Am Wahlsonntag ist Zeit für mehr Gerechtigkeit

An diesem Sonntag ist bei der Bundestagswahl „Zeit für mehr Gerechtigkeit“. Ich wähle SPD und unsere Abgeordnete für den Wahlkreis Nürnberg-Nord, Gabriela Heinrich. Am Freitag sprach Martin Schulz auf dem Jakobsplatz in Nürnberg. Hier ein paar Aufnahmen:

Martin Schulz vertritt klare Positionen konkret über die Vorhaben für eine SPD-Regierung – hier zitiert aus den zehn Punkten:

  • Arbeit: Wir wollen gute Löhne und keine willkürliche Befristung. Das Chancenkonto gibt allen ein Recht auf Weiterbildung.
  • Bildung: Wir erneuern unsere Schulen und wir schaffen ein Recht auf Ganztagsplätze an Grundschulen.
  • Familie: Mit dem Familiengeld haben berufstätige Eltern mehr Zeit für ihre Kinder. Die Kita-Gebühren schaffen wir ab.
  • Rente: Beiträge und Rentenniveau bleiben stabil. Mit uns gibt es kein höheres Renteneintrittsalter.
  • Lohngerechtigkeit: Wir sorgen für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern.
  • Investitionen: Wir investieren massiv in schnelles Internet, Mobilität und bezahlbare Wohnungen. So sichern wir Lebensqualität in der Stadt und auf dem Land.
  • Steuern: Wir schaffen den Soli ab und entlasten kleinere und mittlere Einkommen. Sehr Reiche und Vermögende leisten einen größeren Beitrag.
  • Gesundheit: Wir sorgen für gleiche Beiträge von Arbeitnehmern. Mit der Bürgerversicherung schaffen wir die Zweiklassenmedizin ab.
  • Europa: Wir machen Europa solidarischer und stärker. So sichern wir Frieden und Wohlstand
  • Sicherheit: Mit uns gibt es 15.000 zusätzliche Stellen bei der Polizei.

Martin Schulz beeindruckte mich mit seiner engagierten Rede und Argumenten zu Bildung, Pflege, Verkehr usw.,  den Fragen der Gerechtigkeit im Bund, Europa und global sowie deutlichen Antworten an Geschichtsvergessene.

Auf dem besonnten Jakobsplatz zwischen St. Jakob und St. Elisabeth sprachen zuvor der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly, die Nürnberger Abgeordneten Gabriela Heinrich und Martin Burkert sowie mittelfränkische Abgeordnete mit Florian Pronold und Natascha Kohnen für die Bayerische SPD.

Gabriela Heinrich bloggt auch hier auf WordPress mit Beiträgen über ihre Tätigkeit im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundetages, in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, für die Menschenrechte, globale Nachhaltigkeitsziele und ihre Aktionen und Begegnungen in Nürnberg.

Wahlberechtigte genießen das Wahlrecht. Schönen Sonntag!

 

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Beautiful Fountain – Schöner Brunnen

In the Old Town of Nuremberg one of my beloved sights is the Beautiful Fountain at the Main Market Place. The medieval Fountain had been restored for quite a while recently, and a sunny day gives the opportunity to take some fresh photographs of it. Among fourty sculptures, in the first line we find the representatives of the seven liberal arts and philosophy:

  •  Donatus: Grammar
  •  Cicero: Rhetoric
  •  Aristoteles: Dialectic
  •  Nikomachus: Arithmetic
  •  Euklid: Geometry
  •  Ptolemaeus: Astronomy
  •  Pythagoras: Music
  •  Socrates: Philosophy.

Please click at anyone for the picture gallery:

Along with the restoration, not only the static of the fountain was secured and the colours have been refreshed, but also the well was set in function again. In medieval times, the fountain had an important role in water supply. In a transferred sense, the water well symbolizes the well of wisdom as it was and still may be found through philosophy.

If you ever come to see Nuremberg, take a look at the Beautiful Fountain. Blog followers are kindly invited to share a philosophical guided tour and their reflections.

