Bäume für die Menschenrechte

In Nürnberg gibt es eine Initiative „Bäume für die Menschenrechte“, die seit zehn Jahren im ganzen Stadtgebiet Ginkgo-Bäume pflanzt und die Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 anspricht.

Ein Spaziergang im Frühling auf dem Rechenberg zeigt drei der Bäume mit ihren zarten Blätterknospen. Drunten in der Stadt sind die Ginkgo-Straßenbäume bereits etwas weiter. Die folgende Foto-Galerie zum Vergrößern bitte anklicken.

Weiteres zur Idee und Geschichte der „Bäume für die Menschenrechte“ hier unter:

https://baeume-fuer-die-menschenrechte.nuernberg.de/aktuelles/

English summary:

In Nuremberg, there is an initiative „trees for the human rights“ which has been planting ginkgo trees for ten years in the whole city and appeals to the articles of the general declaration of the human rights of the United Nations of 1948.
A walk in the spring on the Rechenberg shows three of the trees with their tender buds. Down town the ginkgo street trees are already a little further. Please click the photo gallery for increasing or check out the link for the idea and history of the „trees for human rights“ in German language.

 

 

„Das weiche Wasser bricht den Stein“

This song today.  Dieses Lied heute:

Bots, „Das weiche Wasser bricht den Stein“

LP: Entrüstung, 1981

"Europa hatte zweimal Krieg
der dritte wird der letzte sein
gib bloß nicht auf, gib nicht klein bei
das weiche Wasser bricht den Stein.

Die Bombe die kein Leben schont
 Maschinen nur und Stahlbeton,
hat uns zu einem Lied vereint
das weiche Wasser bricht den Stein.

Es reißt die schwersten Mauern ein
und sind wir schwach und sind wir klein
wir wollen wie das Wasser sein
das weiche Wasser bricht den Stein.

Raketen stehn vor unsrer Tür
die solln zu unserm Schutz hier sein
auf solchen Schutz verzichten wir
das weiche Wasser bricht den Stein.

Die Rüstung sitzt am Tisch der Welt
und Kinder die vor Hunger schrein
für Waffen fließt das große Geld
doch weiches Wasser bricht den Stein.

Komm feiern wir ein Friedensfest
und zeigen wie sich's leben läßt
 Mensch! Menschen können Menschen sein
das weiche Wasser bricht den Stein.“

Dieses Lied der bots begleitete uns in der Friedensbewegung der achtziger Jahre, und in letzter Zeit kommt es mir immer wieder in den Sinn, sodass ich es heute gerne hier in Erinnerung rufe. Im Internet finden sich verschiedene Audio- und Video-Fassungen, hier vom Liedercircus im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 1982:

—-

Die Autorenschaft des Liedtextes: Bots / Hildebrandt / Lerryn / Wallraff / Hüsch.

Der Titel vom weichen Wasser greift den Text von Laotse aus dem Tao te king auf, hier in der Übertragung von Richard Wilhelm:

„Auf der ganzen Welt
gibt es nichts Weicheres und Schwächeres als das Wasser.
Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt,
kommt nichts ihm gleich.
Es kann durch nichts verändert werden.
Daß Schwaches das Starke besiegt
und Weiches das Harte besiegt,
weiß jedermann auf Erden,
aber niemand vermag danach zu handeln.

Also auch hat ein Berufener gesagt:
»Wer den Schmutz des Reiches auf sich nimmt,
der ist der Herr bei Erdopfern.
Wer das Unglück des Reiches auf sich nimmt,
der ist der König der Welt.«
Wahre Worte sind wie umgekehrt.“

– – –

 

Bertolt Brecht hat uns diesen Text auf seine Weise anverwandelt:

„Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration

Als er siebzig war und war gebrechlich
drängte es den Lehrer doch nach Ruh
denn die Güte war im Lande wieder einmal schwächlich
und die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu
und er gürtete den Schuh.
2
Und er packte ein, was er so brauchte:
Wenig. Doch es wurde dies und das.
So die Pfeife, die er abends immer rauchte
und das Büchlein, das er immer las.
Weißbrot nach dem Augenmaß.
3
Freute sich des Tals noch einmal und vergaß es
Als er ins Gebirg den Weg einschlug.
Und sein Ochse freute sich des frischen Grases
kauend, während er den Alten trug.
Denn dem ging es schnell genug.
4
Doch am vierten Tag im Felsgesteine
hat ein Zöllner ihm den Weg verwehrt:
„Kostbarkeiten zu verzollen?“ – „Keine.“
Und der Knabe, der den Ochsen führte, sprach: „Er hat gelehrt.“
Und so war auch das erklärt.
5
Doch der Mann in einer heitren Regung
fragte noch: „Hat er was rausgekriegt?“
Sprach der Knabe: „Daß das weiche Wasser in Bewegung
Mit der Zeit den harten Stein besiegt.
Du verstehst, das Harte unterliegt.
6
Daß er nicht das letzte Tageslicht verlöre
Trieb der Knabe nun den Ochsen an.
Und die drei verschwanden schon um eine schwarze Föhre
Da kam plötzlich Fahrt in unsern Mann
Und er schrie: „He du! Halt an!
7
Was ist das mit diesem Wasser, Alter?“
Hielt der Alte: „Intressiert es dich?“
Sprach der Mann: „Ich bin nur Zollverwalter
Doch wer wen besiegt, das intressiert auch mich.
Wenn du’s weißt, dann sprich!
8
Schreib mir’s auf! Diktier es diesem Kinde!
So was nimmt man doch nicht mit sich fort.
Da gibt’s doch Papier bei uns und Tinte
und ein Nachtmahl gibt es auch: ich wohne dort.
Nun, ist das ein Wort?“
9
Über seine Schulter sah der Alte
Auf den Mann: Flickjoppe, keine Schuh.
Und die Stirne eine einzige Falte.
Ach, kein Sieger trat da auf ihn zu.
Und er murmelte: „Auch Du?“
10
Eine höfliche Bitte abzuschlagen
War der Alte, wie es schien, zu alt.
Denn er sagte laut: „Die etwas fragen,
Die verdienen Antwort.“ Sprach der Knabe: „Es wird auch schon kalt.“
„Gut, ein kleiner Aufenthalt.“
11
Und von seinem Ochsen stieg der Weise
Sieben Tage schrieben sie zu zweit.
Und der Zöllner brachte Essen (und er fluchte nur noch leise
Mit den Schmugglern in der ganzen Zeit.)
Und dann war’s soweit.
12
Und dem Zöllner händigte der Knabe
Eines Morgens einundachtzig Sprüche ein.
Und mit Dank für eine kleine Reisegabe
Bogen sie um jene Föhre ins Gestein.
Sagt jetzt: kann man höflicher sein?
13
Aber rühmen wir nicht nur den Weisen
Dessen Name auf dem Buche prangt!
Denn man muß dem Weisen seine Weisheit erst entreißen.
Darum sei der Zöllner auch bedankt:
Er hat sie ihm abverlangt.“
– – –
Das weiche Wasser mag ich, und wie das Lied und die Gedichte sagen, bricht es den Stein.

 

Die bots sind hier zu finden:  http://www.bots-muziek.nl/

 

Vom Einzelnen und Ganzen: Friedrich Rückert

Ein paar freie Tage ermöglichen eine eindrucksvolle Lektüre, eintauchen in Leben und Werk des fränkischen Dichters und Orientalisten Friedrich Rückert anhand des Bandes, der anlässlich seines 150. Todestages 2016 erschien zur Ausstellung, die aktuell in Coburg zu sehen ist.

