2017 Nuremberg International Human Rights Award: „Group Caesar“

Appreciation in English language please see below.  Die Jury des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises zeichnete in diesem Jahr die „Gruppe Caesar“ aus:

„Preisträger ist die Gruppe Caesar

Die Preisverleihung findet am Sonntag, den 24. September 2017, im Nürnberger Opernhaus statt. Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen:

„Caesar“ ist der Deckname eines ehemaligen syrischen Militärfotografen, der über 50.000 Fotos aus dem Land gebracht hat, darunter 28.000 Bilder von Gefangenen, die in syrischen Gefängnissen durch Folter, Hinrichtungen, Krankheit, Unterernährung oder andere Misshandlungen getötet worden waren.

Nach Ausbruch des Bürgerkrieges 2011 hatte er den Auftrag, Leichen von syrischen Soldaten wie auch Oppositionellen zu fotografieren und diese Bilder systematisch zu archivieren, was inzwischen als „Bürokratie des Todes“ bezeichnet wird. Caesar litt massiv unter dem, was er täglich sah und erlebte; er kopierte die Bilder heimlich und schmuggelte sie mit Hilfe von Unterstützern aus dem Gefängnis und aus dem Land.

Im August 2013 verließ er Syrien mit seiner Familie und dem Vorsatz, die Verbrechen an den Gefangenen, die ihn nicht mehr losließen, an die Öffentlichkeit zu bringen. Im Januar 2014 wurden die Fotos im Internet veröffentlicht. Der im Januar 2014 erschienene Bericht einer Untersuchung, die von ehemaligen Chefanklägern internationaler Strafgerichte geführt wurde, bestätigte, dass Caesars „Beweise verlässlich waren und in jedem nachfolgenden Prozess ohne Risiko verwendet werden könnten“.

Der Leiter der Untersuchung, Desmond De Silva, beschrieb seinen Bericht als „einen rauchenden Colt“, als den Beweis für Morde in „industriellem Ausmaß“ durch das syrische Regime. Human Rights Watch bestätigte die Echtheit der Fotos in dem im Dezember 2015 veröffentlichten Bericht „Wenn die Toten sprechen könnten. Massenmorde und Folter in syrischen Gefängnissen“.

Die Jury spricht ihre Anerkennung auch der Entschlossenheit und Beharrlichkeit der investigativ tätigen französischen Journalistin Garance Le Caisne aus. Als diese Kenntnis von den Fotos erlangte, konnte sie nach monatelanger Recherche Kontakt zu Caesar aufnehmen, der sich nach anfänglichem Zögern aus Angst um seine eigene Sicherheit und die seiner Familie doch zum Interview bereit erklärte. Aus den Gesprächsmitschnitten und weiteren Interviews mit ehemaligen Häftlingen entstand das Buch „Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie“. Caesar lebt heute versteckt in Nordeuropa und wird den Preis persönlich nicht entgegennehmen können.

Im syrischen Bürgerkrieg werden extreme Menschenrechtsverletzungen von allen Konfliktparteien begangen. Laut dem Bericht von Amnesty International vom August 2016 sollen allein in den syrischen Gefängnissen seit 2011 mehr als 17.700 Menschen getötet worden sein. In der Folter wird die Verletzlichkeit eines Menschen gezielt ausgenutzt in der Absicht, den Willen dieser Person zu brechen, um ihr dadurch Informationen abzupressen, sie zu demütigen, sie einzuschüchtern oder im schlimmsten Fall zu vernichten.

Folter und andere Formen grausamer und unmenschlicher Behandlung sowie Bestrafung sind in internationalen Menschenrechtsabkommen, etwa der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen von 1984 vollständig und ausnahmslos verboten. Trotz der Ratifizierung durch 147 Staaten wird systematische Folter in mehr als 100 Ländern angewandt, vor allem in solchen, in denen Diktatoren oder autoritäre Regime herrschen.

Caesar und seine Kollegen wurden von dem Verlangen angetrieben, dafür zu sorgen, dass die dokumentierten Menschenrechtsverbrechen nicht straflos bleiben. Dafür nahmen sie große Gefahren auf sich. Mit der Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises an die Gruppe Caesar will die Jury auch an die Geschichte Nürnbergs als Wiege des modernen Völkerstrafrechts anknüpfen.“

Quelle:  https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte/jurybegruendung_caesar.html

Den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis 2017 nahm stellvertretend für den ausgezeichneten Fotografen und seine Gruppe die Journalistin Garance Le Caisne in Empfang. Wie die Presse berichtet, konnte der Fotograf einige Tage später einen Besuch in Nürnberg machen.

