Engagement in der Flüchtlingshilfe

Folgender Fachbeitrag vertieft unser Thema:

Misun Han-Broich,

Engagement in der Flüchtlingshilfe – eine erfolgversprechende Integrationshilfe,

in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 65. Jahrgang, 14-15/2015, 30. März 2015, S. 43 – 49

Die Autorin, Beraterin, Coach und Dozentin, war als Sozialarbeiterin langjährig praktisch tätig in der Flüchtlingsbetreuung der Stadt Münster. Anhand von „Interviews mit Ehrenamtlichen, Flüchtlingen und deren Familien, hauptamtlich tätigen Sozialarbeitenden und Vertreterinnen und Vertretern von Flüchtlingsorganisationen und Ämtern“ erstellte sie ihre erziehungswissenschaftliche Dissertation:

Misun Han-Broich, Ehrenamt und Integration. Die Bedeutung sozialen Engagements in der (Flüchtlings-) Sozialarbeit, Wiesbaden 2012.

Der oben genannte Artikel fasst ihre Ergebnisse zusammen.

„Aufgrund der Ergebnisse einer im Rahmen meiner Dissertation vorgenommenen empirischen Studie über Ehrenamtlichkeit in der Flüchtlingssozialarbeit vertrete ich eine ganzheitliche dreidimensionale Integrationstheorie, die neben einer kognitiv-kulturellen (Denken) und einer sozial-strukturellen (Handeln) auch eine seelisch-emotionale (Fühlen) Dimension umfasst. Ich definiere Integration als einen Zustand des inneren Gleichgewichts eines Migranten in diesen drei Dimensionen. Überraschenderweise zeigt die Studie, dass ehrenamtliche Tätigkeit für Flüchtlinge ihre größte Wirkung in der seelisch-emotionalen Integration entfaltet. …“ S. 44-45

(Ehrenamtliche) … „können durch die persönliche Art ihrer Kontakte eine einzigartige Beziehung zu Flüchtlingen aufbauen, indem sie gezielt auf Menschen zugehen, persönliche Berührungspunkte herstellen und mit den Flüchtlingen eine ganzheitliche Begegnung erleben. …“ S. 45

Mit Bezug auf Martin Bubers „Ich-Du-Verhältnis“ schreibt Misun Han-Broich:

“ … In der Ehrenamtsbeziehung findet eine Begegnung statt, in der sich Ich und Du als gleichberechtigte Subjekte begegnen und keiner dem anderen bewertend gegenübersteht. …“ S. 45

Die Autorin charakterisiert die Begegnungen zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingen funktional als „Ersatzbeziehung“, „Kompensationsbeziehung“, „Lernbeziehung“, soziale „Kapitalbeziehung“ sowie „Therapiebeziehung“, die in je verschiedener Weise der Integration förderlich sind (S. 45 – 47). Im Weiteren erkennt die Autorin eine „versöhnende Rolle des Engagements“ im Verhältnis von Flüchtlingen und Aufnahmegesellschaft (S. 47). Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bedürften einer besonderen Begleitung. Für die Praxis des Engagements empfiehlt Misun Han-Broich Weiterbildungsangebote in interkultureller Bildung und Begleitung sowie die Ausgestaltung der Ehrenamtskultur (S. 48 und 49).

Die Ausgabe der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ kann bei der Bundeszentrale für Politische Bildung gebührenfrei bestellt werden:

http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/203556/engagement

Der Artikel ist auch als Volltext online abrufbar unter:

http://www.bpb.de/apuz/203551/engagement-in-der-fluechtlingshilfe?p=all

Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/de/
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Misun Han-Broich für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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Veröffentlicht von

arnoldnuremberg

Bernd Arnold in Nürnberg

2 Gedanken zu „Engagement in der Flüchtlingshilfe“

  1. Wir sollten die Möglichkeiten des Internets intensiv nutzen, um sowohl Flüchtlingen als auch Deutschen zu helfen.

    Insbesondere wäre es möglich, Menschen beim Lernen von Deutsch oder in anderen Fächern zu helfen, indem Internet-Meetings verwendet werden. Skype und ähnliche Provider ermöglichen, dass die Teilnehmer denselben Bildschirm sehen.

    Nötig dafür ist natürlich, dass jeder einen Computer mit Interentzugang und Headphone bekommt.

    Es wäre dann möglich, im Internet Arbeitsgruppen zu organisieren, die von fachkundigen Menschen betreut werden.

    Viele Menschen, die im Ruhestand leben sind bestimmt bereit, ihr umfangreiches Fachwissen und auch ihre Lebenserfahrung anderen zu vermitteln.

    Damit würde das Potential der bisherigen Helfer erweitert durch die, die nicht vor Ort aktiv helfen können, aber einen wichtigen Beitrag liefern wollen, um Menschen in Not zu helfen.

    Wenn die organisatorischen Problem gelöst sind, ließe sich dieses Modell global anwenden.

    Das eigentliche Problem wären dann die verschiedenen Sprachen.

    Dafür sollte eine Symbolschrift wie Bliss Symbolics verwendet werden oder eine stark vereinfachte Version von Englisch ( Basic English ).

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    1. Hallo Bernd Meier,
      danke für den Kommentar und die Hinweise auf die Möglichkeiten des Internets. Der Beitrag erinnert mich daran, dass ich vorhatte, etwas zu Schreiben über die Rolle der Smartphones, SIM-Karten und das Vorhaben, im Transit Camp einen WLan-Zugang einzurichten.
      Lernprogramme online finden sich in wachsender Zahl, angeboten von Verlagen, Rundfunkanstalten, Bibliotheken und Volkshochschulen, Universitäten und privaten Anbietern. Auch Unternehmen sowie die Agentur für Arbeit setzen Online-Trainings ein.
      Bei der Begleitung von Flüchtlingen sind auch verschiedene Übersetzungsprogramme im Internet hilfreich, die per Smartphone und PC erreichbar sind. Einfache Sätze und Informationen lassen sich damit meistens zufriedenstellend übertragen und vermitteln.
      Ich bin ein Befürworter von öffentlichen Internet-Cafés, die es vielfach in Bibliotheken oder Volkshochschulen bereits gibt. Sie ermöglichen einen Internet-Zugang auch für Menschen, die keine eigenen Geräte und Anschlüsse haben.
      Gerade hier in verschiedenen Blogs lese ich wiederholt von Menschen, die ihre Erfahrung und Kompetenz einbringen – Ruheständler und solche, die es einmal werden – und beispielsweise einen Computer-Raum in einer Gemeinschaftsunterkunft aufbauen und betreuen oder eine Internet-Seite gestalten und pflegen.
      Die Kommunikation ist global geworden. Manche Erscheinungen finde ich nicht so erfreulich und durchaus regulierungsbedürftig. Gleichwohl bieten sich nützliche und hilfreiche Möglichkeiten. Ich lerne täglich dazu …
      Gute Wünsche für Ihre Aktivitäten
      und beste Grüße
      Bernd Arnold

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