbke schreibt von der Begleitung zweier Jugendlicher aus Pakistan und Afghanistan, und die beiden erzählen von ihrer Herkunft, dem Ankommen, Schwierigkeiten und ihren Hoffnungen.

Kurz und knapp definiert Nina Glaser schließlich die Begriffe Zuwanderer, Migranten, Kontingentflüchtlinge, Asylbewerber und Geduldete.

Die Reihe „Buchfranken“ des Schrenk-Verlages ist hier zu finden:

http://www.buchfranken.de/

Translate – übersetzen

More than hundred people volunteered to translate for thousands of refugees at the transit camp Nuremberg in autumn 2015. Their essential services performed translation from and into Arabic, Farsi, Turkish and Kurdish, English etc. for the whole transit camp, the many encounters and needs.

The translators welcomed and received the refugees, spoke at the medical screening, accompanied on the way to the sleeping tents and mediated there, they showed the ways and gave orientation to the showers, catering and the restaurent tent. They answered questions on telecommunication and to continuation of their journey. They helped here and there to prevent a possible conflict or to solve it. Moreover, they gave first orientation on the place, the town and the local situation. In addition, the translators talked to the refugees in the transit camp and answered to all personal questions and matters. They made announcements over the loudspeaker arrangement of the stadium bath concerning the meals or the departures to first admission facilities. They wrote signs and posters for important communications.

Some translators came as instructors or participants of the educational centre of the city of Nuremberg or on account of the Islamic community. Others were attracted by personal and informal contacts or the public call on social networks. The translators were migrants or refugees themselves, who came to Nuremberg by marriage or family reunification. Here, they gave their best to help compatriots and to support the city of Nuremberg, employees and volunteers at the transit camp. Their civic involvement is exemplary.

Thus, the translators explained to the refugees what they could expect in the transit camp, what they could get or not, and they told to us hosts what the guests would need and expect. They worked untiringly, donated their spare time, night’s rest and helped us to trust, „yes, we  can“ – they themselves managed their arrival.

„Translation“ is an ambiguous word in German. Skippers and sailors can „translate“ – „übersetzen“ (ferry over) – the travellers on rivers, lakes and seas to the other shore. People with two or several languages can translate the said or written of one into another language. Some of the translators at the transit camp  were able to translate three, four, five or even more languages. Many of them already had mediated for migrants and refugees at other places , and many will do it at further other occasions.

Beside the voluntary translators, there were employees of the security service who were enabled to translate with own linguistic proficiency. Also doctors, volunteers and others brought suitable linguistic skills. Several refugees themselves provided helpful services over and over again, translating from mother tongues into the English and shared communication with us to employees and volunteers.

From the translators, I learned one or the other word myself, an intercultural gesture and something about composure and dignity. A magic word was „targamaa“ – arabic: translate, translation. The transit camp was a polyglot learning space for linguistic and non-verbal meeting. Shukran – merci – thank you – danke.

My translation from the original German version was assisted by: http://de.pons.com/text-%C3%BCbersetzung

After the transit camp had closed, most of the language mediators still are busy assisting refugees, volunteers and authorities at the Zentrum Aktiver Bürger – Centre of Active Citizens at Nuremberg with knowledge of over thirty languages:

https://www.iska-nuernberg.de/cgi-bin/zab/cms.pl?Seite=sprachvermittlung.htm

In 2016, the language team won the Intercultural Prize of the Nuremberg Council for Integration and Migration.

This translation was inspried by WordPress Daily Prompt „Translate“:

Translate

The orginal post in German language at the time:

Für das Transit Camp Stadionbad melden sich über hundert Personen, die übersetzen können. Übersetzen von und in Arabisch, Farsi, Türkisch und Kurdisch, Englisch usw. Für das gesamte Transit Camp, alle einzelnen Angebote und die menschlichen Begegnungen leisten die Übersetzerinnen und Übersetzer wesentliche und zentrale Dienste.

