„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ von Axel Hacke

English summary please view here:  http://www.kunstmann.de/title-80-80/the_days_i_spent_with_god-1230/englisch/

Auf Reisen, mit dem eigenen Spiegelbild in der Fensterscheibe eines Eisenbahnwaggons, beginnt Axel Hacke seine Geschichte. Wie der Zug ihn wundersamerweise in seine Wohnstraße bringt und er zuhause Frau und Kindern davon erzählen kann: „Aber ich habe es nicht erfunden, es ist wirklich geschehen!“

Die Familie belächelt ihn ebenso, wenn er von seinem kleinen Büro-Elefanten spricht, der ihm am Schreibtisch erscheint und ihn auf seinen Spaziergängen begleitet. Beispielsweise zum Friedhof, wo er auf der Parkbank eine eigenartige Begegnung mit einem älteren Herrn hat, der in vor einem Unglück – dem Absturz einer Weltkugel – bewahrt. An den folgenden Tagen treffen sie sich zunächst zufällig, und es gibt einen phantastischen Regenschauer. Dann besucht der Ältere den Jüngeren im Büro, oder sie treffen sich im Café oder zu einem Ausflug.

Dabei spielen die stillstehende Wanduhr des verstorbenen Vaters, ein plötzlich springender steinerner Löwe und rauchende Tiere eine gewisse Rolle. Der Ich-Erzähler wundert sich über den Zauberer, der sich auf Nachfrage als Erschaffer der Welt, als Gott herausstellt, der mal vorbeischauen will, was aus seinem Geschaffenen geworden ist, zumal seine Schöpfung sich seit langer Zeit als unvollkommen erwiesen hat – mit all den täglichen Unzulänglichkeiten und Katastrophen. Frühere Schöpfungen kommen zur Sprache wie die Welt der dreiundzwanzig Sekretärinnen oder die „Ein-Mann-an-einem-Schreibtisch-Welt“. Der Weltenschaffer gesteht zu: „Es gibt keine Therapien für Männer in Schubladen.“

So sieht man sich wieder am Altglascontainer, beim Entsorgen von Champagnerflaschen, und kommt ins Gespräch über das Böse, die Idee und Folgen des Urknalls sowie das Spiel. Axel Hacke lässt seinen Ich-Erzähler einem gealterten Gott begegnen, der als junger die Urknallschöpfung ins Werk setzte und mit den Folgen ebenso wenig glücklich ist wie mit seiner eigenen Umgebung: „Er habe es nicht mehr ausgehalten draußen, er sei quasi hierher geflüchtet … Er sei ein Universumsflüchtling. Das Alleinsein. Die Ewigkeit. Die Weite. Dieses haltlose Herumschweben. …“

„Gott war echt fertig.“ Trostbedürftig ist der Gott, der Erzähler vermittelt Trost und erfährt dabei die Erfindung der Evolution anhand der Schönheit der Schmetterlinge – und der Fortpflanzung der Wespe als Sinnbild des Bösen.

Schon zu diesem Zeitpunkt der Lektüre finden wir uns hineingezogen in eine köstliche und fesselnde Betrachtung des menschlichen, natürlichen und göttlichen Seins.

Im ausrangierten Straßenbahn-Depot wartet die nächste Überraschung: Das Prinzip des großen Egal, das den Erzähler erstaunt und erschüttert. Ein gewalttätiger Angriff lässt das große Eeeeegaaaaal natürlich völlig gleichgültig; eine Kitzelaktion kommt da schon besser.

Der weitere Verlauf der Geschichte sei an dieser Stelle nicht verraten. Eine meiner ersten Assoziationen ist Ludwig Thomas „Der Münchner im Himmel“. Im Zuge der Apotheose des Erzählers fragt er: „Können eigentlich Vegetarier Wurschtigkeit empfinden?“ Wie dem auch sei, schließlich löst sich auch die Vatergeschichte – die Mutter kommt nicht vor -, Gott dirigiert eine neue Welt, und der Erzähler geht lächelnd an die Arbeit.

Kurzum, ein ebenso leichtes und witziges wie hintergründiges Leseerlebnis für einen dieser Herbsttage, das Lust macht auf Weiterlesen, Vorlesen, Reden, Schreiben oder Philosophieren.

Verlagsangaben:

Axel Hacke / Michael Sowa, Die Tage, die ich mit Gott verbrachte, 104 Seiten, erschienen im September 2016, Illustrationen von Michael Sowa, Verlag Antje Kunstmann

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/die_tage_die_ich_mit_gott_verbrachte-1230/

Bei den Perlentauchern ist heute noch keine Besprechung; auf WordPress gibt es zwei Blogger zum Buch:

https://julesbarrois.wordpress.com/2016/09/18/rezension-die-tage-die-ich-mit-gott-verbrachte-axel-hacke-antje-kunstmann-verlag/

https://festerben.wordpress.com/2016/09/28/die-tage-die-ich-mit-gott-verbrachte-axel-hacke/

 

 

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Veröffentlicht von

arnoldnuremberg

Bernd Arnold in Nürnberg

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