Franconian Cherry Blossom * Fränkische Kirschblüte

Cherry Blossom is a very special and enchanting season in Franconia. On sunny days like this sunday it almost feels like heaven. Have a look at the picture gallery below. *

Eine ganz spezielle und verzaubernde Jahreszeit in Franken ist die Kirschblüte. An einem sonnigen, sommerlichen Frühlingssonntag, wie diesem heute, fühlt es sich geradezu himmlisch an. Das blütenweiße Gewölbe der Kirschbäume. In den nächsten Tagen werden die Blütenblätter herunterschneien.

Hier eine Bilder-Schau aus dem Kirschgarten in Wölfersdorf. Der Biergarten öffnet am 1. Mai. Eintauchen und Baden in blühend erneuernder Natur.

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Im Gasthaus „Zu den drei Zinnen“ in Osternohe tischen die Wirtsleute die weit und breit feinsten fränkischen Bratwürste auf, zu dem das weiche Pils der Brauerei Friedmann aus Gräfenberg köstlich mundet.

Danke für diesen wunderbaren Tag mit herzlichen Grüßen und Wünschen zum Frühling

Bernd

 

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King’s Courage * Kings Mut

Martin Luther King touched and moved many people. He organized and lead the Civil Rights Movement in the United States of America. His ideas and activities inspired the peace movement in Europe as well. Along with his fellows, he achieved a lot. As do his followers today in the anti-gun-movement. In his book „Strength of Love“, he wrote about the sources of courage. For twenty years, King’s home town of Atlanta is sister city with Nuremberg.

 

Zum 50. Todestag von Martin Luther King

Martin Luther King berührte und bewegte viele Menschen. Er sammelte und leitete die Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Seine Ideen und Aktivitäten inspirierten zahlreiche Menschen in der Friedensbewegung in Europa. Beim Ostermarsch sangen wir zum Gedenken an ihn und seinen Traum: „We shall overcome“.

Vieles haben Martin Luther King und seine Weggefährten erreichen können. Anderes bleibt offen. Kürzlich haben viele Menschen auch in seinem Sinne gegen die Waffengewalt in den USA demonstriert.

Die Heimatstadt von Martin Luther King, Atlanta, und Nürnberg pflegen seit 1998 eine Städte-Partnerschaft.

http://www.anko-nue.org/ANKONue/Willkommen.html

Hier etwas Lesestoff:

„Wir können unsere Furcht durch eine der höchsten menschlichen Tugenden bezwingen: durch den Mut. Plato betrachtete den Mut als jenes Element der Seele, das den Widerspruch zwischen Verstand und Trieb überbrückt. Aristoteles hielt den Mut für den Ausdruck der eigentlichen menschlichen Natur. Thomas von Aquin sagte, der Mut sei die Stärke des Geistes, die alles zu überwinden vermag, was uns daran hindern will, die höchsten Güter zu erringen.

Der Mut also ist die Kraft des Geistes, die Furcht zu überwinden. Anders als die Angst hat die Furcht stets einen bestimmten faßbaren Gegenstand zum Inhalt, den man betrachten, begreifen, zergliedern und notfalls ertragen kann. Wie oft ist Gegenstand der Furcht die Furcht selbst! In seinem ‚Journal‘ schrieb Henry David Thoreau: ‚Nichts ist so sehr zu fürchten wie die Furcht!‘ Jahrhunderte früher schrieb Epiktet: ‚Nicht Tod und Not sind zu fürchten, sondern nur die Furcht vor Tod und Not.‘ Der Mut greift die Furcht an und überwindet sie. Paul Tillich sagt: ‚Mut ist Selbstbehauptung trotz allem … was das Selbst daran hindern will, sich zu behaupten.‘ Mut ist Selbstbehauptung trotz Tod und Vergänglichkeit. Der Mutige bezieht die Furcht vor dem Tod in seine Selbstbehauptung ein und handelt entsprechend. Diese mutige Selbstbehauptung, die gewiß ein Heilmittel gegen die Furcht ist, hat nichts mit Selbstsucht zu tun. Sie umschließt sowohl eine vernünftige Eigenliebe als auch einen gehörigen Grad an Nächstenliebe. Erich Fromm hat in überzeugenden Worten erklärt, daß die rechte Art der Eigenliebe und die rechte Art der Liebe zum Nächsten voneinander abhängen.“

