Dagmar Eger-Offel: Kohlhaas und der Sinn des Lebens. Wege der Philosophiegeschichte

Dagmar Eger-Offel, „Kohlhaas und der Sinn des Lebens. Wege der Philosophiegeschichte zur Suche nach dem Sinn“, Literatur im Fenster e. V., Isny im Allgäu 2017, ISBN: 978 – 3 – 00 – 057666 – 9

Philosophiegeschichte macht mich neugierig. Dagmar Eger-Offel überzeugt mit ihrer Geschichte der Philosophie in mehrerlei Hinsicht: eine Fülle an Primär-Literatur, die Leitfrage der Sinnsuche und die literarische Figur des Michael Kohlhaas auf der Suche nach dem Sinn.

„Auf der Suche nach der richtigen Frage

Warum stellen sich Menschen überhaupt die Frage nach dem Sinn?

Es gibt vielerlei Gründe, sich die Frage nach dem Sinn zu stellen. Meistens sind es Lebenskrisen oder schwierige Entwicklungsphasen, in denen das Leben im Gesamten auf eine Art Prüfstand gestellt wird.

Im Fall der Entstehung dieses Buches verhält es sich anders: für mich persönlich war es vielmehr noch einmal die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Philosophie, die mich dazu verleitete, die größte aller Fragen mit Hilfe einiger wichtiger Philosophen der Philosophiegeschichte anzugehen. …“ (Seite 8)

Nach den einleitenden differenzierten Fragen beginnt Dagmar Eger-Offel bei Platon und zieht dessen Dialoge Politeia und Phaidon heran. Sie bespricht das Höhlen-Gleichnis und den Philosophen-Königs-Satz, dessen Lehren der Seele, Bildung, Ideen und des Guten:

„Denn dass die Idee des Guten die größte Einsicht ist, hast du schon vielfältig gehört, als durch welche erst das Gerechte und alles, was sonst Gebrauch von ihr macht, nützlich und heilsam wird.“ (hier: Seite 23)

Anhand der Nikomachischen Ethik des Aristoteles vertieft Dagmar Eger-Offel die antike Tugend-Ethik und ihr Ziel der Eudaimonia:

„Also: die Glückseligkeit stellt sich dar als ein Vollendetes und sich selbst genügendes, da sie das Endziel allen Handelns ist.“ (hier: Seite 36)

Mit Epikur betrachtet die Autorin einen weiteren klassischen Philosophen, der aufgrund veränderter Rahmenbedingungen weniger auf die Politik – wie Platon und Aristoteles – gerichtet war, als auf den eigenen Garten:

„In ihr (der Vernunft, Anm. d. Verf.) wurzeln alle übrigen Tugenden. Sie ist es, die lehrt, dass man nicht freudvoll leben kann, ohne vernünftig, anständig und gerecht zu leben, aber auch nicht vernünftig, anständig und gerecht, ohne freudvoll zu leben.“ (Seite 48)

Für das christliche und mittelaterliche Zeitalter der Philosophiegeschichte liest und referiert Dagmar Eger-Offel „Das Seiende und das Wesen“ von Thomas von Aquin:

„Also ist offenbar, dass der Geist Form und Sein ist und dass er das Sein von einem ersten Seienden hat, das nur Sein ist, und dies ist die erste Ursache, die Gott ist.“ (Seite 64)

Nun folgt ein Sprung ins 18. Jahrhundert zu Jean-Jacques Rousseau:

„Wer vom Naturzustand spricht, der spricht von einem Zustand, der nicht mehr existiert, der vielleicht niemals existiert hat und wahrscheinlich nie existieren wird und der gleichwohl gedacht werden muss, damit man die Gegenwart richtig begreifen kann. “ (Seite 76)

Im folgenden Kapitel über Immanuel Kant gelingt Dagmar Eger-Offel eine  besonders lehrreiche Lektion, so über den Unterschied von transzendenten und transzendentalen Aspekten.

„Und das war zunächst einmal die Aufgabe der Kriktik der reinen Vernunft: herauszufinden, welche dem Menschen gegebenen „Anschauungsformen“ dem Denken zugrunde liegen, was sie ermöglichen und mit welchen Mitteln des Denkens man dann zu Erkenntnis gelangen kann. In welchem Zusammenhang steht nun die Wissenschaft mit der Sinnfrage? Eines der wichtigsten Ergebnisse: man kann zu Gott und zum ewigen leben zu keiner Erkennntis kommen. Nichts desto trotz gibt es begründete Verantwortung für ein moralisches Leben.“ (Seite 96)

Die Autorin zitiert die drei Versionen des kategorischen Imperativs und den Zweck des höchsten Guts der drei theoretischen Begriffe „Freiheit, Unsterblichkeit und Gott“ (Seite 100). Mit der Leküre von Platon, Aristoteles und Kant stellt sich mir immer wieder die Frage nach der Tugend- und Neigungsethik oder der Pflichtenethik.