Die Übersetzerinnen und Übersetzer begrüßen die Flüchtlingsgäste, empfangen sie, sprechen beim ärztlichen Screening, begleiten auf dem Weg zu den Schlafzelten und vermitteln beim Belegen der Zelte, sie weisen die Wege und geben Orientierung zu den Duschen, zur Essensausgabe und zum Essenszelt. Sie beantworten Fragen zur Telekommunikation und zur Weiterreise. Sie helfen hier und da, einen möglichen Konflikt beizulegen. Über die sprachliche Verständigung hinaus, geben sie erste Orientierung über den Ort, die Stadt und die hiesigen Verhältnisse. Darüber hinaus, sprechen die Übersetzerinnen und Übersetzer die Flüchtlingsgäste im Transit Camp an und lassen sich ansprechen mit allen persönlichen Fragen und Angelegenheiten. Sie machen Durchsagen über die Lautsprecheranlage des Stadionbades zu den Essenszeiten oder zu den Abfahrten in Erstaufnahme-Einrichtungen. Sie schreiben Schilder und Plakate für wichtige Mitteilungen.

Einige Übersetzerinnen und Übersetzer kommen als Kursleiter oder Besucher des Bildungszentrums der Stadt Nürnberg oder aufgrund der Kontakte zur Islamischen Gemeinde, wieder andere werden angesprochen durch ihre persönlichen und familiären Kontakte oder den öffentlichen Aufruf über die sozialen Netzwerke. Die Übersetzerinnen und Übersetzer sind selbst Migranten oder Flüchtlinge, sind durch Heirat oder Familienzusammenführung nach Nürnberg gekommen. Sie geben ihr Bestes, um ihren Lands- und Sprachleuten hier weiter zu helfen und die Stadt Nürnberg, die Mitarbeiter und Helferinnen im Transit Camp zu unterstützen. Ihr bürgerschaftliches Engagement ist beispielhaft.

So erklären die Übersetzerinnen und Übersetzer den Flüchtlingsgästen, was sie im Transit Camp erwartet, was sie bekommen und was nicht, und sie vermitteln uns Gastgebern, was die Gäste brauchen und erhoffen. Sie setzen sich unermüdlich ein, spenden ihre Freizeit, ihre Nachtruhe und helfen uns, zu vertrauen, „wir schaffen das“ – sie haben es selbst geschafft oder sind dabei, es zu schaffen.

„Übersetzen“ ist in der deutschen Sprache ein mehrdeutiges Wort. „Übersetzen“ können Schiffer und Seeleute die Reisenden auf Flüssen, Seen und Meeren zum anderen Ufer. „Übersetzen“ können Menschen mit zwei oder mehreren Sprachen das Gesagte oder Geschriebene von einer in eine andere Sprache. Manche der Übersetzerinnen und Übersetzer im Transit Camp sind drei, vier, fünf oder mehrerer Sprachen mächtig.

Viele der Übersetzerinnen und Übersetzer haben bereits an anderen Stellen für Migranten und Flüchtlinge vermittelt, und viele werden es künftig weiter an anderen Orten tun.

Neben den freiwilligen Übersetzerinnen und Übersetzern gibt es MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes, die mit den eigenen Sprachkenntnissen befähigt sind, zu übersetzen. Auch Ärzte, Sanitäter und Freiwillige bringen passende Sprachfertigkeiten mit. Nicht zuletzt leisten immer wieder mehrere Flüchtlingsgäste selbst hilfreiche Dienste, indem sie aus ihren Muttersprachen ins Englische übersetzen und so Verständigung und Kommunikation mit uns Mitarbeitern und Freiwilligen herstellen.

Von den Übersetzerinnen und Übersetzern lerne ich selbst das eine oder andere Wort, eine interkulturelle Geste und manches über Haltung und Würde. Das Transit Camp ist ein mehrsprachiger Lernort für sprachliche und nonverbale Begegnung. Shukran – merci – thank you – danke.

 

Wir schaffen zusammen …

Zu dem Satz „Wir schaffen das“ und der Frage „Wie schaffen wir das?“ fällt mir in diesen Tagen das schöne Lied der Bots ein: „Sieben Tage lang“. Im zweiten der drei Verse heisst es:

„Dann wollen wir schaffen, sieben Tage lang
dann wollen wir schaffen, komm faß an
Und das wird keine Plackerei.
Wir schaffen zusammen, sieben Tage lang
ja, schaffen zusammen, nicht allein.“

Im Netz finde ich, dass dieses Lied auf das bretonische Volkslied „Son ar chistr“ zurückgeht, „Das Lied von Cidre“, 1929 von zwei bretonischen Bauern Jean-Bernard und Jean-Marie Prima komponiert. Auf der Plattenhülle „Aufstehn“ der Bots – 1980 Phonogram Holland im Vertrieb der EMI-Elektrola – stehen für den Text Hans Sanders und den deutschen Subtext: Lerryn und Günter Wallraff.