Viele einzelne Dokumente gibt es zu lesen und zu betrachten, die schließlich ein ganzes Leben ausmachen, welches staunen lässt. Wie sich der gebürtige Schweinfurter Friedrich Rückert bildet, nach Italien reist, sich verliebt und verheiratet mit Luise Wiethaus-Fischer, eine Familie mit zehn Kindern gründet, von denen zwei sehr früh sterben, wovon die „Kindertodtenlieder“ zeugen, wie er sich als Professor der orientalischen Philologie in Erlangen und Berlin betätigt und sich über 40 Sprachen aneignet, aus deren Literaturen er zahlreiche klassische Werke zu übersetzen vermag, die wechselseitig seine eigene Poesie befruchten: arabische Lieder, Sprüche und Texte, persische Dichtungen, indische Klassiker, Psalmen und das Leben Jesu ebenso wie griechische Dramen und vielerlei anderes. Wie er sich mit seiner Zeit auseinandersetzt in deutsch-nationalen, anti-napoleonischen Positionen, im Biedermeier, Vormärz, zur 1848er Revolution und der Industrialisierung – sich schließlich in seine „Gartenlaube“ in Neuses bei Coburg zurückzieht, wo er täglich schreibt und Tausende von Gedichten hinterlässt, die nach annähernd 150 Jahren in den Liedertagebüchern der Historisch-kritischen Ausgabe der Schweinfurter Edition publiziert wurden. Friedrich Rückert suchte eine ursprüngliche Weltpoesie – und fand sie, indem er seine eigene erschuf.

"... Doch was manch Lied entwickelt, wie
Sollt' ich's auf einmal auf nun wiegeln?
Das Buch ist vor euch offen hie,
Und wer hineinschaut, mag sich spiegeln.
Mög' euch die schmeichelnde Gewöhnung
Befremden auch mit fremder Tönung,
Daß ihr erkennt: Weltpoesie
Allein ist Weltversöhnung."

Friedrich Rückert, Shi-King. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, Altona 1833, Die Geister der Lieder. Vorspiel. S. 1 - 6, hier: S. 6
"Ein indischer Brahman, geboren auf der Flur,
Der nichts gelesen als den Weda der Natur;

Hat viel gesehn, gedacht, noch mehr geahnt gefühlt,
Und mit Betrachtungen die Leidenschaft gekühlt;

Spricht bald was ihm klar ward, bald um sich's klar zu machen,
Von ihn angeh'nden halb, halb nicht angeh'nden Sachen.

Er hat die Eigenheit nur Einzelnes zu sehn,
Doch alles einzelne als Ganzes zu verstehn.

Woran er immer nur sieht schimmern einen Glanz,
Wird ein Betkügelchen an seinem Rosenkranz."

Weisheit des Brahmanen, hier S. 178

 

"Der Arbeit Theilung bringt auf Erden immer weiter
Die Arbeit selber wohl, nicht aber den Arbeiter.

Vielmehr, jemehr getheilt die Arbeit, wird getheilt
Durch sie der ganze Mensch, ein Riß, der niemehr heilt.

Wann wird zu ganzem Werk getheilte Arbeit wieder?
Wenn alle Menschen einst sich fühlen Menschheitsglieder;

Wann ineinandergreift, was von uns jeder treibt,
So daß nicht Einzles mehr, und nur das Ganze bleibt."

S. 280

 

Der Band rekonstruiert Leben und Schaffen von Friedrich Rückert in seinen Lebensabschnitten: Aufwachsen, Sich finden, Erfolg haben!, Scheitern?, Weise werden sowie das Nachwirken in Werkausgaben, Vertonungen und Nachklängen.

Auf weitere Lesetage mit den Übersetzungen und Liedertagebüchern von Friedrich Rückert freue ich mich.

 

Zitate und Abbildungen aus:

Der Weltpoet. Friedrich Rückert 1788-1866. Dichter, Orientalist, Zeitkritiker,
Herausgeber: Rudolf Kreutner, Wallstein Verlag, Göttingen 2016

http://www.wallstein-verlag.de/9783835317833-der-weltpoet-friedrich-rueckert-1788-1866.html

Publikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Kunsthalle Schweinfurt 8. April bis 10. Juli 2016, im Stadtmuseum Erlangen 24. Juli bis 13. November 2016 und im Kunstverein Coburg 14. Januar bis 17. April 2017.