Eine andere Wendung nimmt das Philosophieren mit Arthur Schopenhauer:

„‚Die Welt ist meine Vorstellung‘ – dies ist eine Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt, wiewohl der Mensch allein sie in das reflektierte abstrakte Bewusstsein bringen kann; und tut er dies wirklich, so ist die philosophische Besonnenheit bei ihm eingetreten.“ (Seite 115)

„Darum ist das bloße Wollen und Können an sich noch nicht zureichend, sondern ein Mensch muss auch wissen, was er will, und wissen, was er kann: erst so wird er Charakter zeigen, und erst dann kann er etwas Rechtes vollbringen.“ (Seite 119)

Zu Nietzsche schreibt Dagmar Eger-Offel:

„Und das ist im Kern das, was wir Nietzsches Nihilismus verdanken: die schonungslose Offenlegung der Zwänge durch Konventionen.

Dabei entsteht eine Lebensphilosophie, eine Philosophie aus dem Leben und für das Leben. Für Nietzsche gibt es keine Autonomie der Theorie und er sagt von sich, er wisse nicht, was rein geistige Probleme seien. Das reine Theoretisieren habe immer eine ideologische Funktion, er habe immer mit seinem ganz Leib und Leben geschrieben.“ (Seite 133)

Martin Heidegger ist zwischenzeitlich kaum mehr „politisch korrekt“ – und ich bevorzuge seinen Kollegen Karl Jaspers – , doch bleibt wohl die Herausforderung, ihn und seine Denkewege vor, im und nach dem Nationalsozialismus zu verstehen.

„“Das ‚Wesen‘ des Daseins liegt in seiner Existenz.‘

Der Mensch kann nur das Wesen des Daseins der menschlichen Existenz erforschen. Dabei ist es nicht möglich, das Wesen des Daseins der ganzen Gattung zu erforschen, sondern nur des ‚jemeinigen‘ Daseins.

In seiner Einführung in die Metaphysik stellt Heidegger die Frage, warum überhaupt Seiendes ist und nicht vielmehr nichts als die tiefstmögliche Frage, weil sie Grund angibt für das Seiende. Und es ist gleichzeitig die ‚ursprünglichste‘ aller Fragen.“  (Seite 152)

„Wie lebt man ohne Sinn?“ fragt Dagmar Eger-Offel in ihrem Kapitel über Jean-Paul Sartre mit dem Untertitel „Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.“

„Und das ist wahrscheinlich der mutigste Satz des Existenzialismus:

‚Der Mensch ist nichts anderes, als wozu er sich macht.'“ (Seite 162)

Sartres Zeitgenossen Albert Camus zitiert Dagmar Eger-Offel mit den berühmten Sätzen:

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ (Seite 174)

„So leite ich vom Absurden drei Schlußfolgerungen ab: meine Auflehnung, meine Freiheit und meine Leidenschaft.“ (Seite 178)

Im Abschnitt über Theodor W. Adorno und seine „Negative Dialektik“ wird die Frage gestellt nach dem Sinn im Angesicht des „Dritten Reichs“.

„Es handelt sich um den Entwurf einer Philosophie, die nicht den Begriff der Identität von Sein und Denken voraussetzt und auch nicht in ihm terminiert, sondern die gerade das Gegenteil, also das Auseinanderweisen von Begriff und Sache, von Subjekt und Objekt, und ihre Unversöhntheit, artikulieren will.“ (Seite 187)  

Mit Hannah Arendt rundet Dagmar Eger-Offel ihre Philosophiegeschichte ab, und ich entnehme zwei Zitate:

„Was völlig aus dem Gesichtskreis neuzeitlicher Denkungsart verschwand, war die Kontemplation, das Anschauen oder Betrachten eines Wahren.“ (Seite 202)

„Niemals ist man tätiger, als wenn man dem äußeren Anschein nach nichts tut, niemals ist man weniger allein, als wenn man mit der Einsamkeit mit sich allein ist.“ (Seite 204)

In ihrem Epilog – „Zu guter Letzt“ – vermerkt Dagmar Eger-Offel unter anderem:

„Das, was sich über die Beschäftigung mit der Philosophie verändert, ist das Verhältnis, in das sich der Mensch zur Welt setzt. Und das Philosophieren über die unterschiedlichen Verhältnismäßigkeiten gleicht einem Prozess, der über Abwägen, über Konkretion, den Menschen in seiner Positionierung immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Und das ist der Sinn eines solchen Philosophierens. Damit wäre jedenfalls meine große Frage des Anfangs zum Sinn der Philosophie beantwortet.“ (Seite 213)

Und Michael Kohlhaas aus Heinrich von Kleists Novelle? Dagmar Eger-Offel lässt ihn von Autor zu Kapitel den unterschiedlichen Gedanken und Ideen begegnen, imaginiert Gespräche der Philosophen mit Kohlhaas und deutet seine Perspektiven – was sich spannend liest wie ein Krimi. Gerechtigkeits-Terrorismus ist fehl am Platz, Gerechtigkeit bleibt Idee und Ziel.

Hiermit sei das Buch empfohlen, und wer schnuppern will, findet im Blog der Autorin kapitelweise Videos zum Betrachten und Hören.