Seite 176 – 177

Martin Luther King jr., Kraft zum Lieben, (Strength to Love), Konstanz 1971

 

Frohe Ostern * Happy Easter

Wandern mit guten Freunden von Simmelsdorf nach Gräfenberg bei frühlingshaftem Wetter am Karfreitag – hier die Palmkätzchen:

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Der Brauereigasthof Lindenbräu in Gräfenberg bietet unserer Tafel an diesem Tag unter anderem eine feine Fisch- und Vegi-Karte.

Frohe Ostern und Feiertage!

 

Irvin D. Yalom: Wie man wird, was man ist * Becoming Myself: A Psychiatrist’s Memoir

Irvin D. Yalom, Wie man wird, was man ist. Memoiren eines Psychotherapeuten, Aus dem Amerikanischen von Barbara v. Bechtolsheim, btb Verlag, München 2017, 448 Seiten. Verlags-Seite mit Leseprobe u. a.

Irvin D. Yalom, Becoming Myself: A Psychiatrist’s Memoir, Basic Books, New York 2017, 352 pages. Publisher’s Page

Yalom erzählt sein Leben, schreibt es auf. Er beginnt mit zwei thematischen Träumen, schildert seine Herkunft und Familiengeschichte von russischen Einwanderern, geboren 1931 und aufgewachsen in Washington D. C.

Buch-Blogger werden den Abschnitt mögen, wie sich Yalom als Junge in der Washington Central Bibliothek von A bis T durch das Regal der Biografien las. Zu seiner religiösen Sozialisation verfasst er ein „Selfie-Interview“ zur Bar Mizwa mit dem Jugendlichen und dem gereiften Dr. Yalom.

Dann lernen wir Irvins Jugendliebe Marilyn kennen, die er heiratet, und deren gemeinsamer Weg familiär und kreativ verlaufen wird.

Den Stress, dass die Medizinische Hochschule der George Washington University eine Zulassungsbeschränkung von fünf Prozent für jüdische Studierende hatte, konnte er mit Ängsten und Schlafstörungen meistern. Am Städtischen Krankenhaus von Boston behandelt Yalom seine erste psychiatrische Patientin. Das weitere Studium verbringt er an der John Hopkins University. Darauf folgend wird er zum Militärdienst am Tripler Krankenhaus in Honolulu auf Hawaii einberufen. Von dort aus wechselt er an die Standford University, wo er lange bleiben wird, und auf die er in seiner Autobiografie ein Loblied singt.

Irvin Yalom schildert eingehend seine psychoanalytische und psychotherapeutische Ausbildung und seine Ausrichtung auf die Gruppentherapie, zu der er in mehreren Auflagen ein erfolgreiches Lehrbuch beiträgt. In dem Abschnitt „Ankommen“ schildert er eine Ausbildungsgruppe am National Training Laboratory Institute mit einer Szene:

„Ich wendete mich der Gruppenleiterin zu und sprach sie direkt an: ‚Ich bin neugierig, was es mit Ihrem Schweigen auf sich hat. Könnten Sie etwas zu Ihrer Rolle hier sagen?‘ Diesmal antwortete sie (kurz): ‚Meine Rolle ist es, die Gruppenleiterin zu sein und alle Gefühle und Vorstellungen, die die Gruppenmitglieder über Führungspersönlichkeiten haben, zu ertragen.'“ (Seite 165)

Weiter erzählt und schreibt Yalom von den wechselhaften Entwicklungen der Gruppentherapie und den Encounter-Gruppen mit Forschungs-Semestern in London, Wien, Oxford und Paris sowie der Zuwendung zum Schreiben – „Jeden Tag ein bisschen näher“ – und seinem Konzept  der „Existenziellen Therapie“ mit der Neigung zur Philosophie:

„Ich befasste mich mit Nietzsche, Sartre, Camus, Schopenhauer sowie mit Epikur und Lukrez. Kant, Leibnitz, Husserl und Kierkegaard ließ ich beiseite, weil ihre Konzepte nach meinem Eindruck für die klinische Anwendung weniger relevant waren.“ (Seite 234)

„Ich sagte mir oft: die Realität des Todes mag uns zerstören, aber die Vorstellung vom Tod kann uns retten. Es bringt die Erkenntnis auf den Punkt, dass wir nur eine Chance zu leben haben und am Ende möglichst wenig bedauern sollten.“ (Seite 245)

Zwischendurch reist Yalom, reisen die Yaloms, nach Indien, Japan, China und Bali.

Alle bisherige Lebens- und Leserfahrungen Yaloms münden in sein Buch „Und Nietzsche weinte“. Wie er dies konstruiert und imaginiert ist eindrucksvoll. „Gides Aphorismus treu geblieben zu sein: Fiktion ist Geschichte, die sich hätte zutragen können.“ (Seite 319)

Im nächsten Roman, „Die Rote Couch“, geht Yalom weniger historisch als persönlich vor. Da hier in Blog-Diskussionen schon einmal von Camus die Rede war, hier Yalom zu einer Glas-Skulptur, „die einen Mann zeigt, der über den Rand einer Schale blickt, mit dem Titel ‚Sisyphus genießt den Ausblick.'“ (Seite 324)

Irwin Yalom erzählt von seinen weiteren Büchern, und Buchblogger werden seine Anmerkungen zu Verlagsverhandlungen oder Filmrechten schätzen. Zuletzt schildert Yalom eine Begegnung:

„Mir fiel eine Frau auf, von der ich zuerst meinte, es sei meine Mutter. Plötzlich spürte ich eine – neue – Welle von Zärtlichkeit für sie und fühlte mich schuldig, dass ich sie in diesem Buch kritisiert habe. Wie meine Mutter wirkte die Frau auf dem Foto ungebildet, verängstigt, fleißig und als versuche sie, zu überleben und ihre Familie in dieser merkwürdigen fremden Kultur aufzuziehen. Mein Leben ist so reich, so privilegiert und so sicher – wesentlich weil meine Mutter so hart arbeitete und so großzügig war. Ich saß da in diesem Deli und weinte, während ich in ihre Augen schaute und in die Augen all der anderen Flüchtlinge. Ich hatte ein Leben lang meine Vergangenheit erforscht, analysiert und rekonstruiert, aber ich merke jetzt, was für ein Jammertal noch in mir ist, das ich wohl nie werde bewältigen können.“ (Seite 442)

Autoren-Seite mit Biografie, Bibliografie u. a. : http://www.yalom.com/index.html

Dagmar Eger-Offel: Kohlhaas und der Sinn des Lebens. Wege der Philosophiegeschichte

Dagmar Eger-Offel, „Kohlhaas und der Sinn des Lebens. Wege der Philosophiegeschichte zur Suche nach dem Sinn“, Literatur im Fenster e. V., Isny im Allgäu 2017, ISBN: 978 – 3 – 00 – 057666 – 9

Philosophiegeschichte macht mich neugierig. Dagmar Eger-Offel überzeugt mit ihrer Geschichte der Philosophie in mehrerlei Hinsicht: eine Fülle an Primär-Literatur, die Leitfrage der Sinnsuche und die literarische Figur des Michael Kohlhaas auf der Suche nach dem Sinn.

„Auf der Suche nach der richtigen Frage

Warum stellen sich Menschen überhaupt die Frage nach dem Sinn?

Es gibt vielerlei Gründe, sich die Frage nach dem Sinn zu stellen. Meistens sind es Lebenskrisen oder schwierige Entwicklungsphasen, in denen das Leben im Gesamten auf eine Art Prüfstand gestellt wird.