Zur laufenden Ausstellung im Kunstverein Coburg bis 17. April 2017:

http://www.coburg.de/Subportale/Startseite/Jahresthemen.aspx

Zu: Annemarie Schimmel: Friedrich Rückert. Lebenslauf und Einführung in sein Werk. Aktualisierte Neuausgabe. 2. Auflage. Wallstein, Göttingen 2016. 157 Seiten, schreibt Buchwolf eine lesenswerte Besprechung:

https://buchwolf.wordpress.com/2016/11/05/annemarie-schimmel-friedrich-rueckert/

Die Historisch-kritische Werkausgabe, „Schweinfurter Edition“, findet sich ebenfalls beim Wallstein Verlag in Göttingen:

http://www.wallstein-verlag.de/autoren/friedrich-rueckert.html

Bei WordPress sendet Mannigfaltiges wiederholt Gedichte von Friedrich Rückert:

https://mannigfaltiges.wordpress.com/tag/friedrich-rueckert/

Zahlreiche Beiträge zu Rückert bringt die Lyrikzeitung:

https://lyrikzeitung.com/tag/friedrich-ruckert/

Readers in English language are kindly requested to have a look at:

https://en.wikipedia.org/wiki/Friedrich_R%C3%BCckert

 

Translate – übersetzen

More than hundred people volunteered to translate for thousands of refugees at the transit camp Nuremberg in autumn 2015. Their essential services performed translation from and into Arabic, Farsi, Turkish and Kurdish, English etc. for the whole transit camp, the many encounters and needs.

The translators welcomed and received the refugees, spoke at the medical screening, accompanied on the way to the sleeping tents and mediated there, they showed the ways and gave orientation to the showers, catering and the restaurent tent. They answered questions on telecommunication and to continuation of their journey. They helped here and there to prevent a possible conflict or to solve it. Moreover, they gave first orientation on the place, the town and the local situation. In addition, the translators talked to the refugees in the transit camp and answered to all personal questions and matters. They made announcements over the loudspeaker arrangement of the stadium bath concerning the meals or the departures to first admission facilities. They wrote signs and posters for important communications.

Some translators came as instructors or participants of the educational centre of the city of Nuremberg or on account of the Islamic community. Others were attracted by personal and informal contacts or the public call on social networks. The translators were migrants or refugees themselves, who came to Nuremberg by marriage or family reunification. Here, they gave their best to help compatriots and to support the city of Nuremberg, employees and volunteers at the transit camp. Their civic involvement is exemplary.

Thus, the translators explained to the refugees what they could expect in the transit camp, what they could get or not, and they told to us hosts what the guests would need and expect. They worked untiringly, donated their spare time, night’s rest and helped us to trust, „yes, we  can“ – they themselves managed their arrival.

„Translation“ is an ambiguous word in German. Skippers and sailors can „translate“ – „übersetzen“ (ferry over) – the travellers on rivers, lakes and seas to the other shore. People with two or several languages can translate the said or written of one into another language. Some of the translators at the transit camp  were able to translate three, four, five or even more languages. Many of them already had mediated for migrants and refugees at other places , and many will do it at further other occasions.

Beside the voluntary translators, there were employees of the security service who were enabled to translate with own linguistic proficiency. Also doctors, volunteers and others brought suitable linguistic skills. Several refugees themselves provided helpful services over and over again, translating from mother tongues into the English and shared communication with us to employees and volunteers.

From the translators, I learned one or the other word myself, an intercultural gesture and something about composure and dignity. A magic word was „targamaa“ – arabic: translate, translation. The transit camp was a polyglot learning space for linguistic and non-verbal meeting. Shukran – merci – thank you – danke.