Bei der Friedenstafel im Anschluss an die Preisverleihung kommen viele Nürnberger zusammen auf dem Kornmarkt bei der „Straße der Menschenrechte“ und sprechen über die Preisverleihung. Die Fotografien der Gruppe Caesar wurden dazu in der Galerie Kreis ausgestellt.

Human Rights Watch hat in einer Studie die Fotografien als authentische Dokumente erkannt. Einige Angehörige der Folteropfer und Todesopfer haben ihre Verlorenen auf den Fotografien erkannt, können und werden strafrechtlich und völkerrechtlich vorgehen.

Einige Freunde sagten, die Aufnahmen erinnerten sie an die Fotografien der Opfer der Konzentrationslager. In der Ausstellung sehen wir ins Antlitz von gefolterten und gemordeten Menschen in Syrien, sehen die geschundenen Körper und lesen die Aussagen mehrer Angehöriger.

Le Caisne, Garance, Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie, C. H. Beck Verlag:

http://www.chbeck.de/le-caisne-codename-caesar/product/16128742

https://www.nuernberg.de/internet/menschenrechte_e/jury_appreciation_caesar_e.html

2017 Nuremberg International Human Rights Award

The jury gave the following reasons for its decision:

“Caesar” is the code name of a former Syrian military photographer who brought over 50,000 photographs out of the country, 28,000 of which show detainees in Syrian prisons killed by torture, outright execution, disease, malnutrition or other ill-treatment.

After the start of the civil war in 2011, his task was to photograph the corpses of both dead Syrian soldiers and political opponents, and to systematically archive those photographs in what has been called a „bureaucracy of death“. Caesar suffered immensely, seeing and experiencing this every day; he secretly copied the images and, with the help of supporters, smuggled them out of the prison and out of the country.

In August 2013, he left Syria with his family with the intention of making public the crimes committed against the prisoners which kept haunting him. In January 2014, the photographs were published on the internet. The report of an enquiry led by three former chief prosecutors of international criminal tribunals published in January 2014 confirmed that Caesar’s „evidence was reliable and could safely be acted upon in any subsequent judicial proceedings“.

The chairman, Desmond De Silva, described his report as „the smoking gun“ showing evidence of „industrial-scale“ killing by the Syrian regime. Human Rights Watch confirmed the authenticity of the images in an 86-page report „If the Dead Could Speak. Mass Deaths and Torture in Syria’s Detention Facilities“ published in December 2015.

The jury also wishes to recognise the determination and tenacity of French investigative journalist, Garance Le Caisne. When she got to know about the photographs, after months of research she was able to contact Caesar who after hesitating at first, fearing for his own and his family’s safety, finally consented to be interviewed by her. The recordings of the conversation and of further interviews with former prisoners were the basis for the book „Opération César: Au coeur de la machine de mort syrienne“ (Operation Caesar. In the Heart of the Syrian Death Machine). Caesar now lives in hiding in Northern Europe and will not be able to receive the award in person.

In the Syrian civil war, extreme human rights violations have been committed by all sides of the conflict. Since 2011, according to the report by Amnesty International of August 2016, over 17,700 people are said to have been killed in Syrian prisons alone. Torture is the purposeful exploitation of the vulnerability of a human being, with the intention of breaking this person’s will and of extorting information in this way, of humiliating, intimidating and in the worst case eliminating this person.

Torture and other forms of cruel and inhumane treatment as well as punishment have been banned completely and without exception by international human rights agreements such as the Anti-Torture Convention of 1984. Although 147 states have ratified this convention, torture is still systematically used in over 100 countries, mainly in those where dictators or authoritarian regimes rule.

Caesar and his colleagues have been driven by a desire to ensure that there is no impunity for documented human rights crimes, incurring major risks. By awarding the Nuremberg International Human Rights Award to Group Caesar, the City of Nuremberg builds on its history as the cradle of modern international criminal law.