Dagmar Eger-Offel: Kohlhaas und der Sinn des Lebens

 

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Hannah Arendt: „Die Freiheit, frei zu sein“ * „The freedom to be free“

Hannah Arendts Essay „The freedom to be free“ (um 1967) wurde gerade aus ihrem Nachlass herausgegeben. Neue Leser*innen mögen sie entdecken, ältere werden den Text genießen. Auf 35 Seiten beschrieb Hannah Arendt hier ihr Verständnis der Freiheit anhand der Begriffsgeschichte und der modernen Revolutionen, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Frankreich.

Der Begriff der Revolution stammt nicht aus der antiken Tradition des politischen Denkens, sondern aus der Astronomie, von Nicolaus Copernicus, „De revolutionibus orbium coelestium“, Nürnberg 1543. Zu übersetzen: „Über die Umschwünge der himmlischen Kugelschalen“, oder: „Über die Kreisbewegungen der Weltkörper“ (Einfügung des Autors nach: Lexikon der philosophischen Werke). Hannah Arendt berichtet, dass der Ausdruck Revolution beim Übergang in die politische Sprache zunächst ganz anders gebraucht wurde – im Sinne von Restauration, Wiederherstellung – so in England um und nach Cromwell bei der „Glorious Revolution“ 1688 (S. 13).

Auf den Punkt diskutiert Hannah Arendt die Ursachen, den Verlauf und die Folgen der Revolutionen in den USA und in Frankreich und zitiert die amerikanischen Verfassungsdenker ebenso wie die französischen Revolutionäre.

Condorcet wollte „das Wort revolutionär … mithin nur auf Revolutionen anwenden, die die Freiheit zum Ziel haben.“ (S. 11)

Nach John Adams sei die Revolution in den USA vollzogen gewesen, „bevor der Unabhängigkeitskrieg begonnen hatte“, weil die Bewohner der Kolonien „durch das Gesetz in Körperschaften zusammengefasst waren, die politischer Natur waren“, mit dem Recht, sich in „town halls zu versammeln, um dort über öffentliche Angelegenheiten zu beraten“; „in diesen Versammlungen der Städte und der ländlichen Bezirke wurde die Denkungsart des Volkes ursprünglich geformt“. (S. 18 – 19)

„Diese öffentliche Freiheit ist eine handfeste lebensweltliche Realität, geschaffen von Menschen, um in der Öffentlichkeit gemeinsam Freude zu haben – um von anderen gesehen, gehört, erkannt und erinnert zu werden. …“ (S.22)

„Die Männer der ersten Revolutionen wussten zwar sehr wohl, dass Befreiung der Freiheit voran gehen musste, waren sich aber noch nicht der Tatsache bewusst, dass eine solche Befreiung mehr bedeutet als politische Befreiung von absoluter und despotischer Macht; dass die Freiheit, frei zu sein, zuallererst bedeutete, nicht nur von Furcht, sondern auch von Not frei zu sein. …“ (S. 24)

In der Französischen Revolution, so Hannah Arendt, „stellte sich heraus, dass nicht nur die Freiheit, sondern auch die Freiheit, frei zu sein, stets nur das Privileg einiger weniger gewesen war. Aus dem gleichen Grund jedoch blieb die Amerikanische Revolution weitgehend folgenlos für das historische Verständnis von Revolutionen, während die Französische Revolution, die krachend scheiterte, bis heute bestimmt, was wir heute als revolutionäre Tradition bezeichnen.“ (S. 26)

In dieser Zusammenfassung kann nicht alles wiedergegeben werden, was Hannah Arendt zitiert von Machiavelli, Kant, Marx und Tocqueville, von Rosa Luxemburg und anderen, zu den deformierten oder abgebrochenen Revolutionen und ihren Folgen, – bemerkenswert ist ihre eigene Deutung von Geburt und Wiedergeburt, der Gebürtigkeit des Menschen:

„Und diese geheimnisvolle menschliche Gabe, die Fähigkeit, etwas Neues anzufangen, hat offenkundig etwas damit zu tun, dass jeder von uns durch die Geburt als Neuankömmling in die Welt trat. Mit anderen Worten: Wir können etwas beginnen, weil wir Anfänge und damit Anfänger sind.“ (S. 37)

In seinem lesenswerten Nachwort zur Entstehung und Argumentation des Essays sowie Hannah Arendts Denkweg führt Thomas Meyer „die Rede von der ‚Freiheit, frei zu sein'“, zurück auf Henry David Thoreau, aus: „Life without principle“, 1863, „Leben ohne Prinzipien“:

„Was bedeutet es, frei geboren zu sein, aber nicht frei zu leben? Welchen Wert hat politische Freiheit, wenn sie nicht Mittel ist für moralische Freiheit? Ist es die Freiheit, Sklave zu sein, oder die Freiheit, frei zu sein, auf die wir stolz sind?“ (S. 47)

Folgende Aufnahmen bitte anklicken zum Vergrößern:

Hannah Arendt: Die Freiheit, frei zu sein. Aus dem amerikanischen Englisch von Andreas Wirthensohn. Mit einem Nachwort von Thomas Meyer, dtv, München 2018