My translation from the original German version was assisted by: http://de.pons.com/text-%C3%BCbersetzung

After the transit camp had closed, most of the language mediators still are busy assisting refugees, volunteers and authorities at the Zentrum Aktiver Bürger – Centre of Active Citizens at Nuremberg with knowledge of over thirty languages:

https://www.iska-nuernberg.de/cgi-bin/zab/cms.pl?Seite=sprachvermittlung.htm

In 2016, the language team won the Intercultural Prize of the Nuremberg Council for Integration and Migration.

This translation was inspried by WordPress Daily Prompt „Translate“:

Translate

The orginal post in German language at the time:

Für das Transit Camp Stadionbad melden sich über hundert Personen, die übersetzen können. Übersetzen von und in Arabisch, Farsi, Türkisch und Kurdisch, Englisch usw. Für das gesamte Transit Camp, alle einzelnen Angebote und die menschlichen Begegnungen leisten die Übersetzerinnen und Übersetzer wesentliche und zentrale Dienste.

Die Übersetzerinnen und Übersetzer begrüßen die Flüchtlingsgäste, empfangen sie, sprechen beim ärztlichen Screening, begleiten auf dem Weg zu den Schlafzelten und vermitteln beim Belegen der Zelte, sie weisen die Wege und geben Orientierung zu den Duschen, zur Essensausgabe und zum Essenszelt. Sie beantworten Fragen zur Telekommunikation und zur Weiterreise. Sie helfen hier und da, einen möglichen Konflikt beizulegen. Über die sprachliche Verständigung hinaus, geben sie erste Orientierung über den Ort, die Stadt und die hiesigen Verhältnisse. Darüber hinaus, sprechen die Übersetzerinnen und Übersetzer die Flüchtlingsgäste im Transit Camp an und lassen sich ansprechen mit allen persönlichen Fragen und Angelegenheiten. Sie machen Durchsagen über die Lautsprecheranlage des Stadionbades zu den Essenszeiten oder zu den Abfahrten in Erstaufnahme-Einrichtungen. Sie schreiben Schilder und Plakate für wichtige Mitteilungen.

Einige Übersetzerinnen und Übersetzer kommen als Kursleiter oder Besucher des Bildungszentrums der Stadt Nürnberg oder aufgrund der Kontakte zur Islamischen Gemeinde, wieder andere werden angesprochen durch ihre persönlichen und familiären Kontakte oder den öffentlichen Aufruf über die sozialen Netzwerke. Die Übersetzerinnen und Übersetzer sind selbst Migranten oder Flüchtlinge, sind durch Heirat oder Familienzusammenführung nach Nürnberg gekommen. Sie geben ihr Bestes, um ihren Lands- und Sprachleuten hier weiter zu helfen und die Stadt Nürnberg, die Mitarbeiter und Helferinnen im Transit Camp zu unterstützen. Ihr bürgerschaftliches Engagement ist beispielhaft.

So erklären die Übersetzerinnen und Übersetzer den Flüchtlingsgästen, was sie im Transit Camp erwartet, was sie bekommen und was nicht, und sie vermitteln uns Gastgebern, was die Gäste brauchen und erhoffen. Sie setzen sich unermüdlich ein, spenden ihre Freizeit, ihre Nachtruhe und helfen uns, zu vertrauen, „wir schaffen das“ – sie haben es selbst geschafft oder sind dabei, es zu schaffen.

„Übersetzen“ ist in der deutschen Sprache ein mehrdeutiges Wort. „Übersetzen“ können Schiffer und Seeleute die Reisenden auf Flüssen, Seen und Meeren zum anderen Ufer. „Übersetzen“ können Menschen mit zwei oder mehreren Sprachen das Gesagte oder Geschriebene von einer in eine andere Sprache. Manche der Übersetzerinnen und Übersetzer im Transit Camp sind drei, vier, fünf oder mehrerer Sprachen mächtig.