 

 

Deutschstunde – German Lesson

An der heutigen Deutschstunde will ich Euch teilhaben lassen. Readers in English language please see down below.
Herr A. J. sprach an, dass er gestern eine erneute Duldung für drei Monate bekommen hat. Derzeit hat er einen Deutschkurs, und wir wiederholten und ergänzten seinen Schreibblock:
„Sein Nachbar muss zurück nach Afghanistan
Die Polizei ist gekommen
Sie hat ihn abgeholt
Die Polizei hat seinen Nachbarn nach München gebracht
Es gab eine Bomben
explosion in Kabul
Viele Menschen wurden getötet oder verletzt
Es gab Viele Tote und Verletzte“
Wir wiederholten den Text, die Sätze und Wörter mit Aussprache. Herr A. J. erzählte weiter – hier in meiner Formulierung und Wiedergabe:
„Das Flugzeug ist nicht abgeflogen.
Die Abschiebung ist ausgesetzt.
Der Nachbar ist zurück gekommen.“

 

Fotos zum Vergrößern anklicken.

English version:
At todays German Lesson, Mister A. J. told that his temporary suspension of deportation (Duldung) was prolongued for three months. He attends a German class, and we repeated his lesson and notices:
„His neighbour has to go back to Afghanistan
Police came
and took him away
Police took his neighbour to Munich
There was a bomb
explosion in Kabul
Many people were killed or hurt
There were many deads and injured“
Repeating the text, sentence and words with pronunciation, Mister A. J. continues the story – here in my words:
„The plane did not start off
The deportation was cancelled
The neighbour came back“

Pulse of Europe

Am Sonntag gab es wieder die Möglichkeit, Pulse of Europe  (Version in English language available there) – kennen zu lernen, die Bürgerinitiative für Europa. Sie ist in vielen Ländern und Städten tätig und versammelt dabei zahlreiche Bürger*innen, die sich für die europäische Idee sowie für friedliche und zivile Zusammenarbeit engagieren:

Unser Ziel und Beitrag

Wir sind überzeugt, dass die Mehrzahl der Menschen an die Grundidee der Europäischen Union und ihre Reformierbarkeit und Weiterentwicklung glaubt und sie nicht nationalistischen Tendenzen opfern möchte. Es geht um nichts Geringeres als die Bewahrung eines Bündnisses zur Sicherung des Friedens und zur Gewährleistung von individueller Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit.

Die Fotos der Galerie durch Anklicken vergrößern.

In Nürnberg trafen sich ein paar Hundert Teilnehmer*innen an der Lorenzkirche. Zunächst schwiegen wir eine Minute zur Anteilnahme für die Opfer des Terrroranschlags in London. Nachher sprach dazu ein britischer Redner. Die Pfarrerin von St. Lorenz erläuterte an diesem Pfingstsonntag, wie der Geist sprachliche Grenzen überwindet zu einer Verständigung – gerade auch im ökumenischen Sinne.

Die Initiatoren trugen den Offenen Brief der Initiative an Europäische Politiker vor, nachzulesen auf der Internet-Seite. Engagierte trugen zehn Thesen zu Europa vor, andere meldeten und kommentierten Nachrichten aus der europäischen Politik der letzten vier Wochen.

Mehrere Sprecher*innen kritisierten die Polizei-Aktion zur Abschiebung eines afghanischen Schülers aus seiner Schulklasse im Nürnberger Berufsschulzentrum vor einigen Tagen mit klarer Unterstützung der Versammlung.

Eine Sängerin gab den Ton an zu Carols Kings „You’ve got a friend“. Die Teilnehmer*innen bildeten ein Ypsilon als Buchstaben zu der europäischen Foto- und Filmaktion „We say hello – don’t say goodbye“ zum Beatles-Song „Hello, Goodbye“ in bezug auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union und die entsprechenden Verhandlungen.

Schließlich sangen wir die Ode an die Freude von Ludwig van Beethoven mit drei Versen von Friedrich Schiller – die Europa-Hymne. Eine Menschen-Kette zu den Tönen des Pulsschlages oder Herzschlages rundete die Versammlung ab.