Advertisements

Am Wahlsonntag ist Zeit für mehr Gerechtigkeit

An diesem Sonntag ist bei der Bundestagswahl „Zeit für mehr Gerechtigkeit“. Ich wähle SPD und unsere Abgeordnete für den Wahlkreis Nürnberg-Nord, Gabriela Heinrich. Am Freitag sprach Martin Schulz auf dem Jakobsplatz in Nürnberg. Hier ein paar Aufnahmen:

Martin Schulz vertritt klare Positionen konkret über die Vorhaben für eine SPD-Regierung – hier zitiert aus den zehn Punkten:

  • Arbeit: Wir wollen gute Löhne und keine willkürliche Befristung. Das Chancenkonto gibt allen ein Recht auf Weiterbildung.
  • Bildung: Wir erneuern unsere Schulen und wir schaffen ein Recht auf Ganztagsplätze an Grundschulen.
  • Familie: Mit dem Familiengeld haben berufstätige Eltern mehr Zeit für ihre Kinder. Die Kita-Gebühren schaffen wir ab.
  • Rente: Beiträge und Rentenniveau bleiben stabil. Mit uns gibt es kein höheres Renteneintrittsalter.
  • Lohngerechtigkeit: Wir sorgen für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern.
  • Investitionen: Wir investieren massiv in schnelles Internet, Mobilität und bezahlbare Wohnungen. So sichern wir Lebensqualität in der Stadt und auf dem Land.
  • Steuern: Wir schaffen den Soli ab und entlasten kleinere und mittlere Einkommen. Sehr Reiche und Vermögende leisten einen größeren Beitrag.
  • Gesundheit: Wir sorgen für gleiche Beiträge von Arbeitnehmern. Mit der Bürgerversicherung schaffen wir die Zweiklassenmedizin ab.
  • Europa: Wir machen Europa solidarischer und stärker. So sichern wir Frieden und Wohlstand
  • Sicherheit: Mit uns gibt es 15.000 zusätzliche Stellen bei der Polizei.

Martin Schulz beeindruckte mich mit seiner engagierten Rede und Argumenten zu Bildung, Pflege, Verkehr usw.,  den Fragen der Gerechtigkeit im Bund, Europa und global sowie deutlichen Antworten an Geschichtsvergessene.

Auf dem besonnten Jakobsplatz zwischen St. Jakob und St. Elisabeth sprachen zuvor der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly, die Nürnberger Abgeordneten Gabriela Heinrich und Martin Burkert sowie mittelfränkische Abgeordnete mit Florian Pronold und Natascha Kohnen für die Bayerische SPD.

Gabriela Heinrich bloggt auch hier auf WordPress mit Beiträgen über ihre Tätigkeit im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundetages, in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, für die Menschenrechte, globale Nachhaltigkeitsziele und ihre Aktionen und Begegnungen in Nürnberg.

Wahlberechtigte genießen das Wahlrecht. Schönen Sonntag!

 

Ausstellung / Exhibition: Albert Speer

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zeigt die Sonderausstellung „Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit“. Readers in English language please check here.

Albert Speer (1905 – 1981) machte im Nationalsozialismus eine steile Karriere als Architekt, wurde 1934 mit der Planung des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg beauftragt und 1937 von Hitler zum Generalbauinspektor für die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin und anderer deutscher Städte ernannt. 1942 folgte die Ernennung zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition, wobei Speer für die Umstellung der Rüstungsindustrie auf die totale Kriegswirtschaft verantwortlich war. Im November 1945 wurde Speer beim Hauptkriegsverbrecherprozess des Internationalen Militärgerichtshof angeklagt und am 1. Oktober wegen Kriegsverbrechen und Verbechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er bis 1966 im Alliierten Militärgefängnis Spandau in Berlin verbüßte.

Mit Unterstützung des Verlegers Wolf Jobst Siedler und des Publizisten Joachim C. Fest konnte Albert Speer seine Erinnerungen (1969) und die Spandauer Tagebücher (1975) veröffentlichen. Ausgehend von einer geschickten Verteidigungsstrategie beim Nürnberger Prozess konnte er sich mit diesen Büchern und Interwiews als unpolitischen Architekten, verführten Experten und sogar als Widerständler darstellen, sodass er sich einen legendären Mythos als „der gute Nazi“ erwarb. So trugen Speer und seine Unterstützer in der Bundesrepublik dazu bei, die alleinige Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen Hitler zuzusprechen, die unzähligen Verantwortlichen, Täter, Helfer und Beteiligten sowie sich selbst von Verantwortung und Schuld zu entlasten.