Die Bots-Lieder „Sieben Tage lang (Was wollen wir trinken)“, „Aufstehn“ und „Das weiche Wasser bricht den Stein“ waren zur Zeit der Friedensbewegung Anfang der achtziger Jahre wichtige musische Wegbegleiter. Die Friedensbewegung hatte die Stationierung der Mittelstreckenraketen nicht verhindern können, wiederum mit ihrer Wirkung dazu beigetragen, dass sie wieder abgezogen wurden. Meine These bleibt, ohne die Friedensbewegung hätte es das Ende des Kalten Krieges, des Ost-West-Konfliktes, den Fall der Mauer wie des Eisernen Vorhangs und die weiteren Folgen nicht gegeben. Wer erinnert sich an die Dankbarkeit und Freude über fallende Grenzzäune?

Bei der Begleitung der Geflüchteten in diesen Tagen erleben viele Ehrenamtliche und Freiwillige mit ihren Koordinator*innen, das „Wir wollen schaffen“ und „Wir schaffen zusammen, nicht allein“. Und „das wird keine Plackerei“, wenn wir uns nach sechs Tagen mal einen Ruhetag gönnen und genießen.

„Komm, faß an“ … wer anfassen mag, findet die Möglichkeit dazu beim nächstliegenden Helferkreis, der Freiwilligen-Agentur oder in der Nachbarschaft. Wie heisst es im ersten Vers des Liedes: „Es wird genug für alle sein … “

Auch wenn Hans Sanders nicht mehr unter ihnen weilt, freue ich mich, dass die Bots weiter spielen:

http://www.bots-muziek.nl/

 

 

Eingereicht bei „Daily Prompt“:

Melody

Bildung begleiten

Viele Freiwillige engagieren sich für Schülerinnen und Schüler. Ihre Initiativen trafen sich bei einem Fachtag am 25. November zu Information und Austausch. Das „Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V. “ und „ROCK YOUR LIFE! Metropolregion Nürnberg e. V.“ hatten dazu in den Eppelein-Saal der Jugendherberge auf der Nürnberger Burg eingeladen.

Claudia Leitzmann vom Landesnetzwerk, Jan Boskamp von ROCK YOUR LIFE! sowie Julia Schermann vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend begrüßten die etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Über die Möglichkeiten und Grenzen von Patenmodellen sprach Mitra Sharifi-Neystanak von der Universität Bamberg. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher würdigte sie mit Anerkennung für die vielfältigen und nachhaltigen Begegnungen bei der Persönlichkeitsbildung, der Sprach- und Leseförderung, Hausaufgabenbetreuung und Übergangsbegleitung für Kinder und Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund. Als Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Ausländer-, Migrations- und Integrationsbeiräte Bayerns“ (AGABY) kritisierte sie die anhaltende Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im Schulsystem.

In einer Gesprächsrunde stellten Vertreterinnen und Vertreter von „Balu und Du“, „Mentor Lesespaß Coburg“, „ROCK YOUR LIFE!“ und „wings to school“ ihre Initiativen vor, erläuterten ihr Vorgehen und die Herausforderungen bei der Organisation, Finanzierung sowie der Kooperation mit den Schulen.

Für weiteren Input und Austausch sorgten zwei Runden von sechs Workshops über Fundraising, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Gewinnung von Freiwilligen, Anerkennungskultur für Ehrenamtliche, Mentoring-Qualifizierung sowie Wirksamkeitsmessung und Evaluation.

In der bundesweiten Initiative „ROCK YOUR LIFE!“ engagieren sich Studierende als Mentorinnen und Mentoren für Schülerinnen und Schüler mit beträchtlichem Einsatz. Sie bezeichnen sich als „Bewegung für mehr Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Im Workshop Mentoring-Qualifizierung präsentierte Madlen Petzsche das Trainings-Konzept von „ROCK YOUR LIFE!“

Besonders gut gefallen mir die Fragen, mit denen sich die Studierenden, Schülerinnen und Schüler in ihren Trainings und Gesprächen auseinandersetzen:

• „Was würden deine Freunde sagen, sind deine größten Talente?“
• „Was würdest du machen, wenn es sicher nicht schief gehen würde?“
• „Was fällt dir so leicht, dass du es großzügig geben kannst, immer und immer wieder?“
• „Was würdest du machen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“
• „Warum bist du hier?“
• „Wofür willst du bekannt sein?“
• „Wofür danken dir die Menschen oft?“

Unterstützt wurde der Fachtag von der „Aktion zusammen wachsen – Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern. Sie wurde 2008 von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend getragen.