Hier erinnere ich mich, wie wir Anfang der achtziger Jahre Woche für Woche freitags bei St. Lorenz einen „Schweigekreis für den Frieden“ bildeten. Der Protest richtete sich gegen die Nachrüstung mit den Mittelstreckenraketen. Die Friedensbewegung konnte nicht verhindern, dass sie aufgestellt wurden, hat wiederum mit ihrem Einsatz wesentlich dazu beigetragen, dass die betreffenden INF-Verhandlungen dazu führten, dass diese Waffen wieder abgezogen wurden. So lernte ich, dass Bürger-Engagement wirkt und mit entscheidet.

Den Initiator*innenen von Pulse of Europe, aktiven und engagierten Teilnehmer*innen wünsche ich international, europäisch, bundesrepublikanisch und lokal in Nürnberg entsprechende Bildungserlebnisse, weiterhin viel Zuspruch, Gehör, Resonanz und Erfolg auf diesem Weg.

 

http://pulseofeurope.eu/

 

„Das weiche Wasser bricht den Stein“

This song today.  Dieses Lied heute:

Bots, „Das weiche Wasser bricht den Stein“

LP: Entrüstung, 1981

"Europa hatte zweimal Krieg
der dritte wird der letzte sein
gib bloß nicht auf, gib nicht klein bei
das weiche Wasser bricht den Stein.

Die Bombe die kein Leben schont
 Maschinen nur und Stahlbeton,
hat uns zu einem Lied vereint
das weiche Wasser bricht den Stein.

Es reißt die schwersten Mauern ein
und sind wir schwach und sind wir klein
wir wollen wie das Wasser sein
das weiche Wasser bricht den Stein.

Raketen stehn vor unsrer Tür
die solln zu unserm Schutz hier sein
auf solchen Schutz verzichten wir
das weiche Wasser bricht den Stein.

Die Rüstung sitzt am Tisch der Welt
und Kinder die vor Hunger schrein
für Waffen fließt das große Geld
doch weiches Wasser bricht den Stein.

Komm feiern wir ein Friedensfest
und zeigen wie sich's leben läßt
 Mensch! Menschen können Menschen sein
das weiche Wasser bricht den Stein.“

Dieses Lied der bots begleitete uns in der Friedensbewegung der achtziger Jahre, und in letzter Zeit kommt es mir immer wieder in den Sinn, sodass ich es heute gerne hier in Erinnerung rufe. Im Internet finden sich verschiedene Audio- und Video-Fassungen, hier vom Liedercircus im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 1982:

—-

Die Autorenschaft des Liedtextes: Bots / Hildebrandt / Lerryn / Wallraff / Hüsch.

Der Titel vom weichen Wasser greift den Text von Laotse aus dem Tao te king auf, hier in der Übertragung von Richard Wilhelm:

„Auf der ganzen Welt
gibt es nichts Weicheres und Schwächeres als das Wasser.
Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt,
kommt nichts ihm gleich.
Es kann durch nichts verändert werden.
Daß Schwaches das Starke besiegt
und Weiches das Harte besiegt,
weiß jedermann auf Erden,
aber niemand vermag danach zu handeln.

Also auch hat ein Berufener gesagt:
»Wer den Schmutz des Reiches auf sich nimmt,
der ist der Herr bei Erdopfern.
Wer das Unglück des Reiches auf sich nimmt,
der ist der König der Welt.«
Wahre Worte sind wie umgekehrt.“

– – –

 

Bertolt Brecht hat uns diesen Text auf seine Weise anverwandelt:

„Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration

Als er siebzig war und war gebrechlich
drängte es den Lehrer doch nach Ruh
denn die Güte war im Lande wieder einmal schwächlich
und die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu
und er gürtete den Schuh.
2
Und er packte ein, was er so brauchte:
Wenig. Doch es wurde dies und das.
So die Pfeife, die er abends immer rauchte
und das Büchlein, das er immer las.
Weißbrot nach dem Augenmaß.
3
Freute sich des Tals noch einmal und vergaß es
Als er ins Gebirg den Weg einschlug.
Und sein Ochse freute sich des frischen Grases
kauend, während er den Alten trug.
Denn dem ging es schnell genug.
4
Doch am vierten Tag im Felsgesteine
hat ein Zöllner ihm den Weg verwehrt:
„Kostbarkeiten zu verzollen?“ – „Keine.“
Und der Knabe, der den Ochsen führte, sprach: „Er hat gelehrt.“
Und so war auch das erklärt.
5
Doch der Mann in einer heitren Regung
fragte noch: „Hat er was rausgekriegt?“
Sprach der Knabe: „Daß das weiche Wasser in Bewegung
Mit der Zeit den harten Stein besiegt.
Du verstehst, das Harte unterliegt.
6
Daß er nicht das letzte Tageslicht verlöre
Trieb der Knabe nun den Ochsen an.
Und die drei verschwanden schon um eine schwarze Föhre
Da kam plötzlich Fahrt in unsern Mann
Und er schrie: „He du! Halt an!
7
Was ist das mit diesem Wasser, Alter?“
Hielt der Alte: „Intressiert es dich?“
Sprach der Mann: „Ich bin nur Zollverwalter
Doch wer wen besiegt, das intressiert auch mich.
Wenn du’s weißt, dann sprich!
8
Schreib mir’s auf! Diktier es diesem Kinde!
So was nimmt man doch nicht mit sich fort.
Da gibt’s doch Papier bei uns und Tinte
und ein Nachtmahl gibt es auch: ich wohne dort.
Nun, ist das ein Wort?“
9
Über seine Schulter sah der Alte
Auf den Mann: Flickjoppe, keine Schuh.
Und die Stirne eine einzige Falte.
Ach, kein Sieger trat da auf ihn zu.
Und er murmelte: „Auch Du?“
10
Eine höfliche Bitte abzuschlagen
War der Alte, wie es schien, zu alt.
Denn er sagte laut: „Die etwas fragen,
Die verdienen Antwort.“ Sprach der Knabe: „Es wird auch schon kalt.“
„Gut, ein kleiner Aufenthalt.“
11
Und von seinem Ochsen stieg der Weise
Sieben Tage schrieben sie zu zweit.
Und der Zöllner brachte Essen (und er fluchte nur noch leise
Mit den Schmugglern in der ganzen Zeit.)
Und dann war’s soweit.
12
Und dem Zöllner händigte der Knabe
Eines Morgens einundachtzig Sprüche ein.
Und mit Dank für eine kleine Reisegabe
Bogen sie um jene Föhre ins Gestein.
Sagt jetzt: kann man höflicher sein?
13
Aber rühmen wir nicht nur den Weisen
Dessen Name auf dem Buche prangt!
Denn man muß dem Weisen seine Weisheit erst entreißen.
Darum sei der Zöllner auch bedankt:
Er hat sie ihm abverlangt.“
– – –
Das weiche Wasser mag ich, und wie das Lied und die Gedichte sagen, bricht es den Stein.
Beitragsbild: Schöner Brunnen, Nürnberg

Die bots sind hier zu finden:  http://www.bots-muziek.nl/

 

„Was ist härter als Stein, was weicher als Wasser? Trotzdem hölt das weiche Wasser den harten Stein. „

Ovid, Ars amatoria / Liebeskunst, Lateinisch / Deutsch, Reclam. Übersetzt und herausgegeben von Michael Albrecht, Reclam Stuttgart 1992, S. 37

Dank an die Erinnerung von: https://lehmofen.wordpress.com/2017/11/02/ovid/

 

 

 

„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ von Axel Hacke

English summary please view here:  http://www.kunstmann.de/title-80-80/the_days_i_spent_with_god-1230/englisch/

Auf Reisen, mit dem eigenen Spiegelbild in der Fensterscheibe eines Eisenbahnwaggons, beginnt Axel Hacke seine Geschichte. Wie der Zug ihn wundersamerweise in seine Wohnstraße bringt und er zuhause Frau und Kindern davon erzählen kann: „Aber ich habe es nicht erfunden, es ist wirklich geschehen!“

Die Familie belächelt ihn ebenso, wenn er von seinem kleinen Büro-Elefanten spricht, der ihm am Schreibtisch erscheint und ihn auf seinen Spaziergängen begleitet. Beispielsweise zum Friedhof, wo er auf der Parkbank eine eigenartige Begegnung mit einem älteren Herrn hat, der in vor einem Unglück – dem Absturz einer Weltkugel – bewahrt. An den folgenden Tagen treffen sie sich zunächst zufällig, und es gibt einen phantastischen Regenschauer. Dann besucht der Ältere den Jüngeren im Büro, oder sie treffen sich im Café oder zu einem Ausflug.