Viele der Übersetzerinnen und Übersetzer haben bereits an anderen Stellen für Migranten und Flüchtlinge vermittelt, und viele werden es künftig weiter an anderen Orten tun.

Neben den freiwilligen Übersetzerinnen und Übersetzern gibt es MitarbeiterInnen des Sicherheitsdienstes, die mit den eigenen Sprachkenntnissen befähigt sind, zu übersetzen. Auch Ärzte, Sanitäter und Freiwillige bringen passende Sprachfertigkeiten mit. Nicht zuletzt leisten immer wieder mehrere Flüchtlingsgäste selbst hilfreiche Dienste, indem sie aus ihren Muttersprachen ins Englische übersetzen und so Verständigung und Kommunikation mit uns Mitarbeitern und Freiwilligen herstellen.

Von den Übersetzerinnen und Übersetzern lerne ich selbst das eine oder andere Wort, eine interkulturelle Geste und manches über Haltung und Würde. Das Transit Camp ist ein mehrsprachiger Lernort für sprachliche und nonverbale Begegnung. Shukran – merci – thank you – danke.

 

New Years Walk – Neujahrswanderung

Das neue Jahr willkommen heißen bei einem Ausflug mit Freunden und Verwandten erfreut besonders bei passender Witterung: Die Sonne beleuchtet bereifte Landschaft und Orte. Die Fotogallerie zum Vergrößern bitte anklicken:

Die Wanderrunde beginnt in Neunhof bei Lauf im Nürnberger Land, geht nach Nuschelberg, Günthersbühl und Oedenberg und erreicht den Panorama-Blick bei Tauchersreuth. Die sinnlichen Eindrücke lassen sich mit einfachen Mobilgerät-Aufnahmen weder einfangen noch wiedergeben.

Wir teilen freundschaftlich Ereignisse des vergangenen Jahres, Geburten und Todesfälle, Wohlbefinden, persönliche und berufliche Entwicklungen, Erinnerungen, Zeitgeschehen und Ausblicke sowie Tee, Lebkuchen und mehr Leckereien. Den Reif betrachten und eigenem Reifen nachdenken.

So läuft der Weg nach Beerbach, wo in der Kirche das Licht durch die Glasfenster strahlt und zwei „Himmelsscheiben“ gestaltet sind.

Der Brauereigasthof Wiethaler in Neunhof macht uns Einkehrer mit feiner fränkischen Küche und gutem Service so richtig satt.

Zum neuen Jahr viel Glück, alles Gute und Wohlergehen!

Weiteres zur Sankt-Egidien-Kirche in Beerbach vermittelt die Gemeinde unter: https://www.beerbach-evangelisch.de

Der Brauereigasthof Wiethaler in Neunhof findet sich unter: http://brauerei-wiethaler.de/

Mitteilung bei WordPress Daily Prompt „Year“:  Year

 

Das Leben verstehen * Understanding life

English readers please check out the book of Wilhelm Schmid here on the publishers page.

Wilhelm Schmid schreibt „Von den Erfahrungen eines philosophischen Seelsorgers“.

Wer Wilhelm Schmids Werke schon eine Weile liest, freut sich über sein neues Buch, denn hier schreibt er über seine praktischen Erfahrungen im Krankenhaus Affoltern am Albis im Kanton Zürich, wovon schon lange die Rede, aber nicht viel zu lesen war. Schmids Essay „Vom Sinn der Schmerzen“ führte zu der Einladung, im dortigen Spital tätig zu werden. Ab 1998 übernahm er für zehn Jahre die Philosophiewochen: Gespräche mit den Patienten am Krankenbett, Pflegern und Ärztinnen, Workshops mit den Mitarbeitenden, Vorträge und Werkstätten über die Lebenskunst.