Verlag: https://www.dtv.de/buch/hannah-arendt-die-freiheit-frei-zu-sein-14651/

“The Freedom to Be Free”, in: Thinking Without a Banister. Essays in Understanding, 1953-1975, By Hannah Arendt. Edited by Jerome Kohn, Published by Schocken, Mar 06, 2018, ISBN 9780805242157

https://www.penguinrandomhouse.com/books/4712/thinking-without-a-banister-by-hannah-arendt/9780805242157/

 

Krippenspiel * nativity play

Am Weihnachtsabend feiern wir im Freundeskreis und freuen uns über dieses Krippenspiel von Oliver Fabel aus Berlin mit bauhäuslerischen Anklängen aus Weimar. Die Konfiguration ermöglicht Familienaufstellungen ebenso wie politische und philosophische Betrachtungen. In der deutschsprachigen Fassung treten die drei Könige auf, in der englischen Fassung die wise men. Sie besuchen mit den Hirten das Kind, die Eltern und Tiere im Stall. Bitte anklicken zum Vergrößern.

Gastgeber und Gäste tragen zu einem wundervollen Weihnachtsabend bei.

Menu-Folge: Kürbis-Möhren-Orangen- oder Erbensuppe, Gemüse-Antipasti, Heringsalat oder Räucherfisch, gefüllte Tomaten und oder chinesische Teigtaschen, Gänslein zu Klößen und Blaukraut mit Chili oder Grünkohl-Auflauf, dazu feine Weine und fränkisches Bier, dann Bio-Käse weich und hart oder Stadtwurst oder geräucherte Bratwurst – sowie Käsekuchen, Linzer Torte, Kaffee oder süßer Wein.

Bunte Gespräche, Geschenke und Gesänge, wozu sich eine Nachbarsfamilie einstellt. Lieder-Folge: „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, „Tochter Zion“, „O Du fröhliche“, „Stille Nacht“, „Yakanaka Vangeri“ und weiteres: „Ich steh an deiner Krippe hier“: „Ja, laß mich doch dein Kripplein sein, komm komm und lege bei mir ein Dich und all Deine Freuden.“

Nach Lukas sagen die Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“

Weihnachtsgrüße:

Frohe Feiertage, Ferientage und herzliche Grüße

Bernd

 

„Schwalben über dem Fluss. 1848 in Baden“. Historischer Roman von Ulrike Halbe-Bauer

Wie es damals war, in Baden vor und um 1848, – oder gewesen sein könnte -, dies erzählt uns Ulrike Halbe-Bauer in ihrem neuen historischen Roman „Schwalben über dem Fluss“ ebenso beeindruckend dargestellt wie historisch fundiert. Hier der „Klappentext“:

„Deutschland 1837: Hunger und Not vertreiben die Weberstochter Emma aus ihrer Heimat Ostwestfalen. Hart kämpft die Jugendliche ums Überleben. Im Hungerjahr 1846 lernt sie in einer Fabrik in Württemberg die eigenartige Henri kennen, Gattin des Fabrikbesitzers und wilde Reiterin. Henri schwärmt von Freiheit und Gleichheit und behauptet, dass in der zu erwartenden Revolution auch die Frauen Rechte erhalten würden. Als der Fabrikant von Mörderhand stirbt, wird Emma verdächtigt. Sie flieht zusammen mit dem Studenten Konrad über den Schwarzwald, harrt hungernd einen kalten Winter in Villingen aus und erreicht schließlich Freiburg. Sie wird Arbeiterin in der Seidenfabrik des pietistischen Sozialreformers Carl Mez.

Die Fabrikantenwitwe Henriette sucht unterdessen in Mannheim Anschluss an revolutionäre Kreise. Als die Revolution 1848 ausbricht, folgt sie Friedrich Hecker, der in Konstanz die Republik ausruft. Ein paar Tage später werden die Freischärler in Freiburg erwartet. Emma kämpft an der Seite von Christoph am Schwabentor in Freiburg. Doch haben Henri, Christoph, Emma und Konrad noch einen langen steinigen Weg vor sich, bis zumindest einige ihrer Wünsche wahr werden.“

Der Roman nimmt behutsam Fahrt auf, schildert die Verhältnisse in der Textilfabrik und die Beziehung von Emma und Henriette, Emmas Flucht und Begegnung mit Konrad in einem heißen Sommer in einem Steinbruch, ihren kalten Winter in einer Wäscherei in Villingen, Henriettes Station in Mannheim, und ihre dramatische Wiederbegegnung im Freiburger Revolutionsjahr 1848.

„Ach, diese verfluchten Aufenthaltserlaubnisse! Mein Heimatrecht hatte ich lange verwirkt und eine Aufenthaltsgenehmigung bekam man nur, wenn man in dem Ort Arbeit hatte. Aber Arbeit gab es nicht und wenn, brauchte man eine Aufenthaltsgenehmigung. Wenn man als Bettler aufgegriffen wurde, drohte das Zucht- und Arbeitshaus. Es reichte, wenn der Gendarm einen festnahm.“  S. 52

Bei einer Versammlung schildert Jörg aus Biel:

„Ich war im Handwerkerlese- und Singverein in Biel. Wir lesen verschiedene Zeitungen und singen. Wir lernen da viel, zum Beispiel, wie die Menschheit ist und wie sie sein sollte. Auch dass es immer mehr Reiche gibt und dass das gefährlich ist, weil dann für die Armen nur wenig übrig bleibt. Wir haben dort eine wichtige Botschaft aus Paris erhalten. Sie lautet ungefähr so: Frei und glücklich wird die Menschheit nur in einer Republik, in der alle sich als Brüder und Kinder eines Vaters sehen. Wenn wir das nicht schaffen und die Menschen nicht alles gemeinsam besitzen, wird es auf der Erde nur noch Herren und Sklaven geben und die Knute wird den letzten Seufzer desjenigen zum Schweigen bringen, der dann noch zu denken wagt, dass er auch Rechte haben könnte.“  S. 93

Ulrike Halbe-Bauer gelingen nicht nur plastische Bilder und Schilderungen der Jahre 1846 und 1847 während der Hungersnöte, des schwierigen und erneuernden Wandels des Textilhandwerks zur Industrie, wie auch sich plausibel entwickelnde Charaktere mit ihrer Verstrickung in die demokratischen Bewegungen und revolutionären Ereignisse in Baden 1848. Die Autorin erinnert nicht zuletzt an die verarmten Auswander*innen am Mannheimer Hafen in Richtung Amerika und wie sie von betrügerischen Schleusern ausgenommen wurden (S. 179 f.). Der Barrikadenkampf am „Schwabentor“ in Freiburg endet für die Romanfiguren in unerwarteten Lösungen.

Mit bester Empfehlung!

Ulrike Halbe-Bauer, Schwalben über dem Fluss. 1848 in Baden, Wellhöfer Verlag, Mannheim 2017

http://www.wellhoefer-verlag.de/?Ulrike_Halbe-Bauer

  

In Nürnberg hatte sich Ulrike Halbe-Bauer bereits bekannt gemacht mit ihrem erfolgreichen biografischen Roman: „Mein Agnes. Die Frau des Malers Albrecht Dürer“. Damit gelang es der Autorin, den langezeit zweifelhaften Ruf der Malers-Frau in ein angemessenes, selbständiges wie partnerschaftliches Licht zu rücken:

http://www.wellhoefer-verlag.de/index.php?Biographien/Mein_Agnes

Bücher

Schwalben über dem Fluss – 1848 in Baden, Roman über die badische Revolution in erster Linie aus der Sicht von einer Arbeiterin und einer Fabrikantengattin, Wellhöfer Verlag, Mannheim 2017

Mein Agnes – Die Geschichte der Agnes Dürer, biographischer Roman,Stieglitz Verlag, Mühlacker, 1996, 2. Aufl. 97 (Estnische Ausgabe: Minu Agnes. Naine Albrecht Düreri Korval, Kunst Verlag, Tallin 1999 ( TB: Brunnen, Verlag , 4.Aufl. 2008, TB Wellhöfer: Mannheim 2013, 2.Aufl. 2017)

Olympia Morata – In Heidelberg lockte die Freiheit, TB. Wellhöfer: Mannheim Herbst 2012 (vorher Brunnen)

Ich mache es auf meine Art – Bedeutende Künstlerinnen, zusammen mit Brigitta Neumeister-Taroni, erzählende Kurzbiografien mit über 100 Illustrationen, belser Verlag, 2011. Unter anderem geht es um Rachel Ruysch, Paula Modersohn-Becker, Rosa Bonheur, Käthe Kollwitz

Er, ich und die Kunst – Die Frauen der Künstler, zusammen mit Brigitta Neumeister-Taroni, erzählende Kurzbiografien (z.B. Martha Liebermann, Gala Dalì)

Margarete Steiff – Ich gebe, was ich kann, biografischer Roman, Brunnen Verlag, Gießen, 4.Aufl. 2010 (ebenfalls 2010 japanische Ausgabe)

Olympia Morata. Das Mädchen aus Ferrara, (erste weibliche Hochschullehrerin) biographischer Roman, Brunnen Verlag Gießen, 2004

Propheten im Dunkel. Kunne Brockötter erzählt vom Täuferreich zu Münster, Erzählung, Münster 1984; 2., überarbeitete Fassung 1992 unter dem Titel Kunne die Magd, Brunnen Verlag Gießen, 2005, holländische Ausgabe 2005

Paracelsus. Verachtet, gefeiert, gejagt, historischer Roman, Stieglitz Verlag, Mühlacker 1992

 

 

Ilona Jerger: „Und Marx stand still in Darwins Garten“

 

Ilona Jerger ist eine spannende Geschichte gelungen, wie es hätte sein können, wenn sich Darwin und Marx damals in ihrer Londoner Umgebung getroffen hätten. Sie blickt belesen in beider Lebensläufe, schildert ihr morbides Altersleben und führt über die Gespräche mit dem fiktiven beiderseitigen Hausarzt zu Reflexionen über die „Lage der arbeitenden Klasse in England“, religions- und kirchenkritischen Aspekten, mit dem sehr privaten Blick in die Wohnzimmer der beiden hin zu Familiengeschichten von Darwin mit Emma, Marx mit Jenny und Lenchen. Ilona Jerger betrachtet das England des 19. Jahrhunderts, mit herbstlicher und winterlicher Natur, wissenschafts-geschichtlichen, politischen wie weltanschaulichen und religiösen Fragen.