Dabei spielen die stillstehende Wanduhr des verstorbenen Vaters, ein plötzlich springender steinerner Löwe und rauchende Tiere eine gewisse Rolle. Der Ich-Erzähler wundert sich über den Zauberer, der sich auf Nachfrage als Erschaffer der Welt, als Gott herausstellt, der mal vorbeischauen will, was aus seinem Geschaffenen geworden ist, zumal seine Schöpfung sich seit langer Zeit als unvollkommen erwiesen hat – mit all den täglichen Unzulänglichkeiten und Katastrophen. Frühere Schöpfungen kommen zur Sprache wie die Welt der dreiundzwanzig Sekretärinnen oder die „Ein-Mann-an-einem-Schreibtisch-Welt“. Der Weltenschaffer gesteht zu: „Es gibt keine Therapien für Männer in Schubladen.“

So sieht man sich wieder am Altglascontainer, beim Entsorgen von Champagnerflaschen, und kommt ins Gespräch über das Böse, die Idee und Folgen des Urknalls sowie das Spiel. Axel Hacke lässt seinen Ich-Erzähler einem gealterten Gott begegnen, der als junger die Urknallschöpfung ins Werk setzte und mit den Folgen ebenso wenig glücklich ist wie mit seiner eigenen Umgebung: „Er habe es nicht mehr ausgehalten draußen, er sei quasi hierher geflüchtet … Er sei ein Universumsflüchtling. Das Alleinsein. Die Ewigkeit. Die Weite. Dieses haltlose Herumschweben. …“

„Gott war echt fertig.“ Trostbedürftig ist der Gott, der Erzähler vermittelt Trost und erfährt dabei die Erfindung der Evolution anhand der Schönheit der Schmetterlinge – und der Fortpflanzung der Wespe als Sinnbild des Bösen.

Schon zu diesem Zeitpunkt der Lektüre finden wir uns hineingezogen in eine köstliche und fesselnde Betrachtung des menschlichen, natürlichen und göttlichen Seins.

Im ausrangierten Straßenbahn-Depot wartet die nächste Überraschung: Das Prinzip des großen Egal, das den Erzähler erstaunt und erschüttert. Ein gewalttätiger Angriff lässt das große Eeeeegaaaaal natürlich völlig gleichgültig; eine Kitzelaktion kommt da schon besser.

Der weitere Verlauf der Geschichte sei an dieser Stelle nicht verraten. Eine meiner ersten Assoziationen ist Ludwig Thomas „Der Münchner im Himmel“. Im Zuge der Apotheose des Erzählers fragt er: „Können eigentlich Vegetarier Wurschtigkeit empfinden?“ Wie dem auch sei, schließlich löst sich auch die Vatergeschichte – die Mutter kommt nicht vor -, Gott dirigiert eine neue Welt, und der Erzähler geht lächelnd an die Arbeit.

Kurzum, ein ebenso leichtes und witziges wie hintergründiges Leseerlebnis für einen dieser Herbsttage, das Lust macht auf Weiterlesen, Vorlesen, Reden, Schreiben oder Philosophieren.

Verlagsangaben:

Axel Hacke / Michael Sowa, Die Tage, die ich mit Gott verbrachte, 104 Seiten, erschienen im September 2016, Illustrationen von Michael Sowa, Verlag Antje Kunstmann

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/die_tage_die_ich_mit_gott_verbrachte-1230/

Bei den Perlentauchern ist heute noch keine Besprechung; auf WordPress gibt es zwei Blogger zum Buch:

https://julesbarrois.wordpress.com/2016/09/18/rezension-die-tage-die-ich-mit-gott-verbrachte-axel-hacke-antje-kunstmann-verlag/

https://festerben.wordpress.com/2016/09/28/die-tage-die-ich-mit-gott-verbrachte-axel-hacke/

 

 

Bildung begleiten

Viele Freiwillige engagieren sich für Schülerinnen und Schüler. Ihre Initiativen trafen sich bei einem Fachtag am 25. November zu Information und Austausch. Das „Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V. “ und „ROCK YOUR LIFE! Metropolregion Nürnberg e. V.“ hatten dazu in den Eppelein-Saal der Jugendherberge auf der Nürnberger Burg eingeladen.