Im Fall der Entstehung dieses Buches verhält es sich anders: für mich persönlich war es vielmehr noch einmal die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Philosophie, die mich dazu verleitete, die größte aller Fragen mit Hilfe einiger wichtiger Philosophen der Philosophiegeschichte anzugehen. …“ (Seite 8)

Nach den einleitenden differenzierten Fragen beginnt Dagmar Eger-Offel bei Platon und zieht dessen Dialoge Politeia und Phaidon heran. Sie bespricht das Höhlen-Gleichnis und den Philosophen-Königs-Satz, dessen Lehren der Seele, Bildung, Ideen und des Guten:

„Denn dass die Idee des Guten die größte Einsicht ist, hast du schon vielfältig gehört, als durch welche erst das Gerechte und alles, was sonst Gebrauch von ihr macht, nützlich und heilsam wird.“ (hier: Seite 23)

Anhand der Nikomachischen Ethik des Aristoteles vertieft Dagmar Eger-Offel die antike Tugend-Ethik und ihr Ziel der Eudaimonia:

„Also: die Glückseligkeit stellt sich dar als ein Vollendetes und sich selbst genügendes, da sie das Endziel allen Handelns ist.“ (hier: Seite 36)

Mit Epikur betrachtet die Autorin einen weiteren klassischen Philosophen, der aufgrund veränderter Rahmenbedingungen weniger auf die Politik – wie Platon und Aristoteles – gerichtet war, als auf den eigenen Garten:

„In ihr (der Vernunft, Anm. d. Verf.) wurzeln alle übrigen Tugenden. Sie ist es, die lehrt, dass man nicht freudvoll leben kann, ohne vernünftig, anständig und gerecht zu leben, aber auch nicht vernünftig, anständig und gerecht, ohne freudvoll zu leben.“ (Seite 48)

Für das christliche und mittelaterliche Zeitalter der Philosophiegeschichte liest und referiert Dagmar Eger-Offel „Das Seiende und das Wesen“ von Thomas von Aquin:

„Also ist offenbar, dass der Geist Form und Sein ist und dass er das Sein von einem ersten Seienden hat, das nur Sein ist, und dies ist die erste Ursache, die Gott ist.“ (Seite 64)

Nun folgt ein Sprung ins 18. Jahrhundert zu Jean-Jacques Rousseau:

„Wer vom Naturzustand spricht, der spricht von einem Zustand, der nicht mehr existiert, der vielleicht niemals existiert hat und wahrscheinlich nie existieren wird und der gleichwohl gedacht werden muss, damit man die Gegenwart richtig begreifen kann. “ (Seite 76)

Im folgenden Kapitel über Immanuel Kant gelingt Dagmar Eger-Offel eine  besonders lehrreiche Lektion, so über den Unterschied von transzendenten und transzendentalen Aspekten.

„Und das war zunächst einmal die Aufgabe der Kriktik der reinen Vernunft: herauszufinden, welche dem Menschen gegebenen „Anschauungsformen“ dem Denken zugrunde liegen, was sie ermöglichen und mit welchen Mitteln des Denkens man dann zu Erkenntnis gelangen kann. In welchem Zusammenhang steht nun die Wissenschaft mit der Sinnfrage? Eines der wichtigsten Ergebnisse: man kann zu Gott und zum ewigen leben zu keiner Erkennntis kommen. Nichts desto trotz gibt es begründete Verantwortung für ein moralisches Leben.“ (Seite 96)

Die Autorin zitiert die drei Versionen des kategorischen Imperativs und den Zweck des höchsten Guts der drei theoretischen Begriffe „Freiheit, Unsterblichkeit und Gott“ (Seite 100). Mit der Lektüre von Platon, Aristoteles und Kant stellt sich mir immer wieder die Frage nach der Tugend- und Neigungsethik oder der Pflichtenethik.

Eine andere Wendung nimmt das Philosophieren mit Arthur Schopenhauer:

„‚Die Welt ist meine Vorstellung‘ – dies ist eine Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt, wiewohl der Mensch allein sie in das reflektierte abstrakte Bewusstsein bringen kann; und tut er dies wirklich, so ist die philosophische Besonnenheit bei ihm eingetreten.“ (Seite 115)

„Darum ist das bloße Wollen und Können an sich noch nicht zureichend, sondern ein Mensch muss auch wissen, was er will, und wissen, was er kann: erst so wird er Charakter zeigen, und erst dann kann er etwas Rechtes vollbringen.“ (Seite 119)

Zu Nietzsche schreibt Dagmar Eger-Offel:

„Und das ist im Kern das, was wir Nietzsches Nihilismus verdanken: die schonungslose Offenlegung der Zwänge durch Konventionen.

