Das Lied der Rohrflöte

Hermann Glaser, Herausgeber: In Franken wieder Heimat finden. Über das Schicksal von Glaubensflüchtlingen, Heimatvertriebenen, Gastarbeitern, Kriegsflüchtlingen und Asylsuchenden, Reihe Buchfranken, Sonderband, Schrenk-Verlag, Röttenbach 2017

Herausgeber Hermann Glaser versammelt in diesem Band eine lesenwerte Reihe von Texten von und über Migranten in Franken. Seiner Einleitung stellt er Goethes Worte voran: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“. Er betrachtet die „Menschenbilder“, Lithografien des Malers und Zeichners Johannes Heisig – Gesichter, Köpfe, Gestalten.

Die Auswahl der Stoffe geht zurück bis zum Pegnesischen Schäfergedicht von Georg Philipp Harsdörffer und Johannes Klaj von 1644, den Mitbegründern des „Pegnesischen Blumenordens“ gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges.

Michael Husarek schildert die gelungene Integration der französischen Hugenotten in Erlangen im 17. Jahrhundert und benennt Gelingensbedingungen für heutige Integration.

Als Nachfahre Salzburger Exulanten berührt mich die Darstellung von Christoph Lindenmeyer, wie deren Trecks nach und durch Franken zogen. Die Umstände der Ausweisung von 1731 lesen sich so erschütternd wie erfreulich die Beispiele der Willkommenskultur in Augsburg, Nürnberg und anderen Orten, auch durch die jüdischen Gemeinden. Zu deren Verfolgung und Vertreibung verweist  Herausgeber Glaser auf ein „anderes Buch“.

Bewegende persönliche Erinnerungen in Folge des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges geben Wolfgang Mück , „Vertrieben ins Ungewisse“, aus dem nordmährischen Hohenstadt nach Schauerheim und Neustadt an der Aisch, Andreas Holler: „Irgendwo ankommen“ und Bernd Ogan: „Mein Vater: Flüchtling aus Gleiwitz“.

Ein Kind aus Vietnam zu adoptieren und in die Familie zu integrieren, reflektiert Hermann Glaser eindrucksvoll: „Wie ein Kind entsteht. Geburtsurkunde: Ein Waisenhaus in Südvietnam.“

C. Peter Waegemann erinnert sich an das rote Erfurt und das braune Nürnberg, und wie er darüber mit Nachbarn in den USA sprach, darunter einem Geflüchteten, dessen Familie in den Konzentrationslagern ermordet worden war und der als US-Pilot Nürnberg bombardiert hat.

Über die „Gastarbeiter“ der 50er, 60er und 70er Jahre aus Italien, Spanien, Griechenland, Türkei und Marokko berichtet Steven M. Zahlaus mit einem Blick auf die Anwerbe-Abkommen und Entwicklungen des Ausländerrechts: „Dringend benötigt – schlecht behandelt“.

Doris Katheder und Max-Josef Schuster interviewen Somayeh Farzaneh, Künstlerin aus dem Iran bzw. Persien. Sie studierte an der Bauhaus-Universität in Weimar und an der Akademie in Nürnberg und konnte einige Kunst-Projekte realisieren oder konzipieren. Auf die Frage, woher kommst Du, aus Persien oder dem Iran, antwortet sie unter anderem mit Versen von Rumi: „… wir sind alle von oben und gehen dorthin zurück …“.

Das Lied der Rohrflöte

Hör auf die Flöte – wie sie erzählt,
wie sie klagt über Trennung und spricht:
Seit man mich aus dem Röhricht schnitt,
weinen Mann und Frau bei meiner Klage.

Ich suche die Herzen derer,
die von Einsamkeit gequält sind
– nur sie verstehen
den Schmerz meiner Sehnsucht.

Wer weit entfernt ist
von seiner Heimat,
der sehnt sich
nach dem Tag seiner Rückkehr …

Der Hauch der Flöte ist Feuer – nicht Wind!
Was nützt einem sein Leben
ohne dieses Feuer?
Das Feuer der Liebe
bringt dem Schilfrohr die Musik
und dem Wein seinen Geschmack.

Das Lied der Flöte
lindert den Schmerz
verlorener Liebe.
Ihre Melodie reißt
die Schleier von unserem Herzen.

Hat es je ein so bitteres Gift
oder einen so süßen Zucker gegeben,
wie das Lied der Flöte?

Hat man je einen Liebenden
wie sie gesehen?

Rumi, Übersetzung von Dieter Halbach, hier S. 142

Thomas Röbke schreibt von der Begleitung zweier Jugendlicher aus Pakistan und Afghanistan, und die beiden erzählen von ihrer Herkunft, dem Ankommen, Schwierigkeiten und ihren Hoffnungen.

Kurz und knapp definiert Nina Glaser schließlich die Begriffe Zuwanderer, Migranten, Kontingentflüchtlinge, Asylbewerber und Geduldete.