„Dass ihr Engländer sogar in der Natur das kapitalistische Hauen und Stechen sehen wollt. Überall Kampf und das Stärkere muss siegen!“ Marx ballte seine Faust, reckte sie in die Luft und ließ sie auf Darwins Buch niedersausen. „Dabei handelt es sich um einen klasssichen Zirkelschluss.“ Er zeichnete mit dem Zeigefinger Kreise in die Luft. „Darwin hat den Kampf ums Überleben, den er im kapitalistischen Sytem beobachtet hat, auf Tiere und Pflanzen übertragen. Nein, es ist kein Zufall, dass er in der Natur seine englische Klassengesellschaft wiedererkennt.“ (S. 108-109)

In Ilona Jergers Wiedergabe berührt mich, wie sie auf Marxens Emigration eingeht:

„Im Ton beiläufig, sagte Doktor Beckett, Entwurzelung und Vertreibung würden den Menschen doch arg zusetzen. Er habe noch andere Exilanten unter seinen Patienten und habe mit ansehen müssen, was Heimatlosigkeit mit ihnen anrichte. Das Verlassen der Familie. Die fremde Sprache. Die andere Kultur. Verfolgt sein. Ausspioniert werden. … “ (S. 113)

Die fiktive Begegnung von Darwin und Marx im Kapitel „Tischgebet mit Ungläubigen“ zum Abendessen im Hause Darwin mit seiner Frau Emma, die vorsorglich den Ortspfarrer dazu geholt hatte, Edward Aveling, hier eingeführt als Marxens Schwiegersohn, und dem deutschen Freidenker Ludwig Büchner komponiert die Autorin gedankenreich, köstlich und spritzig.

 

Ilona Jerger: Und Marx stand still in Darwins Garten, Roman, Ullstein, Berlin 2017, 288 Seiten

Besprechung bei Literatur im Fenster.

„And Marx Stood Quietly in Darwin’s Garden
England, 1881. Two of the most important man of the 19th century live only a  few miles apart. Charles Darwin resides in the countryside of Kent while Karl Marx lives in the midst of bustling London. Both, in their own right, have changed the course of modern science, philosophy and politics. And both struggle with that legacy. Disillusioned with life and the science community Darwin spends his days secluded researching earthworms. Marx desperately tries to write another piece of the magnitude of Capital Volume I, while he still awaits the uprising of the proletariat. One evening they meet at a dinner party. What starts as an engaging conversation quickly becomes a heated fight once they broach the topic of God and justice. The evening ends in a disaster yet the two forces of  nature share an intimate moment in which both quietly acknowledge that they have more in common than they thought or could ever admit publicly.

 

This brilliant novel allows for the reader to get to know these big and highly controversial personalities on a very personal and deeply human level. They appear vulnerable and fragile. Simultaneously, Jerger displays well researched discourses into Materialism and Evolutionary Theory that lay a solid foundation to this fictionalised setting. Most importantly, she transports us to very personal yet crucial moments that have fuelled these two men’s theories and have ultimately shaped the modern world as we know it. And only fiction can do that!“

 

 

Universales Lesen

Liebe Leser*innen,

lesen in der Universal-Bibliothek von Reclam. Herzlichen Glückwunsch zum 150. Geburtstag! Hier ein persönlicher  Beitrag.

     

Philosophie

Mein Lieblingstext und meist gelesenes Reclam-Heft ist Platons Gastmahl – über den Eros. Wie Sokrates und seine Freunde über die Liebe philosophieren – bleibt unvergleichlich. Diotima in der Schilderung von Sokrates: „Wohlan, ich will es dir sagen. Es ist nämlich ein Zeugen im Schönen, sei es im Leibe, sei es in der Seele“. (S. 79)

Platons Schüler und Kritiker Aristoteles eröffnet seine Metaphysik: „Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen. Ein deutliches Zeichen dafür ist die Liebe zu den Sinneswahrnehmungen …“ (S. 17)

Einmal hatte ich an den Reclam Verlag geschrieben und gebeten, Aristoteles‘ „Über die Seele“ heraus zu bringen, und wenige Jahre später freute mich die Ausgabe in Griechisch und Deutsch:

„Weil man die Seele hauptsächlich durch zwei unterschiedliche Merkmale bestimmt, nämlich durch Ortsbewegung einerseits und Denken, Begreifen und eine Art von Wahrnehmen andererseits, so scheinen auch das Denken und Beurteilen so etwas wie Wahrnehmen zu sein … “ (S. 139)

In Diogenes Laertius „Leben und Lehre der Philosophen“ finden sich viele Erläuterungen. Cicero war ein weiteres Lese-Erlebnis; er hatte die griechischen Erfahrungen ins Römisch-Lateinische übertragen und überliefert. „Es gibt ja kein Gebiet, auf dem die menschliche Tugend dem göttlichen Walten näher kommt, als wenn es gilt, neue Staatswesen zu gründen oder das Bestehen bereits gegründeter zu sichern.“ (Über den Staat, S. 23)