In den für Wilhelm Schmid zunächst überraschenden Gesprächen mit den Klienten geht es um Brüche und Lebenskrisen, den Umgang mit sich selbst und Neuanfänge, Schönes und zu Genießendes, Glücklich sein oder den Sinn – endlich um die Lebenskunst angesichts des Todes. Gefragt sind „geistige Nahrung“ (S. 16), das Zuhörenkönnen (S. 115), das Gespräch und die Beziehungen (S. 115 f).

"Was ich der Zeit in Affoltern verdanke, ist ein enormer Reichtum an Empirie im Sinne von Erfahrungen, die zum Korrektiv für meine eigenen Theorien werden konnten. Der vorliegende Bericht davon will nicht etwa ein Modell schildern, das auf andere Situationen und Institutionen übertragbar wäre, sondern diskutable Beispiele für eine philosophische Praxis im weiteren Sinne vorstellen." S. 13

"Meine Rolle in diesem Rahmen ist, einen Raum anzubieten, in dem über das Leben nachgedacht werden kann, um es besser zu verstehen. [...] 
So privat die Lebenskunst zunächst zu sein scheint, so politisch fällt sie letzten Endes aus, wenn es um die Bedingungen und Möglichkeiten des Lebens geht, die nicht nur vom jeweiligen Individuum abhängen." S. 235 f

Ebenso eingehend spricht der Autor mit dem Personal im Krankenhaus „quer durchs ganze Haus“ und nennt dies „transversale Arbeit“ – mit Wirkungen und Nebenwirkungen. Wilhelm Schmid besucht die Verwaltung, den Operationssaal und philosophiert mit der Ärzteschaft. Gleichermaßen reflektiert er mit den Pflegenden, den Kräften der Physiotherapie und Psychotherapie sowie der Psychiatrie und Theologie.

Wilhelm Schmid versteht sich als weltlicher Seelsorger, leitet den Begriff der Seelsorge von Sokrates und Platon her und entfaltet ihn aus der philosophischen Tradition mit Bezug auf Michel Foucault (S. 167 f). Leistet das philosophische Gespräch Rat oder Beratung? Was treibt dass Gespräch an? Was bedeutet Selbstbestimmung? Kann Philosophie Lebenshilfe leisten – was umstritten ist und hier und da bezweifelt wird.

"Das Leben braucht Möglichkeiten, eine Wirklichkeit ist zu wenig für einen Menschen." S.183 

"Wie die Erfahrung zeigt, kann das bloße Gespräch schon Wunder bewirken. Und das hat Gründe, denn endlich erfährt ein Mensch die Aufmerksamkeit, die ihm fehlte, die Zuwendung, die er entbehrte. Das ist der große Gewinn der Gespräche: Die Macht der Aufmerksamkeit wird erfahrbar, und dies wechselseitig." S.196   

"Der eigentliche Gewinn der philosophischen Gespräche ist Sinn. Philosophieren heißt, die Frage nach dem Sinn ernst zu nehmen und die möglichen Antworten darauf zu erörtern. Durch das gemeinsame Innehalten und Nachdenken über Sinn, durch Besinnung in jedem Sinne, werden bestehende Zusammenhänge klarer und sind neue zu erschließen." S. 197 f

Der Autor fragt sich selbsterfahrend: „Wozu das Alles?“ und taucht weiter ein in die Fragen, was Krankheit sei, seit wann es Krankenhäuser gibt wiederum anhand von Foucault, und wie sie etwas anders gestaltet werden könnten.

Im weiteren Kapitel betrachtet Wilhelm Schmid seine Leib- und Magenthemen der Lebenskunst wie die Kürze des Lebens, Heiterkeit und Zorn, Freiheit und Form, die Kunst des Berührens und Berührtwerdens, wie auch die Schattenseitens des Lebens mit den Machtfragen und Ohnmachtserfahrungen, Sinn und Sinnlosigkeit. Wie in seinen bekannten Büchern erläutert Schmid den Umgang mit Menschen und sich selbst, denkt nach über Liebe, Lieblosigkeit und andere Liebe sowie das Menschsein als in Beziehung sein.