Die Reihe „Buchfranken“ des Schrenk-Verlages ist hier zu finden:

http://www.buchfranken.de/

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New Years Walk – Neujahrswanderung

Das neue Jahr willkommen heißen bei einem Ausflug mit Freunden und Verwandten erfreut besonders bei passender Witterung: Die Sonne beleuchtet bereifte Landschaft und Orte. Die Fotogallerie zum Vergrößern bitte anklicken:

Die Wanderrunde beginnt in Neunhof bei Lauf im Nürnberger Land, geht nach Nuschelberg, Günthersbühl und Oedenberg und erreicht den Panorama-Blick bei Tauchersreuth. Die sinnlichen Eindrücke lassen sich mit einfachen Mobilgerät-Aufnahmen weder einfangen noch wiedergeben.

Wir teilen freundschaftlich Ereignisse des vergangenen Jahres, Geburten und Todesfälle, Wohlbefinden, persönliche und berufliche Entwicklungen, Erinnerungen, Zeitgeschehen und Ausblicke sowie Tee, Lebkuchen und mehr Leckereien. Den Reif betrachten und eigenem Reifen nachdenken.

So läuft der Weg nach Beerbach, wo in der Kirche das Licht durch die Glasfenster strahlt und zwei „Himmelsscheiben“ gestaltet sind.

Der Brauereigasthof Wiethaler in Neunhof macht uns Einkehrer mit feiner fränkischen Küche und gutem Service so richtig satt.

Zum neuen Jahr viel Glück, alles Gute und Wohlergehen!

Weiteres zur Sankt-Egidien-Kirche in Beerbach vermittelt die Gemeinde unter: https://www.beerbach-evangelisch.de

Der Brauereigasthof Wiethaler in Neunhof findet sich unter: http://brauerei-wiethaler.de/

Mitteilung bei WordPress Daily Prompt „Year“:  Year

 

Ankommen – Arrival

English version see below –

Ankommen … die Gäste des Transit Camps im Stadionbad kommen vom Grenzübergang in Passau oder anderen Grenzübergängen und sind dankbar für einen vorübergehenden Schlafplatz. Worte finden, Worte des Willkommens, des Empfangens und Begrüßens. Wir sagen: Hallo, hello, guten Tag, Grüß Gott, willkommen, welcome, bonjour, merhaba, salam. Und so viele Gäste antworten: hello, thank you Sir, Madam, shukran, merci.

In der ersten Phase des Transit Camps werden die Sonderzüge und Busse vom Lagezentrum der Bayerischen Staatsregierung nach Nürnberg geleitet. Die Koordination geht in der zweiten Phase über an die Koordinierungsstelle Flüchtlingsverteilung der Bundesregierung. Anfangs kommen die Gäste am späten Abend und nachts in größeren Gruppen, später über den Tag verteilt mit einzelnen Bussen.

Bereits in den Bussen begrüßen die Einsatzleiter und ÜbersetzerInnen die Gäste im Stadionbad. Der Empfang führt vom Ankunftszelt zum Ärztezelt und zur Ausgabe von Hygieneartikeln und Bettzeug. So ausgestattet, begleiten sie weitere Helfer und Übersetzer zu den Schlafzelten. Auf dem Weg gibt es schon viele Fragen: Wo bin ich, wo sind wir? Wo gibt es Toiletten, und wie funktioniert die Dusche? Wann und wo gibt es etwas zu Essen? Wo kann ich das Mobilgerät aufladen? Gibt es eine W-Lan-Verbindung und SIM-Karten?

Für die hauptberuflichen und freiwilligen Helfer gibt es viele Aufgaben. Zunächst besteht die Herausforderung darin, zur jeweiligen Ankunft genügend Helfer an den wichtigen Positionen zu haben. Die Ankunftszeiten wechseln stark, so dass die Einsätze der Freiwilligen nicht leicht zu planen sind. Kommen 400 Gäste auf einmal oder 50? Kommen sie zur angekündigten Zeit, eine Stunde später, zwei Stunden später, eine Stunde früher oder vielleicht gar nicht?

Das Transit Camp beherbergt alle Ankommenden. Manche werden direkt von ihren Anhörigen abgeholt. Wenige einzelne schwer Kranke werden von den Ärzten ins Krankenhaus überwiesen. Die meisten Gäste verbringen im Stadionbad eine oder zwei Nächte in der Zeltstadt und werden – den Umständen entsprechend – gut versorgt.

Ankommen ist auch ein Thema für die vielen freiwilligen Helfer. Die Aufgabe der KoordinatorInnen besteht darin, sie zu empfangen, einzuweisen und in die verschiedenen Dienste einzuteilen. Wann immer es möglich ist, geben wir neben den Namensschildern, Ansteckern, Bescheinigungen und Leucht-Westen eine Einführung mit Rundgang durch die Zeltstadt. Manchmal ist dafür keine Zeit, und die Freiwilligen beginnen unmittelbar ihre Einsätze beim Empfang, im Ausgabezelt oder bei der Essensausgabe.