Marc Aurel schreibt in seinen Selbstbetrachtungen unter anderem: „Wer aber eine vernünftige, welt- und staatsbürgerliche Seele hochachtet, der hat kein anderes Interesse mehr, dagegen sucht er seine eigne Seele in vernünftiger und gemeinnütziger Verfassung und Tätigkeit zu erhalten und hierzu auch den Mitgenossen seines Geschlechts behilflich zu sein.“ (S. 87)

Boethius‘ „Trost der Philosophie“ übersetzte das antike Denken ins Mittelalter: „Das vollkommene Gute aber, so haben wir aufgestellt, ist das vollkommene Glück. Das wahre Glück also muß notwendig in Gott, dem Höchsten, wohnen.“ (S. 103)

Was wären die Menschenrechte, unser Grundgesetz ohne die Menschenwürde, die Pico della Mirandola begründete: „Über die Würde des Menschen“: „Hochverehrte Väter! In den Schriften der Araber habe ich gelesen, der Sarazene Abdala habe auf die Frage, was sozusagen auf der Bühne dieser Welt als das Bewundernswerteste erscheine, geantwortet, nichts erscheine der Bewunderung würdiger als der Mensch.“ (S. 5)

So geht es weiter bei Jean-Jacques Rousseaus Gesellschaftsvertrag: „Ich bin als Bürger eines freien Staates geboren und Glied des Souveräns, und so schwach auch der Einfluß meiner Stimme auf die öffentliche Angelegenheiten sein mag – mein Stimmrecht genügt, mir die Pflicht aufzuerlegen, mich darin zu unterrichten.“ (S. 5)

Neuere Philosophie

Was hat die Universal-Bibliothek von Reclam alles zu bieten, darunter:

  • Schillers „Briefe zur ästhetischen Erziehung des Menschen“
  • Schellings „Über das Wesen der menschlichen Freiheit“
  • Schleiermachers „Über die Religion“
  • Marx und Engels „Manifest der kommunistischen Partei“
  • Thomas Nagel „Was bedeutet das alles?
  • Manuela Di Franco „Die Seele. Begriffe, Bilder und Mythen“
  • und so weiter und so fort …

Literatur

  • Ovid,  Liebeskunst
  • Apuleius, Das Mächen von Amor und Psyche
  • Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie
  • Johannes von Tepl, Der Ackermann und der Tod
  • Die Pegnitz-Schäfer. Nürnberger Barock-Dichtung
  • Wackenroder / Tieck: Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders
  • Johann Wolfgang Goethe, Faust
  • Friedrich Hölderin, Hyperion
  • Christoph Martin Wieland, Musarion
  • Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas

Theater

Über die älteren und neueren Theaterstücke gibt es ebensoviel zu erzählen – Reclam sei Dank. Seien es die antiken Dramen  von Sophokles, Euripides, Aischylos und Komödien von Aristophanes – oder Shakespeare und die Modernen.

"Chorführerin:
Der Ankömmlinge schützt, Zeus schaue herab
Auf unseren Zug, der zu Schiffe sich hob
Von den Dünen feinkörnigen Sands im Gemünd
Des Nils. Ist sein ja das Land auch
Aus Syriens Grenzen, aus dem wir entflohn, 
Nicht daß blutige Schuld durch das Urteil des Volks
Die Heimat zu meiden uns zwänge,
Nein, aus eigenem Trieb, vor den Männern zu fliehn,
Verschmähend die Eh' mit den Söhnen Aigypts
Und ihr göttermißachtendes Treiben. ..." 
Aischylos, Die Schutzsuchenden, S. 5

"Chor
Ungeheuer ist viel und nichts
Ungeheuerer als der Mensch. ...
Sophokles, Antigone, S. 18
"Die Welt scheint mir mitunter leer von Begriffen und das Wirkliche unwirklich. Dieses Gefühl der Unwirklichkeit, die Suche nach einer wesentlichen, vergessenen, unbenannten Realität, außerhalb derselben ich nicht zu sein glaube, wollte ich ausdrücken - mittels meiner Gestalten, die im Unzusammenhängenden umherirren und die nichts ihr eigen nennen, außer ihrer Angst, ihrer Reue, ihrem Versagen, der Leere ihres Lebens. Wesen, die in ein etwas hinausgestoßen sind, dem jeglicher Sinn fehlt, können nur grotesk erscheinen, und ihr Leiden ist nichts als tragischer Spott. Wie könnte ich, da die Welt mir unverständlich bleibt, mein eigenes Stück verstehen? Ich warte, daß man es mir erklärt.
Eugène Ionesco, Die Stühle. Der neue Mieter, Vorsatz

 

Reclam Leipzig

  • Albrecht Dürer, Schriften und Briefe, Leipzig 1978: „Die groß Kunst der Molerei ist vor viel hundert Johren bei den mächtigen Künigen in großer Achtbarkeit gewesen, dann sie machten die fürtrefflichen Künstner reich, hieltens wirdig, dann sie achteten solche Sinnreichigkeit ein geleichförmig Geschöpf noch Gott. Dann ein guter Maler ist inwendig voller Figur, und obs müglich wär,  daß er ewiglich lebte, so hätt er aus den inneren Ideen, dovan Plato schreibt, allbeg etwas Neus durch die Werk auszugießen.“ (S. 153)
  • Griechische Atomisten. Texte und Kommentare zum materialistischen Denken der Antike, Leipzig 1977
  • Sebastian Brant, Das Narrenschiff. Texte und  Holzschnitte der Erstausgabe 1494 …, Röderberg Verlag, Frankfurt am Main 1980 (Reclam Leipzig 1980)
  • und andere

Reclam Leipzig und Stuttgart schauen in die Welt

Annemarie Schimmel war die Übersetzerin und Interpretin der arabischen und und persischen Literatur. Mehr davon bietet Reclam mit Al-Farabi und Ibn Kaldun.