Auf der Internet-Seite der „Aktion zusammen wachsen“ finden sich umfangreiche Informationsmaterialien sowie die bundesweite Projekt-Datenbank. Hier können sich interessierte Initiativen und Organisationen eintragen lassen.

Wer sich freiwillig engagieren möchte als Lesefreundin, Hausaufgabenbetreuer oder Ausbildungsbegleitung findet hier eine passende und gute Adresse in der jeweiligen Nähe.

Zum Abschluss verabredeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtags den weiteren Austausch, Vernetzung und Fortbildungen sowie gemeinsame Interessenvertretung.

Danke für aufgefrischte ältere Kontakte, erfrischende neue Begegnungen, aktuelle Informationen und weiterführende Perspektiven.

Hier finden Sie:

  • Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V.

http://www.lbe.bayern.de/index.php

  • ROCK YOUR LIFE! MENTORING

https://www.rockyourlife.de/

  • Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns

http://www.agaby.de/

  • Aktion zusammen wachsen

http://www.aktion-zusammen-wachsen.de/startseite.html

 

Jenny Erpenbeck: „Gehen, ging, gegangen“

Der Roman zum Thema. Jenny Erpenbeck erzählt von einer Gruppe afrikanischer Flüchtlinge in Berlin und von Richard, der ihnen begegnet.

Klappentext Rückseite: „An einem Donnerstag Ende August versammeln sich zehn Männer vor dem Roten Rathaus in Berlin. Sie haben beschlossen, heißt es, nichts mehr zu essen. Drei Tage später beschließen sie, nun auch nichts mehr zu trinken. Ihre Hautfarbe ist schwarz. Sie sprechen Englisch, Französisch, Italienisch. Und noch andere Sprachen, die hierzulande niemand versteht. Was wollen die Männer? Arbeit wollen sie. Und von der Arbeit leben. In Deutschland bleiben wollen sie. Wer seid ihr, werden sie von der Polizei gefragt. Wir sagen es nicht, sagen die Männer. Das müsst ihr aber sagen, sagen die andern, sonst wissen wir nicht, ob ihr unter das Gesetz fallt und hier bleiben dürft. Die Männer schweigen. Wir müssen prüfen, ob ihr wirklich in Not seid, sagen die andern. Die Männer schweigen.“

Klappentext vorne: „Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Wie geht man um mit dem Verlust derer, die man geliebt hat? Wer trägt das Erbe weiter? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die Begegnung mit den Flüchtlingen auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Männern aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.

Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von alldem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.“

Der verwitwete Ruheständler Richard nähert sich mit persönlicher Neugier und  Fragen den Flüchtlingen an. Wir erfahren vom Leben in den Unterkünften, der Praxis der Ausländerbehörden und dem Sprachunterricht. Ebenso aufschlussreich wie berührend sind die Lebensgeschichten und Fluchtwege der Schutzsuchenden. Deren Heimatverlust und Hoffnung auf Europa setzt Jenny Erpenbeck in Verbindung zur Vergangenheit der DDR, die in den Erinnerungen von Richard und seinen Freunden nachklingt.

„Wenn man verstehen will, was einer meint oder sagt, muss man im Grunde das, was er meint oder sagt, immer schon wissen. Ist dann ein gelungener Dialog nur ein Wiedererkennen? Und das Verstehen nicht etwa ein Weg, sondern vielmehr ein Zustand?“ (S. 94/95)

„Wie oft wohl muss einer das, was er weiß, noch einmal lernen, wieder und wieder entdecken, wie viel Verkleidungen abreißen, bis er die Dinge wirklich versteht bis auf die Knochen? Reicht überhaupt eine Lebenszeit dafür aus? Seine – oder die eines andern?“ (S. 177)

Jenny Erpenbeck, GEHEN, GING, GEGANGEN, Roman, Albrecht Knaus Verlag, München 2015

Auf der Internet-Seite des Verlags steht eine Leseprobe zur Verfügung:

http://www.randomhouse.de/Buch/Gehen-ging-gegangen-Roman/Jenny-Erpenbeck/e336327.rhd

Das Kulturmagazin Perlentaucher fasst ausgewählte Buchbesprechungen zusammen:

https://www.perlentaucher.de/buch/jenny-erpenbeck/gehen-ging-gegangen.html

 

Übersetzen

Für das Transit Camp Stadionbad melden sich über hundert Personen, die übersetzen können. Übersetzen von und in Arabisch, Farsi, Türkisch und Kurdisch, Englisch usw. Für das gesamte Transit Camp, alle einzelnen Angebote und die menschlichen Begegnungen leisten die Übersetzerinnen und Übersetzer wesentliche und zentrale Dienste.