Dabei entsteht eine Lebensphilosophie, eine Philosophie aus dem Leben und für das Leben. Für Nietzsche gibt es keine Autonomie der Theorie und er sagt von sich, er wisse nicht, was rein geistige Probleme seien. Das reine Theoretisieren habe immer eine ideologische Funktion, er habe immer mit seinem ganz Leib und Leben geschrieben.“ (Seite 133)

Martin Heidegger ist zwischenzeitlich kaum mehr „politisch korrekt“ – und ich bevorzuge seinen Kollegen Karl Jaspers – , doch bleibt wohl die Herausforderung, ihn und seine Denkewege vor, im und nach dem Nationalsozialismus zu verstehen.

„“Das ‚Wesen‘ des Daseins liegt in seiner Existenz.‘

Der Mensch kann nur das Wesen des Daseins der menschlichen Existenz erforschen. Dabei ist es nicht möglich, das Wesen des Daseins der ganzen Gattung zu erforschen, sondern nur des ‚jemeinigen‘ Daseins.

In seiner Einführung in die Metaphysik stellt Heidegger die Frage, warum überhaupt Seiendes ist und nicht vielmehr nichts als die tiefstmögliche Frage, weil sie Grund angibt für das Seiende. Und es ist gleichzeitig die ‚ursprünglichste‘ aller Fragen.“  (Seite 152)

„Wie lebt man ohne Sinn?“ fragt Dagmar Eger-Offel in ihrem Kapitel über Jean-Paul Sartre mit dem Untertitel „Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.“

„Und das ist wahrscheinlich der mutigste Satz des Existenzialismus:

‚Der Mensch ist nichts anderes, als wozu er sich macht.'“ (Seite 162)

Sartres Zeitgenossen Albert Camus zitiert Dagmar Eger-Offel mit den berühmten Sätzen:

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ (Seite 174)

„So leite ich vom Absurden drei Schlußfolgerungen ab: meine Auflehnung, meine Freiheit und meine Leidenschaft.“ (Seite 178)

Im Abschnitt über Theodor W. Adorno und seine „Negative Dialektik“ wird die Frage gestellt nach dem Sinn im Angesicht des „Dritten Reichs“.

„Es handelt sich um den Entwurf einer Philosophie, die nicht den Begriff der Identität von Sein und Denken voraussetzt und auch nicht in ihm terminiert, sondern die gerade das Gegenteil, also das Auseinanderweisen von Begriff und Sache, von Subjekt und Objekt, und ihre Unversöhntheit, artikulieren will.“ (Seite 187)  

Mit Hannah Arendt rundet Dagmar Eger-Offel ihre Philosophiegeschichte ab, und ich entnehme zwei Zitate:

„Was völlig aus dem Gesichtskreis neuzeitlicher Denkungsart verschwand, war die Kontemplation, das Anschauen oder Betrachten eines Wahren.“ (Seite 202)

„Niemals ist man tätiger, als wenn man dem äußeren Anschein nach nichts tut, niemals ist man weniger allein, als wenn man mit der Einsamkeit mit sich allein ist.“ (Seite 204)

In ihrem Epilog – „Zu guter Letzt“ – vermerkt Dagmar Eger-Offel unter anderem:

„Das, was sich über die Beschäftigung mit der Philosophie verändert, ist das Verhältnis, in das sich der Mensch zur Welt setzt. Und das Philosophieren über die unterschiedlichen Verhältnismäßigkeiten gleicht einem Prozess, der über Abwägen, über Konkretion, den Menschen in seiner Positionierung immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Und das ist der Sinn eines solchen Philosophierens. Damit wäre jedenfalls meine große Frage des Anfangs zum Sinn der Philosophie beantwortet.“ (Seite 213)

Und Michael Kohlhaas aus Heinrich von Kleists Novelle? Dagmar Eger-Offel lässt ihn von Autor zu Kapitel den unterschiedlichen Gedanken und Ideen begegnen, imaginiert Gespräche der Philosophen mit Kohlhaas und deutet seine Perspektiven – was sich spannend liest wie ein Krimi. Gerechtigkeits-Terrorismus ist fehl am Platz, Gerechtigkeit bleibt Idee und Ziel.