Und sonst?

  • Das meist gebrauchte und zerfledderte ist bei mir das Fremdwörterbuch
  • In den Arbeitstexten für den Unterricht, deutsche Kurzgeschichten für das 9.- bis 10 . Schuljahr, mochte ich Heinrich Böll, „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“
  • Die „Leseliste“ bietet eine Anleitung mit 600 Titeln zum Weiterlesen
  • Im Universal-Notizbuch sammle ich Herbstgedichte …

Gute Wünsche dem Reclam Verlag und eindrucksvolle Bildungs-Erlebnisse allen Leser*innen

Bernd Arnold

 

Reclam Verlag: https://www.reclam.de/

 

Freiwilligenmesse * Volunteers Fair

English summary please see below.  –  An diesem sonnigen Oktobersonntag zeigten die Nürnberger Freiwilligenorganisationen, Rettungsdienste und Wohlfahrtsverbände beim „Tag der offenen Tür“ der Stadt Nürnberg, was sie anbieten und können.

Die Bildergalerie – zum Vergrößern bitte anklicken – zeigt ein paar Eindrücke dieses Tages:

Zahlreiche Nürnberger und Gäste kamen in die Stadt und erlebten auf dem Hauptmarkt, was die Hilfs- und Rettungsorganisationen auf die Beine stellen: die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk, die Johanniter und die Malteser, der Arbeiter-Samariter-Bund und das Rote Kreuz. Sie zeigten, was sie bei Unfällen und Notfällen leisten und wie sie ihre Mitarbeiter*innen ausbilden, mit Herz-Druck-Massage – dazu die leibliche Versorgung mit Kürbissuppe und Bratwürsten. Der Sportservice der Stadt Nürnberg bot ein buntes Programm mit den Gruppen der Sport- und Kulturvereine.

Bei den Freiwilligen-Organisationen gab es ein Wiedersehen mit vielen guten Bekannten und Kennenlernen von kreativen neuen Projekten. Das Zentrum Aktiver Bürger wirbt für die Familienpatenschaften und berät Interessierte, ihr Engagement zu finden. Die Bürgerstiftung Nürnberg ermöglicht mit Bürgergeld und Engagement vielerlei Aktivitäten wie die öffentlichen Bücherschränke in den Stadtteilen. Der Verein Arbeiterkind begleitet Studierende auf ihrem Weg. „Refukitchen“ kocht „für ein neues Wir“.

Junges Engagement vertraten das Diakonische Werk Bayern und der Internationale Bund mit den Freiwilligendiensten, Caritas mit dem Projekt „You are not alone“, die Kontaktstelle der Selbsthilfegruppen, der Verein „Viva con Agua“ für den freien Zugang zu Wasser und die Initiative „You are here – refugees welcome“ mit ihren Medienprojekten.

Ein heiterer Sonntag mit vielen Perspektiven. Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum präsentierte seine Fahrzeuge, Angebote und lud ein zur Besichtigung der „Mülloper“. Das Rathaus hatte seine Türen geöffnet für Besuche und Gespräche mit den Stadträt*innen.

Was wäre die Stadt ohne ihre 100.000 Ehrenamtlichen und Freiwilligen in allen Lebensbereichen? Das bürgerschaftliche Engagement möge weiter gut gedeihen. Einige Besucher*innen der Freiwilligenmesse suchen und finden ihren passenden Einsatz.

Vom Schönen Brunnen aus betrachtet die Figur des Sokrates das Markttreiben. Mich erinnert dies immer wieder gerne an die Idee, das Gefühl und den Gedanken des „Bürgerglücks“ (eudaimonia) im klassischen Philosophieren.

Beim „Tag der offenen Tür“ warben einige Angehörige für ihre Favoritin zur Wahl eines ganz besonderen Ehrenamtes, des nächsten Nürnberger Christkindles …

Das Beitragsfoto oben zeigt Mitarbeiterin Paula und Gast Bernd mit dem Kaffeebecher „Engagement to go“. Frischer Kaffee aus recycelten Kunststoff-Bechern, die Wegwerf-Behälter ersetzen. Danke schön für die Aufnahme von Thomas, unserem geschätzten Senior Advisor.

N Ü R N B E R G   E N G A G I E R T,  Freiwilligenmesse auf dem Nürnberg Hauptmarkt, Foto: Giulia Iannicelli, Stadt Nürnberg

 

Summary

This sunny sunday, the City of Nuremberg held its open day including the volunteering fair at the main market place and the City Hall. Service, welfare and rescue organizations demonstrated their work along with numerous young and elder volunteer initiatives.

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