Claudia Leitzmann vom Landesnetzwerk, Jan Boskamp von ROCK YOUR LIFE! sowie Julia Schermann vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend begrüßten die etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Über die Möglichkeiten und Grenzen von Patenmodellen sprach Mitra Sharifi-Neystanak von der Universität Bamberg. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher würdigte sie mit Anerkennung für die vielfältigen und nachhaltigen Begegnungen bei der Persönlichkeitsbildung, der Sprach- und Leseförderung, Hausaufgabenbetreuung und Übergangsbegleitung für Kinder und Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund. Als Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Ausländer-, Migrations- und Integrationsbeiräte Bayerns“ (AGABY) kritisierte sie die anhaltende Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im Schulsystem.

In einer Gesprächsrunde stellten Vertreterinnen und Vertreter von „Balu und Du“, „Mentor Lesespaß Coburg“, „ROCK YOUR LIFE!“ und „wings to school“ ihre Initiativen vor, erläuterten ihr Vorgehen und die Herausforderungen bei der Organisation, Finanzierung sowie der Kooperation mit den Schulen.

Für weiteren Input und Austausch sorgten zwei Runden von sechs Workshops über Fundraising, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Gewinnung von Freiwilligen, Anerkennungskultur für Ehrenamtliche, Mentoring-Qualifizierung sowie Wirksamkeitsmessung und Evaluation.

In der bundesweiten Initiative „ROCK YOUR LIFE!“ engagieren sich Studierende als Mentorinnen und Mentoren für Schülerinnen und Schüler mit beträchtlichem Einsatz. Sie bezeichnen sich als „Bewegung für mehr Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Im Workshop Mentoring-Qualifizierung präsentierte Madlen Petzsche das Trainings-Konzept von „ROCK YOUR LIFE!“

Besonders gut gefallen mir die Fragen, mit denen sich die Studierenden, Schülerinnen und Schüler in ihren Trainings und Gesprächen auseinandersetzen:

• „Was würden deine Freunde sagen, sind deine größten Talente?“
• „Was würdest du machen, wenn es sicher nicht schief gehen würde?“
• „Was fällt dir so leicht, dass du es großzügig geben kannst, immer und immer wieder?“
• „Was würdest du machen, wenn Geld keine Rolle spielen würde?“
• „Warum bist du hier?“
• „Wofür willst du bekannt sein?“
• „Wofür danken dir die Menschen oft?“

Unterstützt wurde der Fachtag von der „Aktion zusammen wachsen – Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern. Sie wurde 2008 von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ins Leben gerufen und wird gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend getragen.

Auf der Internet-Seite der „Aktion zusammen wachsen“ finden sich umfangreiche Informationsmaterialien sowie die bundesweite Projekt-Datenbank. Hier können sich interessierte Initiativen und Organisationen eintragen lassen.

Wer sich freiwillig engagieren möchte als Lesefreundin, Hausaufgabenbetreuer oder Ausbildungsbegleitung findet hier eine passende und gute Adresse in der jeweiligen Nähe.

Zum Abschluss verabredeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachtags den weiteren Austausch, Vernetzung und Fortbildungen sowie gemeinsame Interessenvertretung.

Danke für aufgefrischte ältere Kontakte, erfrischende neue Begegnungen, aktuelle Informationen und weiterführende Perspektiven.

Hier finden Sie:

  • Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e. V.

http://www.lbe.bayern.de/index.php

  • ROCK YOUR LIFE! MENTORING

https://www.rockyourlife.de/

  • Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns

http://www.agaby.de/

  • Aktion zusammen wachsen

http://www.aktion-zusammen-wachsen.de/startseite.html