Hiermit sei das Buch empfohlen, und wer schnuppern will, findet im Blog der Autorin kapitelweise Videos zum Betrachten und Hören.

Dagmar Eger-Offel: Kohlhaas und der Sinn des Lebens

 

Hannah Arendt: „Die Freiheit, frei zu sein“ * „The freedom to be free“

Hannah Arendts Essay „The freedom to be free“ (um 1967) wurde gerade aus ihrem Nachlass herausgegeben. Neue Leser*innen mögen sie entdecken, ältere werden den Text genießen. Auf 35 Seiten beschrieb Hannah Arendt hier ihr Verständnis der Freiheit anhand der Begriffsgeschichte und der modernen Revolutionen, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Frankreich.

Der Begriff der Revolution stammt nicht aus der antiken Tradition des politischen Denkens, sondern aus der Astronomie, von Nicolaus Copernicus, „De revolutionibus orbium coelestium“, Nürnberg 1543. Zu übersetzen: „Über die Umschwünge der himmlischen Kugelschalen“, oder: „Über die Kreisbewegungen der Weltkörper“ (Einfügung des Autors nach: Lexikon der philosophischen Werke). Hannah Arendt berichtet, dass der Ausdruck Revolution beim Übergang in die politische Sprache zunächst ganz anders gebraucht wurde – im Sinne von Restauration, Wiederherstellung – so in England um und nach Cromwell bei der „Glorious Revolution“ 1688 (S. 13).

Auf den Punkt diskutiert Hannah Arendt die Ursachen, den Verlauf und die Folgen der Revolutionen in den USA und in Frankreich und zitiert die amerikanischen Verfassungsdenker ebenso wie die französischen Revolutionäre.

Condorcet wollte „das Wort revolutionär … mithin nur auf Revolutionen anwenden, die die Freiheit zum Ziel haben.“ (S. 11)

Nach John Adams sei die Revolution in den USA vollzogen gewesen, „bevor der Unabhängigkeitskrieg begonnen hatte“, weil die Bewohner der Kolonien „durch das Gesetz in Körperschaften zusammengefasst waren, die politischer Natur waren“, mit dem Recht, sich in „town halls zu versammeln, um dort über öffentliche Angelegenheiten zu beraten“; „in diesen Versammlungen der Städte und der ländlichen Bezirke wurde die Denkungsart des Volkes ursprünglich geformt“. (S. 18 – 19)

„Diese öffentliche Freiheit ist eine handfeste lebensweltliche Realität, geschaffen von Menschen, um in der Öffentlichkeit gemeinsam Freude zu haben – um von anderen gesehen, gehört, erkannt und erinnert zu werden. …“ (S.22)

„Die Männer der ersten Revolutionen wussten zwar sehr wohl, dass Befreiung der Freiheit voran gehen musste, waren sich aber noch nicht der Tatsache bewusst, dass eine solche Befreiung mehr bedeutet als politische Befreiung von absoluter und despotischer Macht; dass die Freiheit, frei zu sein, zuallererst bedeutete, nicht nur von Furcht, sondern auch von Not frei zu sein. …“ (S. 24)

In der Französischen Revolution, so Hannah Arendt, „stellte sich heraus, dass nicht nur die Freiheit, sondern auch die Freiheit, frei zu sein, stets nur das Privileg einiger weniger gewesen war. Aus dem gleichen Grund jedoch blieb die Amerikanische Revolution weitgehend folgenlos für das historische Verständnis von Revolutionen, während die Französische Revolution, die krachend scheiterte, bis heute bestimmt, was wir heute als revolutionäre Tradition bezeichnen.“ (S. 26)