Es kommt vor, das Freiwillige eintreffen und sehr motiviert gleich eine Aufgabe übernehmen wollen. Manchmal ist die Situation, dass die Flüchtlingsgäste abgereist waren und nicht bekannt ist, wann neue Gäste kommen werden. Es gibt im Augenblick nicht wirklich etwas zu tun. So schicken wir manche Helfer unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Das ist sicherlich enttäuschend. Bitte um Verständnis dafür, dass die Einsätze und Einsatzzeiten so kurzfristig weder leicht zu planen noch zu kommunizieren waren.

In anderen Momenten ist die Besetzung eher knapp, und es gibt viele ungeplante freiwillige Überstunden. Werden neue Gäste kommen? Kann ich nach Hause gehen, oder werde ich noch gebraucht?  Es ist eine gute Erfahrung, zu erleben, dass praktisch alle freiwilligen Helfer ebenso zuverlässig kommen wie sie auch eigenständig für sich entscheiden, wie lange sie bleiben. Einige MitarbeiterInnen sagen es ausdrücklich: die Gäste des Camps haben eine Reise von Wochen und Monaten unter den abenteuerlichsten Umständen hinter sich, und so komme und helfe ich, wie ich es kann.

Zum Beitragsbild oben: Von der Situation des Empfangs im Transit Camp habe ich keine Fotoaufnahme. Daher wähle ich ein Bild vom Flughafen Nürnberg mit dem Willkommensgruß.

Die Mediathek des Bayerischen Fernsehens zeigt mehrere kurze Filmbeiträge über die Ankunft und Unterbringung der Flüchtlinge im Transit Camp Stadionbad:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/nachrichten/nuernberg-fluechtlinge-sonderzuege-100.html

Die ARD bietet eine hilfreiche Seite zum Thema Ankommen:

http://www.ard.de/home/ard/Einstiegshilfe_fuer_Fluechtlinge/2199160/index.html

Weitere Infos gibt der Blog:

https://iarrivede.wordpress.com/

 

To arrive the guests of the transit camp in the stadium bath come from the border crossing in Passau or other border crossings and are grateful for a temporary sleeping place. Words to find, words of welcome, receiving and welcoming. We say: Hello, hello, good day, Grüß Gott, willkommen, welcome, bonjour, merhaba, salam. And so many guests answer: hello, thank you sir, Madam, shukran, merci.

In the first phase, the special trains and buses are led to Nuremberg by the position center of the Bavarian state government. In the second phase, the coordination moves to the coordination center refugee distribution of the Federal Government. At first, the guests come on the late evening and at night into larger groups, later they arrive during the day with individual buses. Already in the buses, the heads of operations and translators welcome the guests in the stadium bath. The reception leads from the arrival tent to the physician tent and to the distribution of sanitary articles and bed things. So equipped, further aides and translators accompany them to the sleep tents. On the way, there are already many questions: Where am I, where we are? Where are the toilets, and how do the shower function? When and where is there anything to eat? Where can I load the mobile device ? Are there WLanconnection and SIM cards?

For fulltime and voluntary aides, there are many tasks. Firstly, the challenge consists of having sufficient aides to the respective arrival at the important positions. The arrival times change strongly, so that the employment of volunteers is to be planned not easily. Do 400 guests come at once or 50? Do they come at the time announced time or one hour later, two hours later, one hour before the time or perhaps not at all?

The transit camp accommodates all arriving. Some are fetched directly from their relatives. Few particular heavily patients are transferred  into the hospital by the physicians. Most guests spend two nights in the tent city in the stadium bath or and according to the the circumstances  are well supplied.

To arrive also is a topic for many of the voluntary aides. The task of the coordinators consists of receiving, instructing and dividing them into the different services. Whenever it is possible, we give an introduction with sight tour apart from the name plates, stickers, certificates and the shining west. Sometimes, there is no time for this, and the volunteers start off their employments directly at the receiption, in the supply tent or with the meals.

The volunteers arrive very motivated and want to take over a task at once. Sometimes, the situation is that the refugee guests had left and it is not known, when new guests will come. There is not really something to do at this moment. Thus we send some aides back home. This surely is disappointing. We ask for understanding for the fact that the employments and assignments were to plan   neither nor be communicated easily at short notice.

In other moments occupation is rather limited, and there is many unplanned voluntary work overtime. Will new guests be coming? Can I go home, or am I still used? It is a good experience, to see that practically all voluntary aides come just as reliably as they also decide independently for themselves, how long they would stay. Some employees express it: the guests of the camp have behind a travel of weeks and months under the most adventurous circumstances , and so  I come and help, as I can do it.

To the contribution picture above: From the situation of the receiption in the transit camp, I do not have a photo shoot. Therefore, I select a picture of the airport Nuremberg with the welcome greeting.

Further information: The ARD offers a helpful site for arriving for refugees: http://www.ard.de/home/ard/Einstiegshilfe_fuer_Fluechtlinge/2199160/index.html

Also see the blog at: https://iarrivede.wordpress.com/