Weiter im Text geht es nach der Fotogalerie – Aufnahmen zum Vergrößern bitte anklicken.

Die Ausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände wurde in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin entwickelt und von Ausstellungsarchitekten Rainer Lendler und weiteren Mitwirkenden gestaltet.

Das Buchstabenrondell S P E E R zeigt Fotoaufnahmen der verschiedenen biografischen Phasen und projiziert Interview-Zitate:

„Die Ausübung von Macht an sich ist für mich einer der großen Anziehungspunkte in dieser zweiten Periode meiner Tätigkeit für Hitler gewesen.“  …

„Wenn er es auch nie direkt ausgesprochen hat nach 1942, was mit den Juden geschieht, so waren doch die Hinweise darauf deutlich genug, dass man hätte verstehen können wenn man hätte verstehen wollen, oder, dass ich hätte verstehen müssen, wenn ich hätte wollen.“ …

„Wenn ich nichts wusste, dann habe ich dafür gesorgt, dass ich nichts wusste. Wenn ich nichts gesehen habe, dann, weil ich nicht sehen wollte.“

Ein großer Büchertisch zeigt mit Bildern und Texten auf, wie sich Speer im Nationalsozialismus positionierte und vermarktete, im Nürnberger Prozess auch auf Kosten anderer verteidigte, in der Haftzeit an seiner Legende strickte und anschließend als geläuterter Büßer erfolgreich auftrat.

Beeindruckend und aufklärend schließen sich Thementische an, die mehrere Historikerinnen und Historiker vorstellen, die in akribischer Quellenarbeit mit Speers Legendenbildung aufräumen und seinen Mythos entzaubern. Anhand ihrer Studien und zentraler Dokumente begründen sie in Video-Aussagen ein ganz anderes Verständnis von Speers Rolle im Nationalsozialismus und seiner Rechtfertigung:

  •  „Wie wird Speer in der Bundesrepublik wahrgenommen?“ Die Politikwissenschaftlerin Isabell Trommer untersuchte anhand von Presseberichten und Buchbesprechungen Speers öffentliche Wahrnehmung und die folgenden Rechtfertigungsdiskurse. So galt er als Zeitzeuge, Verführter, Technokrat, Leistungsträger, Widerständler, Unwissender und Büßer.
  •  „Ist Speer ein unpolitischer Architekt?“ Architektur-Professor Jörn Düwel dokumentiert Speers Ausstellung „Neue Deutsche Baukunst“, die während der Kriegsjahre durch ganz Europa tourte und für die nationalsozialistische Architektur werben sollte, darunter das Reichsparteitagsgelände mit dem Deutschen Stadion. Für das geplante „größte Stadion der Welt“ finanzierte Speer den SS-eigenen Wirtschaftsbetrieb „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“, der Steinbrüche betrieb, in denen Tausende von Häftlingen der Konzentrationslager Flossenbürg, Mauthausen, Natzweiler und Groß-Rosen ums Leben kamen.
  •  „Was hat Speer mit den Konzentrationslagern zu tun?“ Historiker Bertrand Perz untersuchte deren Geschichte, die Besuche Speers und dokumentiert den von Speer 1942 genehmigten Ausbauplan: „Vorhaben Kriegsgefangenenlager Auschwitz (Durchführung der Sonderbehandlung)“.
  •  „Welche Rolle spielt Speer beim Einsatz von Zwangsarbeitern?“ Das Rüstungsministerium betrieb mit dem KZ-Zwangsarbeitereinsatz Produktionsstätten für Rüstungsgüter mit Zehntausenden von Opfern seit 1942. Exemplarisch zeigt Historiker Jens-Christian Wagner die unmenschlichen Arbeitsbedingungen im unterirdischen Stollensystem des KZ Mittelbau-Dora auf, wo rund 20.000 Häftlinge ums Leben kamen.
  •  „Beteiligt sich Speer an der Judenverfolgung?“ Mit den Planungen für die Reichshauptstadt Berlin drängt Speer als Generalbauinspektor auf die „Entmietung“ und Umsiedlung der Juden in Berlin. Die Historikerin Susanne Willems belegt dies in allen Einzelheiten anhand der Dokumente.
  •  „Wie wurden Fälschungen Speers aufgedeckt?“ Wie ein Mitarbeiter Speers in den sechziger Jahren die Chronik der Speer-Dienststellen fälschte, indem er belastende Passagen strich, konnte Historiker Matthias Schmidt bereits 1982 in seiner Studie nachweisen.
  • „Ist Speer ein Verbrecher?“  Am 6. Oktober 1943 sprach Heinrich Himmler in Posen vor Reichs- und Gauleitern zur „Judenfrage“ mit dem Entschluss, „dieses Volk von der Erde verschwinden zu lassen.“ Der amerikanische Historiker Erich Goldhagen konnte aufweisen, dass Himmler in der Rede Speer direkt angesprochen habe. Speer stritt seine Anwesenheit bei der Rede ab und organisierte „Belege“, die glaubhaft machen sollten, er sei bereits vor der Rede abgereist.
  •  Die treibende Kraft des Rüstungsministers beim Ausbau der Kriegswirtschaft einschließlich des KZ-Einsatzes bilanziert NS-Forscher Heinrich Schwendemann mit dem Verweis auf Speers Forderung nach „zähem Durchhalten“ aller Kräfte im März 1945.
  •  Regisseur und Autor Heinrich Breloer sammelte das Quellenmaterial als „Die Akte Speer“ und zeigte in seinem filmischen Doku-Drama „Speer und Er“ 2005 ein kritisches Bild über Speers Lügen, Legenden und Verbrechen.
  • „Warum funktionierte die Speer-Legende?“ In seiner aktuellen Biografie „Speer – eine deutsche Karriere“ (Berlin 2017) untersucht Historiker Magnus Brechtken, wie um Speers Memoiren mit publizistischer Unterstützung in der Bundesrepublik sowie in den USA die „Marke Speer“ etabliert wurde:

„Speer war also mit der Art und Weise, mit der er sich öffentlich positioniert hat vor allem nach 1966 und bis zu seinem Tode 1981 eine ideale Projektionsfläche für Millionen Deutsche, die gerne genau die gleiche Distanzierungsgeschichte zum Nationalsozialismus erzählen wollten wie Speer das tat. (…) Das ist im Grunde die Speer-Legende, und weil sie sich ideal mit den Bedürfnissen der deutschen Gesellschaft traf, war sie auf viele Jahrzehnte sehr erfolgreich.“

Alle Daten und Zitate aus:

Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit, Ausstellungskatalog des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände für die Museen der Stadt Nürnberg herausgegeben von Martina Christmeier und Alexander Schmidt, Schriftenreihe der Museen der Stadt Nürnberg, Band 13, herausgegeben von Ingrid Bierer, Mit Beiträgen von Magnus Brechtken, Martina Christmeier, Florian Dierl, Hanne Leßau und Alexander Schmidt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2017

English version: Albert Speer in the Federal Republic. Exhibition Catalogue, Documentation Centre Party Rally Grounds for Nuremberg Municipal Museums, Editors: Martina Christmeier and Alexander Schmidt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2017

 

Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit; 28. April bis 26. November 2017

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110, 90478 Nürnberg

Öffnungszeiten:  Montag bis Freitag 9 – 18 Uhr, Samstag und Sonntag 10 – 18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr.

 

 

Das Lied der Rohrflöte

Hermann Glaser, Herausgeber: In Franken wieder Heimat finden. Über das Schicksal von Glaubensflüchtlingen, Heimatvertriebenen, Gastarbeitern, Kriegsflüchtlingen und Asylsuchenden, Reihe Buchfranken, Sonderband, Schrenk-Verlag, Röttenbach 2017

Herausgeber Hermann Glaser versammelt in diesem Band eine lesenwerte Reihe von Texten von und über Migranten in Franken. Seiner Einleitung stellt er Goethes Worte voran: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“. Er betrachtet die „Menschenbilder“, Lithografien des Malers und Zeichners Johannes Heisig – Gesichter, Köpfe, Gestalten.

Die Auswahl der Stoffe geht zurück bis zum Pegnesischen Schäfergedicht von Georg Philipp Harsdörffer und Johannes Klaj von 1644, den Mitbegründern des „Pegnesischen Blumenordens“ gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges.