In dieser Zusammenfassung kann nicht alles wiedergegeben werden, was Hannah Arendt zitiert von Machiavelli, Kant, Marx und Tocqueville, von Rosa Luxemburg und anderen, zu den deformierten oder abgebrochenen Revolutionen und ihren Folgen, – bemerkenswert ist ihre eigene Deutung von Geburt und Wiedergeburt, der Gebürtigkeit des Menschen:

„Und diese geheimnisvolle menschliche Gabe, die Fähigkeit, etwas Neues anzufangen, hat offenkundig etwas damit zu tun, dass jeder von uns durch die Geburt als Neuankömmling in die Welt trat. Mit anderen Worten: Wir können etwas beginnen, weil wir Anfänge und damit Anfänger sind.“ (S. 37)

In seinem lesenswerten Nachwort zur Entstehung und Argumentation des Essays sowie Hannah Arendts Denkweg führt Thomas Meyer „die Rede von der ‚Freiheit, frei zu sein'“, zurück auf Henry David Thoreau, aus: „Life without principle“, 1863, „Leben ohne Prinzipien“:

„Was bedeutet es, frei geboren zu sein, aber nicht frei zu leben? Welchen Wert hat politische Freiheit, wenn sie nicht Mittel ist für moralische Freiheit? Ist es die Freiheit, Sklave zu sein, oder die Freiheit, frei zu sein, auf die wir stolz sind?“ (S. 47)

Folgende Aufnahmen bitte anklicken zum Vergrößern:

Hannah Arendt: Die Freiheit, frei zu sein. Aus dem amerikanischen Englisch von Andreas Wirthensohn. Mit einem Nachwort von Thomas Meyer, dtv, München 2018

Verlag: https://www.dtv.de/buch/hannah-arendt-die-freiheit-frei-zu-sein-14651/

“The Freedom to Be Free”, in: Thinking Without a Banister. Essays in Understanding, 1953-1975, By Hannah Arendt. Edited by Jerome Kohn, Published by Schocken, Mar 06, 2018, ISBN 9780805242157

https://www.penguinrandomhouse.com/books/4712/thinking-without-a-banister-by-hannah-arendt/9780805242157/

 

Krippenspiel * nativity play

Am Weihnachtsabend feiern wir im Freundeskreis und freuen uns über dieses Krippenspiel von Oliver Fabel aus Berlin mit bauhäuslerischen Anklängen aus Weimar. Die Konfiguration ermöglicht Familienaufstellungen ebenso wie politische und philosophische Betrachtungen. In der deutschsprachigen Fassung treten die drei Könige auf, in der englischen Fassung die wise men. Sie besuchen mit den Hirten das Kind, die Eltern und Tiere im Stall. Bitte anklicken zum Vergrößern.

Gastgeber und Gäste tragen zu einem wundervollen Weihnachtsabend bei.

Menu-Folge: Kürbis-Möhren-Orangen- oder Erbensuppe, Gemüse-Antipasti, Heringsalat oder Räucherfisch, gefüllte Tomaten und oder chinesische Teigtaschen, Gänslein zu Klößen und Blaukraut mit Chili oder Grünkohl-Auflauf, dazu feine Weine und fränkisches Bier, dann Bio-Käse weich und hart oder Stadtwurst oder geräucherte Bratwurst – sowie Käsekuchen, Linzer Torte, Kaffee oder süßer Wein.

Bunte Gespräche, Geschenke und Gesänge, wozu sich eine Nachbarsfamilie einstellt. Lieder-Folge: „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, „Tochter Zion“, „O Du fröhliche“, „Stille Nacht“, „Yakanaka Vangeri“ und weiteres: „Ich steh an deiner Krippe hier“: „Ja, laß mich doch dein Kripplein sein, komm komm und lege bei mir ein Dich und all Deine Freuden.“

Nach Lukas sagen die Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“

Weihnachtsgrüße:

Frohe Feiertage, Ferientage und herzliche Grüße

Bernd