"Heiterkeit beruht auf dem Erfülltsein von den zahllosen und gegensätzlichen Phänomenen des Lebens, die ein Mensch immer und überall erfahren kann." S. 245

"Philosophieren heißt, die vielen kleinen und großen Zusammenhänge von Leben, Liebe, Arbeit und Welt zu bedenken, um die eigene Rolle und die von Anderen in diesem Rahmen klarer sehen zu können." S. 315

In der weiteren theoretischen und praktischen Werkstatt geht es um Gewohnheiten im Pflegeheim, Überbelastung in der Arbeit, das lange Arbeitsleben, starke Teams für Krebskranke, pflegerischen Umgang mit Sterben und Tod. Gemeinsam wird in der Seelengruppe der Deutung der Seele nachgegangen (S. 130, 345 – 350).

Schließlich nimmt Wilhelm Schmid Abschied vom Haus, fragt was von seiner Tätigkeit bleibe und was sich daraus für die akademische und freie Philosophie Philosophie ergebe.

"Gerne würde ich mit diesem Buch dazu beitragen, dass die Philosophie sich entschiedener als bisher mit Lebensfragen befasst." S. 380

 

Wilhelm Schmid, Das Leben verstehen. Von den Erfahrungen eines philosophischen Seelsorgers, Suhrkamp Verlag, Berlin 2016, 382 Seiten

Leseprobe, Angaben über Autor und weitere Schriften auf der Verlagseite:

http://www.suhrkamp.de/buecher/das_leben_verstehen-wilhelm_schmid_42569.html

Deutschlandradio Kultur führte ein Gespräch mit Wilhelm Schmid zu diesem Buch  (ab 15 Minuten):

http://www.deutschlandradiokultur.de/sein-und-streit-die-ganze-sendung-der-philosophische.2162.de.html?dram:article_id=365543

Die Seite von Wilhelm Schmid findet sich hier:

http://www.lebenskunstphilosophie.de/index.htm

WordPress bietet an, einen Beitrag im „Photo Challenge“ zum Thema „Resilient“ zu senden:

Resilient

Beim Daily Prompt zu „Hopeful“ bietet sich dieser Beitrag ebenfalls an:

Hopeful

Viel Glück, alles Gute, Frieden, Gesundheit und Wohlergehen für das neue Jahr 2017!

Happy new year, all the best, peace, health and well-being in 2017!

Freiheit. Schüleraufsatz in einer Willkommensklasse

Freedom. Please notice the blog of Emmanuelle Chaze in English language, link see below.

„Freiheit

Freiheit ist ein Begriff, der sich eine Meng Bedeutungen hat. Freiheit ist eine große Welt, die viele Teile enthält.

Freiheit sollte sich überall befinden, in jedem Land, jedem Haus und jeder Familie, einfach auf der ganzen Welt. Aber heutzutage hat die Freiheit ihre Bedeutung verloren. Die Starken regeln die Schwachen, die Reichen überfahren die Armen und, Präsidente töten ihre Völker. Warum!! gibt es einen grund? Weil einer Seine Meinung sagte? Oder velleicht weil einer sich beschwerte weil er Geld braucht um seine Kinder zu füttern oder weil einer andere glaben hat!? gibt mir einen überzeugenden Grund! . Ein Kind wird getötet, weil sein Vater nicht zur armee ging? Was ist seine Schuld ?!! . Jugendliche sterben, weil sie demonstriet haben. Wo ist die Freiheit? warum können wir sie nicht einfach habt haben?? diese frage stellt sich in vielen Ländern aber ins besondere Syrien. Ich würde dem Syrischen Volk, den Kindern in Syrien und in allen anderen ungerechten Ländern.“

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Diesen Text sendet Emmanuelle Chaze in ihrem Blog:

https://berlinerdiary.com/2016/12/15/welcome-class-december-15th-2016/