Michael Husarek schildert die gelungene Integration der französischen Hugenotten in Erlangen im 17. Jahrhundert und benennt Gelingensbedingungen für heutige Integration.

Als Nachfahre Salzburger Exulanten berührt mich die Darstellung von Christoph Lindenmeyer, wie deren Trecks nach und durch Franken zogen. Die Umstände der Ausweisung von 1731 lesen sich so erschütternd wie erfreulich die Beispiele der Willkommenskultur in Augsburg, Nürnberg und anderen Orten, auch durch die jüdischen Gemeinden. Zu deren Verfolgung und Vertreibung verweist  Herausgeber Glaser auf ein „anderes Buch“.

Bewegende persönliche Erinnerungen in Folge des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges geben Wolfgang Mück , „Vertrieben ins Ungewisse“, aus dem nordmährischen Hohenstadt nach Schauerheim und Neustadt an der Aisch, Andreas Holler: „Irgendwo ankommen“ und Bernd Ogan: „Mein Vater: Flüchtling aus Gleiwitz“.

Ein Kind aus Vietnam zu adoptieren und in die Familie zu integrieren, reflektiert Hermann Glaser eindrucksvoll: „Wie ein Kind entsteht. Geburtsurkunde: Ein Waisenhaus in Südvietnam.“

C. Peter Waegemann erinnert sich an das rote Erfurt und das braune Nürnberg, und wie er darüber mit Nachbarn in den USA sprach, darunter einem Geflüchteten, dessen Familie in den Konzentrationslagern ermordet worden war und der als US-Pilot Nürnberg bombardiert hat.

Über die „Gastarbeiter“ der 50er, 60er und 70er Jahre aus Italien, Spanien, Griechenland, Türkei und Marokko berichtet Steven M. Zahlaus mit einem Blick auf die Anwerbe-Abkommen und Entwicklungen des Ausländerrechts: „Dringend benötigt – schlecht behandelt“.

Doris Katheder und Max-Josef Schuster interviewen Somayeh Farzaneh, Künstlerin aus dem Iran bzw. Persien. Sie studierte an der Bauhaus-Universität in Weimar und an der Akademie in Nürnberg und konnte einige Kunst-Projekte realisieren oder konzipieren. Auf die Frage, woher kommst Du, aus Persien oder dem Iran, antwortet sie unter anderem mit Versen von Rumi: „… wir sind alle von oben und gehen dorthin zurück …“.

Das Lied der Rohrflöte

Hör auf die Flöte – wie sie erzählt,
wie sie klagt über Trennung und spricht:
Seit man mich aus dem Röhricht schnitt,
weinen Mann und Frau bei meiner Klage.

Ich suche die Herzen derer,
die von Einsamkeit gequält sind
– nur sie verstehen
den Schmerz meiner Sehnsucht.

Wer weit entfernt ist
von seiner Heimat,
der sehnt sich
nach dem Tag seiner Rückkehr …

Der Hauch der Flöte ist Feuer – nicht Wind!
Was nützt einem sein Leben
ohne dieses Feuer?
Das Feuer der Liebe
bringt dem Schilfrohr die Musik
und dem Wein seinen Geschmack.

Das Lied der Flöte
lindert den Schmerz
verlorener Liebe.
Ihre Melodie reißt
die Schleier von unserem Herzen.

Hat es je ein so bitteres Gift
oder einen so süßen Zucker gegeben,
wie das Lied der Flöte?

Hat man je einen Liebenden
wie sie gesehen?

Rumi, Übersetzung von Dieter Halbach, hier S. 142

Thomas Röbke schreibt von der Begleitung zweier Jugendlicher aus Pakistan und Afghanistan, und die beiden erzählen von ihrer Herkunft, dem Ankommen, Schwierigkeiten und ihren Hoffnungen.

Kurz und knapp definiert Nina Glaser schließlich die Begriffe Zuwanderer, Migranten, Kontingentflüchtlinge, Asylbewerber und Geduldete.

Die Reihe „Buchfranken“ des Schrenk-Verlages ist hier zu finden:

http://www.buchfranken.de/

Henry David Thoreau 200

„Henry David Thoreau wird als geistiger Vater Gandhis, Martin Luther Kings und der gegenwärtigen Friedensbewegung immer bedeutender. Ein  Pionier für Natur- und Umweltschutz, alternative Lebensformen, „Zivilen Ungehorsam“.