Die Übersetzerinnen und Übersetzer begrüßen die Flüchtlingsgäste, empfangen sie, sprechen beim ärztlichen Screening, begleiten auf dem Weg zu den Schlafzelten und vermitteln beim Belegen der Zelte, sie weisen die Wege und geben Orientierung zu den Duschen, zur Essensausgabe und zum Essenszelt. Sie beantworten Fragen zur Telekommunikation und zur Weiterreise. Sie helfen hier und da, einen möglichen Konflikt beizulegen. Über die sprachliche Verständigung hinaus, geben sie erste Orientierung über den Ort, die Stadt und die hiesigen Verhältnisse. Darüber hinaus, sprechen die Übersetzerinnen und Übersetzer die Flüchtlingsgäste im Transit Camp an und lassen sich ansprechen mit allen persönlichen Fragen und Angelegenheiten. Sie machen Durchsagen über die Lautsprecheranlage des Stadionbades zu den Essenszeiten oder zu den Abfahrten in Erstaufnahme-Einrichtungen. Sie schreiben Schilder und Plakate für wichtige Mitteilungen.

Einige Übersetzerinnen und Übersetzer kommen als Kursleiter oder Besucher des Bildungszentrums der Stadt Nürnberg oder aufgrund der Kontakte zur Islamischen Gemeinde, wieder andere werden angesprochen durch ihre persönlichen und familiären Kontakte oder den öffentlichen Aufruf über die sozialen Netzwerke. Die Übersetzerinnen und Übersetzer sind selbst Migranten oder Flüchtlinge, sind durch Heirat oder Familienzusammenführung nach Nürnberg gekommen. Sie geben ihr Bestes, um ihren Lands- und Sprachleuten hier weiter zu helfen und die Stadt Nürnberg, die Mitarbeiter und Helferinnen im Transit Camp zu unterstützen. Ihr bürgerschaftliches Engagement ist beispielhaft.

So erklären die Übersetzerinnen und Übersetzer den Flüchtlingsgästen, was sie im Transit Camp erwartet, was sie bekommen und was nicht, und sie vermitteln uns Gastgebern, was die Gäste brauchen und erhoffen. Sie setzen sich unermüdlich ein, spenden ihre Freizeit, ihre Nachtruhe und helfen uns, zu vertrauen, „wir schaffen das“ – sie haben es selbst geschafft oder sind dabei, es zu schaffen.

„Übersetzen“ ist in der deutschen Sprache ein mehrdeutiges Wort. „Übersetzen“ können Schiffer und Seeleute die Reisenden auf Flüssen, Seen und Meeren zum anderen Ufer. „Übersetzen“ können Menschen mit zwei oder mehreren Sprachen das Gesagte oder Geschriebene von einer in eine andere Sprache. Manche der Übersetzerinnen und Übersetzer im Transit Camp sind drei, vier, fünf oder mehrerer Sprachen mächtig.

Viele der Übersetzerinnen und Übersetzer haben bereits an anderen Stellen für Migranten und Flüchtlinge vermittelt, und viele werden es künftig weiter an anderen Orten tun.

Neben den freiwilligen Übersetzerinnen und Übersetzern gibt es MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes, die mit den eigenen Sprachkenntnissen befähigt sind, zu übersetzen. Auch Ärzte, Sanitäter und Freiwillige bringen passende Sprachfertigkeiten mit. Nicht zuletzt leisten immer wieder mehrere Flüchtlingsgäste selbst hilfreiche Dienste, indem sie aus ihren Muttersprachen ins Englische übersetzen und so Verständigung und Kommunikation mit uns Mitarbeitern und Freiwilligen herstellen.

Von den Übersetzerinnen und Übersetzern lerne ich selbst das eine oder andere Wort, eine interkulturelle Geste und manches über Haltung und Würde. Das Transit Camp ist ein mehrsprachiger Lernort für sprachliche und nonverbale Begegnung. Shukran – merci – thank you – danke.

WordPress Daily Prompt „Today“ February 18th, 2017, inspires me to send this again, although not translated yet.

 

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