Henry D. Thoreau mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Hans-Dieter und Helmut Klumpjan, rowohlt monographie, Reinbek bei Hamburg 1986

Illustrationen aus dem Band und weitere Titel – bitte zur Vergrößerung anklicken:

Zum 200. Geburtstag Henry Davids Thoreaus am 12. Juli 2017.

Bei WordPress gibt es in mehreren Blogs Besprechungen und schöne Zitate zu finden und Links zu weiteren Medien.

Dazu eine aktuelle Ausstellung bei The Morgan Library & Museum in New York, die Thoreaus Tagebücher behandelt:

http://www.themorgan.org/exhibitions/thoreau

Hörfunksendung des Südwestdeutschen Rundfunks als Audio-Podcast:

Henry David Thoreau: Vordenker des zivilen Ungehorsams

06.07.2017 | 28 Min. | Quelle: SWR

„Bis heute wird Thoreau als Popstar der Ökologie-Bewegung gefeiert und als wiederentdeckter Held des globalisierten Widerstandes gegen den Staat. Ist das alles nur ein Mythos?“

In der Sendung kommen zu Wort unter anderen Frank Schäfer, Autor einer neuen Biografie, sowie der Herausgeber der Tagebücher:

Frank Schäfer, Henry David Thoreau – Waldgänger und Rebell. Eine Biographie, Suhrkamp Taschenuch 2017

Henry David Thoreau, Tagebuch I, Originaltitel: The Journal (Englisch), Übersetzung: Rainer G. Schmidt, Matthes & Seitz, Berlin 2016

Tagebuch II, Übersetzung: Rainer G. Schmidt, 2017

 

 

Beautiful Fountain – Schöner Brunnen

In the Old Town of Nuremberg one of my beloved sights is the Beautiful Fountain at the Main Market Place. The medieval Fountain had been restored for quite a while recently, and a sunny day gives the opportunity to take some fresh photographs of it. Among fourty sculptures, in the first line we find the representatives of the seven liberal arts and philosophy:

  •  Donatus: Grammar
  •  Cicero: Rhetoric
  •  Aristoteles: Dialectic
  •  Nikomachus: Arithmetic
  •  Euklid: Geometry
  •  Ptolemaeus: Astronomy
  •  Pythagoras: Music
  •  Socrates: Philosophy.

Please click at anyone for the picture gallery:

Along with the restoration, not only the static of the fountain was secured and the colours have been refreshed, but also the well was set in function again. In medieval times, the fountain had an important role in water supply. In a transferred sense, the water well symbolizes the well of wisdom as it was and still may be found through philosophy.

If you ever come to see Nuremberg, take a look at the Beautiful Fountain. Blog followers are kindly invited to share a philosophical guided tour and their reflections.

 

 

Deutschstunde – German Lesson

An der heutigen Deutschstunde will ich Euch teilhaben lassen. Readers in English language please see down below.
Herr A. J. sprach an, dass er gestern eine erneute Duldung für drei Monate bekommen hat. Derzeit hat er einen Deutschkurs, und wir wiederholten und ergänzten seinen Schreibblock:
„Sein Nachbar muss zurück nach Afghanistan
Die Polizei ist gekommen
Sie hat ihn abgeholt
Die Polizei hat seinen Nachbarn nach München gebracht
Es gab eine Bomben
explosion in Kabul
Viele Menschen wurden getötet oder verletzt
Es gab Viele Tote und Verletzte“
Wir wiederholten den Text, die Sätze und Wörter mit Aussprache. Herr A. J. erzählte weiter – hier in meiner Formulierung und Wiedergabe:
„Das Flugzeug ist nicht abgeflogen.
Die Abschiebung ist ausgesetzt.
Der Nachbar ist zurück gekommen.“

 

Fotos zum Vergrößern anklicken.

English version:
At todays German Lesson, Mister A. J. told that his temporary suspension of deportation (Duldung) was prolongued for three months. He attends a German class, and we repeated his lesson and notices:
„His neighbour has to go back to Afghanistan
Police came
and took him away
Police took his neighbour to Munich
There was a bomb
explosion in Kabul
Many people were killed or hurt
There were many deads and injured“
Repeating the text, sentence and words with pronunciation, Mister A. J. continues the story – here in my words:
„The plane did not start off
The deportation was cancelled
The neighbour came back“